LINDLAR – LINDLAR. Helmut Schmal hat in einem Steinbruch gearbeitet, hat 22 Jahre Steinbruch-Führungen angeboten und unter seinen Ahnen finden sich zahlreiche Steinstößer und Steinbrucharbeiter. „Ich bin mit dem Thema eng verbunden und fand es deshalb bedauerlich, dass sich heute kaum noch jemand an die vielen kleinen Steinbrüche erinnert, die früher existierten“, so Schmal. Und so setzte sich der 84-Jährige hin, um eine Strecke auszuarbeiten, an der möglichst viele dieser ehemaligen Steinbrüche liegen. Das Ergebnis: Eine 14 Kilometer lange Wanderstrecke, für die der Wanderer ohne Einkehr rund vier Stunden braucht.
Herrlicher Blick zur Schöpfungskapelle
Los geht s auf dem Marktplatz am Steenkühlerbrunnen, der eine typische Steinbrucharbeiterfamilie früherer Zeit darstellt. Von dort aus folgt der Wanderer der Beschilderung „Fußweg zur Jugendherberge“. Auf dem Berg angekommen geht s nach links zum Kreisverkehr Lindlar-Ost, der mit einem Schleifstein geschmückt ist. Auf dem angrenzenden Parkplatz schaut der Wanderer ins Tal „Wolfsschlade“. Der Blick fällt auf ein einzelnes Haus, neben dem links ein Fischteich zu sehen ist. Diesem gegenüber lag der Steinbruch „Wolfsschlade“ in gleicher Höhe zur heutigen L 299 und einstigen „Steinstraße“, die 1845 gebaut wurde.
Diese musste gesperrt werden, wenn im Steinbruch gesprengt wurde. „Drei Töne aus einem Horn signalisierten ,die Zündschnur brennt . Nach der Sprengung erfolgte ein langer Ton ,die Sprengaktion ist beendet - und die Arbeiter konnten die Straße wieder freigeben“, erzählt Schmal.
Vom Parkplatz aus geht der begeisterte Wanderer über die Straße hinein in einen Wirtschaftsweg, der in Richtung Horpe führt. An der Kreuzung steht ein Wegekreuz aus dem 18. Jahrhundert. Es geht nach links und nach einem kurzen Waldstück fällt der Blick auf den steinreichen Brungerst. Hinter der Unterführung der K 19 biegt man rechts ab, hält sich an der Gabelung wieder rechts und geht bei leichter Wegsteigung bis zu einem Querweg, dem die Wanderer nach links folgen. Nach 100 Metern liegt auf der rechten Seite der Steinbruch von Hermann Stiefelhagen aus Horpe, der hier ab 1950 / 51 die ersten rohen Bruchsteinplatten für Wege- und Terrassenbeläge abgebaut hat. Schmal: „Nach dem Krieg herrschte eine große Nachfrage nach Steinen.“
Seit 2004 ruht der Steinbruch - ebenso wie jener direkt gegenüber, den einst Paul Sawatzki aus Weyer führte. Wer genau hinschaut, erkennt noch Merkmale aus vergangener Zeit - so ragen noch einige Schienen aus dem malerisch verwucherten Gelände.
Weiter geht s den Weg entlang. Schon nach 150 Metern kommt man zum ehemaligen Steinbruch von Hermann Börsch. Danach führt die Strecke bis zum Ende des Waldes. Wir gehen rechts am Waldrand vorbei und folgen der „Markierung X“. Links befindet sich der Industriepark Klause, kurz darauf öffnet sich dem Wanderer ein herrlicher Blick über Horpe, den Bergrücken von Remshagen sowie auf die Schöpfungskapelle. Obwohl auch in Remshagen zwei alte Steinbrüche liegen, wandert Schmal unter der Unterführung der K 19 hindurch in den Ort Horpe. Dort wird die Horpestraße überquert und am Bach und an Fischteichen entlang gehen wir in Richtung L 299. „Am Ende des letzten Teiches führt links auch ein Weg nach Remshagen, über welchen ab den 20er Jahren Steinbrucharbeiter von Altenrath, Bolzenbach und Schümmerich ins Felsental zur Arbeit gegangen sind“, erläutert er.
Kurz geht es auf der L 299 entlang, an der ebenfalls direkt ein Steinbruch lag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als erste Müllkippe der Gemeinde benutzt, später mit Erdreich abgedeckt und anschließend bepflanzt.
In Eichholz selbst führt der Weg über die Talstraße nach links auf die Burger Straße. Hinter einer Ruhebank, die einen Blick unter anderem auf den Kegel der Leppe-Deponie bietet, geht es in den Wald hinein zu einem Stacheldraht, der den Steinbruch Kellersheide absichert. Schmal erinnert sich. „Auf dem Platz, wo einst die Steine verarbeitet wurden, lag in meiner Jugend der Bolzplatz von Eichholz.“
Noch ein kleiner
Einmannbetrieb
In Burg angekommen wendet sich der Wanderer an der Marienkapelle nach rechts am Wildgehege entlang. Dort liegt der nächste verlassene Steinbruch, bevor der kurze steile Weg zu einer Anhöhe und Ruhebank führt, wo wir einen wunderschönen Blick auf Lindlar und weit darüber hinaus genießen. Über den Höhenweg geht es weiter bis zur zweiten Ruhebank auf der rechten Seite, wo die Strecke rechts den Berg hinab führt.
Zwischen Ober- und Unterschümmerich sieht man noch kleinere Steinbrüche liegen. Doch die Strecke zweigt nach etwa 200 Meter links auf den Weg „Zum Kalkfeld“ ab. Dort führt sie an Oberschümmerich vorbei zu einem Waldstück. Hinter der nächsten Gabelung befindet sich der Steinbruch von Hans Josef Fischer, einem Einmannbetrieb. Wer Glück hat, erlebt Fischer bei der Arbeit: Er muss den Stein mit Hacke und Brechstein aus der Felsenwand lösen, um ihn dann zu Mauersteinen, Abdeckungen oder Bordsteinen vorzubereiten.
Abkürzen
ist möglich
Zurück aus dem Steinbruch, der zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, führt der Weg erst links und dann immer geradeaus. Wer nicht weiter nach Vossbruch und Richtung Segelflugplatz will, um sich dort noch einen alten Steinbruch anzusehen, kann eine Abkürzung nehmen, verrät Schmal: Denn ein Fußweg führt steil bergab nach Bolzenbach bis zu einem breiten Weg. Hier geht es rechts unterhalb der Häuser entlang, bis nach 30 Metern ein Weg links abbiegt. Die letzten Meter führen über den Vossbrucher Bach zur Vossbrucher Straße und von dort in den Ortskern.
