RHEIN-ERFT-KREIS – Noch ist es nicht zu kalt, um im Wald Pilze zu finden. Doch Förster Frank Pechtheyden warnt. „Wer Pilze sammelt, der sollte auch Kenntnisse davon haben.“ In seinen Wäldern in der Ville sind die Pilzvorkommen allerdings gering. Der Boden sei aufgrund der Rekultivierung noch extrem sandig und kiesig. Wer jedoch geduldig suche, der kann beispielsweise im Wald oberhalb von Brühl-Kierdorf fündig werden und Pfifferlinge, Maronen und vereinzelt sogar Steinpilze finden.
Generell gilt: Jeder Waldbesucher darf nur für den privaten Verzehr, maximal ein Kilogramm Pilze, ernten. In Naturschutzgebieten und Schonungen ist es allerdings verboten, die Waldwege zu verlassen. Ein schlechter Rat wäre es zudem, tagsüber ins Unterholz zu kriechen. „Wahrscheinlich ist nämlich, dass sich das Wild dort vor den Waldbesuchern versteckt“, weiß Pechtheyden aus Erfahrung. Ebenso gefährlich sei es, früh am Morgen, in der Mittagszeit oder in der Dämmerung tiefer in den Wald zu gehen. „Dann sind die Wildschweine nämlich auf Futtersuche“, erklärt er. Und wenn sich ein Wildschwein gestört oder angegriffen fühle um beispielsweise seine Frischlinge zu verteidigen, dann könnte es für den Pilzsammler durchaus gefährlich werden.
Doch noch ganz andere Gefahren lauern im Wald. Pilzzeit ist nämlich auch immer noch Zeckenzeit. Deswegen sollte jeder Pilzsammler am Abend trotz Kleidungsschutz seinen Körper schon ziemlich genau nach eventuellen Zeckenbissen kontrollieren. Ein oft unterschätztes Risiko ist auch, sich einen Bandwurm einzufangen. Dessen Überträger sei der Fuchs. „Die Pilze sollten deswegen auf gar keinen Fall roh verzehrt werden“, warnt Pechtheyden.
Auf keinen Fall
roh essen
Eindringlich appelliert er an alle Pilzsammler, ihre Funde zu Hause gründlich zu waschen und nur gebraten oder gekocht zu essen.
Damit jedoch auch im nächsten Jahr die Pilzernte im Wald sicher ist, sollten die Pilze oberhalb ihres Wurzelwerkes bei der Ernte abgeschnitten und auf gar keinen Fall mitsamt der Wurzel aus der Erde gerissen werden. Nur so ist nämlich sichergestellt, dass sie auch im nächsten Herbst wieder aus der Erde sprießen.
Außerdem haben laut Pechtheyden die Wurzelwerke der Pilze eine ganz wichtige Funktion für den Waldboden und die in ihrer Nähe stehenden Bäume. „Die Pilze versorgen den Boden und die Bäume mit wichtigen Nährstoffen - auch giftige Pilze haben diese Funktion", erklärt er. Und: „Pilze regen das Leben auf und im Waldboden an, sie gelten als Zersetzer oder Symbiosepartner der Bäume".
Daher sollte wirklich nur der sicher bestimmte Pilz abgeschnitten, das Loch zum Schutz des unterirdischen Pilzgeflechts aber wieder verschlossen werden. Auch alte, für die Küche häufig nicht mehr verwertbare Pilze bleiben am besten im Wald und können die Art so durch ihre Sporen verbreiten.
Damit jedoch das erste Sammeln nicht gleich auch das letzte wird, empfiehlt der Landesbetrieb Wald und Holz insbesondere Anfängern, sich einem pilzkundigen Fachmann anzuschließen oder einen Pilzkurs zu besuchen. Und sollte man sich nach dem Verzehr von Pilzen doch plötzlich unwohl fühlen, sollte man rasch zum Hausarzt gehen oder sich direkt ins nächste Krankenhaus bringen lassen. Rund um die Uhr ist zudem die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Uni Bonn besetzt: Telefonnummer (0 228) 19 24 0.
