BERGNEUSTADT – Auf den Tag genau zwei Jahre nach der Notoperation, aus der Gisela Mirus als vermeintliche Wachkoma-Patientin hervorging, gab sie gestern ihrem Lebensgefährten Rudolf Korn in Bergneustadt das Ja-Wort. Sprechen kann sie nicht. Aber die Finger der rechten Hand kann sie bewegen: Auf die Frage des Standesbeamen, ob sie die Ehe eingehen wolle, hebt Gisela Mirus den Finger und deutet auf das grüne „Ja“ der Ja-Nein Karte. Rudolf Korn strahlt.
Dabei hatte der Bergneustädter Standesbeamte die Eheschließung anfangs abgelehnt. Denn Gisela Mirus galt als Wachkomapatientin - und damit als nicht einwilligungs- und geschäftsfähig.
Rudolf Korn ist im Umgang mit Krankenkassen und Behörden geübt. Er schaltete das Familiengericht und einen Rechtspfleger ein, die eine Eheschließung befürworteten, allerdings gegenüber dem Standesbeamten nicht weisungsberechtigt sind. Der stimmte der Eheschließung schließlich aufgrund von zwei Filmen zu, die belegen, dass Gisela Mirus Worte lesen, zuordnen und Antworten auf Ja und Nein Fragen geben kann. Zusätzlich waren zwei Atteste notwendig.
Rudolf Korn und Gisela Mirus aus Pechbrunn im Fichtelgebirge haben einen langen Weg hinter sich. Seit 37 Jahren sind die beiden ein Paar. Einen amtlichen Schein für ihre Liebe brauchten sie nie, so Rudolf Korn. Erst vor gut drei Jahren hätten sie eine Hochzeit ins Auge gefasst, erzählt er. „Falls einem von uns mal was zustoßen sollte. Dann sind die rechtlichen Verhältnisse einfach klarer.“ Doch die geplante Hochzeit kam nicht zustande.
Ihrem Lebensgefährten hatten die Ärzte nach der Operation sogar geraten, der Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte zuzustimmen. Doch Rudolf Korn gab nicht auf. In ihm wuchs die Überzeugung: Gisela steckt nicht im Wachkoma. Sie ist aufnahme- und entscheidungsfähig Sie kann hören und verstehen, aber sie kann sich nicht auf herkömmliche Weise mitteilen.
In einer Selbsthilfegruppe hörte er von der Einrichtung „Patienten im Wachkoma“ in Neuenothe.
Seit Ende Januar wohnt das Paar dort. Jetzt hofft Logopädin Mechthild Glunz, dass ihre Patientin irgendwann wieder mehr als nur ein „Ja“ aussprechen kann.