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VorurteileKopftuch, Islam und Terror

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Der Gemeindevorsteher der türkisch-islamischen Gemeinde, Abdurrahman Kol, in Aachen in der Moschee der Gemeinde. (Bild: dpa)

AACHEN - Es sind diese unscheinbaren Ereignisse, die einKlima verändern können. Süleyman Yücel lebt seit 24 Jahren in Aachen.Er schätzt seine Arbeitskollegen, kommt mit ihnen gut zurecht. Aberwenn er über seinen anstehenden Moscheebesuch spricht, schauen dieihn «komisch» an. Yücel spürt diese Blicke, auch wenn die Deutschennichts weiter sagen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001reichen Kleinigkeiten, und das Misstrauen ist da.

11. September: Zeitenwende für Muslime

"Für die Muslime ist der 11. September eine Zeitenwende", sagtAiman Mazyek. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime bemerkt,dass nach den Anschlägen in den USA mit 3000 Toten die Trennschärfezwischen Extremismus, Terrorismus und Islam verwischt sei.Unmittelbar nach den Anschlägen hätten Politiker noch einen moderatenTon angeschlagen. "Aber nach zwei, drei Jahren, wo die Angst vorTerroranschlägen allgegenwärtig war, gingen die rationalen, besonnenTöne zurück", sagt Mazyek.

Muslime würden mittelbar in Zusammenhang mit Extremismus undTerrorismus gebracht, sagt der Chef des Dachverbands mit rund 300Vereinen. Der Terror werde automatisch bei Muslimen angesiedelt. "Esbleibt bei der Binsenweisheit, dass Ungerechtigkeit letztlich einNährboden ist für ein Gedeihen von Terror."

Besuch bei der türkisch-islamischen Gemeinde in Aachen. Es gibtprovisorische Räume in einem Baucontainer. Daneben eine großeBaugrube. Die Gemeinde baut eine neue Moschee, ein elegantes Gebäudemit einem Minarett. Alles läuft harmonisch: Die Stadt lobt dieGemeinde, die Gemeinde lobt die Stadt.

Der Konfliktstoff äußert sich unterschwellig und auf anderenEbenen. Schon Äußerlichkeiten wie Kopftuch und langer Bart wirktenspürbare befremdlich auf Deutsche, meint Yücel. "Wir fühlen uns vonden Medien ins Abseits geschoben", sagt Ali Savran: Wenn es imZusammenhang mit dem Islam etwas Negatives zu berichten gebe, "machendie aus einer Mücke einen Elefanten".

Eingewachsene Vorurteile

"Die Vorurteile sind eingewachsen. Die negative Einstellung hatsich etabliert", meint Gemeindevorsteher Abdurrahman Kol. Erst aufdiesem Nährboden sei Thilo Sarrazins Buch mit Attacken gegen Muslimemöglich geworden. "Vor dem 11. September 2001 wäre das undenkbargewesen." Muslime fühlten sich nicht mehr wohl. Er kenne einige, dieschon ihre Sachen gepackt und Deutschland verlassen hätten.

Für Kol gibt es aber auch eine positive Seite dieser Entwicklung:Moscheen öffnen sich, sind um Transparenz bemüht. Bei derGrundsteinlegung für die neue Moschee waren Vertreter allerReligionen dabei. "Erstklassig", kommentiert er das. Auchuntereinander seien die Moscheen enger zusammengerückt.

Als 19 islamistische Terroristen mit vier entführten US-Flugzeugen Symbole amerikanischer Macht angriffen, war Gba Zerik von derdeutsch-türkischen Gesellschaft Eurotürk gerade mal elf Jahre alt.Auf dem ersten Blick hat ihr Problem nichts mit den Anschlägen zutun: Das Kopftuch. Sie und ihre Freundinnen fühlen sich angeglotzt.Bewerbungen mit Kopftuch-Fotos würden aussortiert. "Wir werden direktvorverurteilt", sieht die junge Frau dann doch eine Verbindung zu denAnschlägen. "Wenn die Deutschen Leute mit Kopftuch sehen, dann denkensie: Kopftuch, Islam Terrorismus."

(dpa)