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Vor der Zündung den Kottenforst durchkämmt

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BONN / MECKENHEIM. Kurz vor „Highnoon“ macht sich am Rande des Kottenforstes etwas Nervosität breit. Es ist 11.59 Uhr, und immer noch kommen ein paar Jogger aus dem Wald, die da längst nicht mehr hätten sein sollen. Immer noch schleichen Soldaten in Tarnuniformen nach einem 30-Kilometer-Marsch völlig platt aus dem Busch Richtung Bundesverteidigungsministerium. Immer noch kreist ein von unten nicht identifizierbarer Hubschrauber über der Autobahn 565, obwohl der Luftraum eigentlich gesperrt ist.

Mittlerweile ist es 12.05 Uhr. Während zahllose Autofahrer im Stau stecken, weil die Autobahn zwischen Hardtberg und Meckenheim seit 35 Minuten komplett dicht ist, versucht Ordnungsamtsmitarbeiter Harald Borchert immer noch herauszufinden, was der verflixte Hubschrauber da oben macht. Etwa zu dieser Zeit sucht Feuerwerker Heinz Luerweg rund 700 Meter entfernt wohl gerade Deckung an einer Autobahnbrücke, die hier über eine nie gebaute Straße führt. Später wird er sagen, dass der Hubschrauber nicht gestört habe. „Der war weit genug weg.“ Punkt 12.09 Uhr drückt Luerweg den Knopf. Rums!

Einen dumpfen Knall bekommen Ohrenzeugen und Bürger in Ückesdorf, Röttgen und auf dem Brüser Berg mit. Die Erde bebt kurz, das war s. Panzerminen, Gewehrgranaten und Wurfgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg haben Luerweg und seine Kollegen vom Kampfmittelräumdienst gerade beseitigt. Was es aber heißt, wenn dabei eine Sprengkraft von zwölf Kilogramm TNT frei wird, kann selbst der Laie danach noch erahnen. Hinter einem natürlichen Wall klafft ein Krater im Boden, die drei Kubikmeter Sand, mit dem die Munition abgedeckt war, haben sich in Luft aufgelöst. Matsch ist weit über den Wall hinweg bis auf die Autobahn geflogen. Aber es ist nichts passiert. „Sehr zufrieden“ ist Luerweg mit der kontrollierten Sprengung.

Zuvor haben an diesem Donnerstagmorgen Polizei und Ordnungsamt mit den Vorbereitungen begonnen. Anwohner an der Dornierstraße oder der Max-Ernst-Straße werden per Lautsprecherdurchsagen auf die bevorstehende Sprengung hingewiesen. Ein Abtransport der nahe der Autobahn gefundenen Munition wäre zu riskant gewesen. Sie ist noch scharf, aber nicht mehr „handhabungssicher“, wie es heißt.

Koordiniert durch Harald Borchert sind fünf Motorrad- und ein Mountainbikepolizist sowie mehrere Ordnungsamtsmitarbeiter im Wald unterwegs, um Wanderer, Jogger und Radfahrer wegzuschicken. Wege werden gesperrt. Im Radius von 300 Metern um den Ort der Sprengung herum darf sich kein Mensch aufhalten. Evakuierungen sind aber nicht notwendig, die nächsten Häuser sind weit genug weg.

Um 11.45 Uhr sperrt die Polizei die Autobahn. Am Ende für 45 Minuten - Geduldsprobe für zahllose Autofahrer. Luerweg und seine Kollegen bringen Sprengsätze an der alten Munition an, die bei Abrissarbeiten an einem Weltkriegsbunker aufgetaucht ist. Dass die Männer die alten Minen und Granaten mit der Hand zu dem Loch hinter dem Wall tragen müssen, ist das Riskanteste an der Aktion, sagt Luerweg hinterher. Aber jeder Umgang mit Kampfmitteln, betont der Fachmann, sei nervenaufreibend.

Dass ist die ganze Aktion kurz nach 12 auch für Harald Borchert und seine Mitstreiter von der Feuerwehr, die den knatternden Hubschrauber immer noch nicht identifiziert haben und in Handys und Funkgeräte sprechen. Bis endlich Entwarnung kommt. Kein neugieriger Militärhubschrauber von der nahen Hardthöhe, sondern ein Polizeiflieger, der die Absperrung des Gebiets und der Autobahn kontrolliert. Harald Borchert atmet kurz vor dem Rums erleichtert auf: „Der hat mir Sorgen gemacht.“