Abo

Warum James Blunt nervt

3 min

James Blunt weiß, wie man Paparazzi austrickst.

Der Superstar des Pop-Schnulz sollte ausschließlich Frauen behuldigen. Drogengeschichten will man von ihm nicht hören.

Es gibt nur wenige Sprüche, die verbrauchter sind als der vom Bild, das „mehr sagt als tausend Worte“. Wenn der Spruch stimmt, will man nicht nachrechnen, wie viele Worte das Cover des neuen Albums von James Blunt sagt. Es besteht nämlich „aus weit über 1300 Fotos“, teilt die Plattenfirma mit. Sogar einen eigenen Namen bekommt die „spektakuläre“ Cover-Kunst: „Multipicture“.

Toll! Tatsächlich sind viele Bilder doppelt, dreifach, vielfach verwendet worden. Multipicture eben. Ist das am Ende ein Hinweis darauf, dass „All the lost Souls“ genau die Musik wiederholt, die vor drei Jahren half, den Vorgänger „Back to Bedlam“ zwölf Millionen Mal zu verkaufen? Wenige Worte braucht es für die Antwort: Ja.

Aber das war klar. Niemand ändert ein Rezept, wenn die Limonade vielen Menschen schmeckt. Auch diesmal enthalten die zehn Songs viel von dem Schnulz, der so typisch ist für den zum Popstar gewordenen britischen Ex-Kosovo-Soldaten mit Dienstgrad Captain.

In seiner Durchbruchs-Single „You're beautiful“ (2004) etwa hatte sich der sensible Panzerfahrer für ein hübsches Mädchen in der U-Bahn begeistert. Das kam weltweit gut an. Die Single verkaufte sich sechs Millionen Mal, weil das Lied herzzerreißend dramatisch und fatalistisch war. Er wird sie nie wiedersehen, so will es das Schicksal.

Das Lied war aber zugleich herzergreifend romantisch, eine Geschichte zum Reinträumen. Und keine U-Bahn-Schönheit dürfte die Vorstellung kalt gelassen haben, dermaßen angehimmelt zu werden, dass ein Welthit dabei herauskommt.

Klar, „All the lost Souls“ enthält die gleiche zuckrige Ware. Und die wird sich ebenfalls wieder wie die berühmten warmen Semmeln verkaufen. Es bleibt also bei James, dem Frauen-Behuldiger, der sich auch auf dem neuen Album zum Beispiel mit seiner „Simone“ zurück ins Jahr 1973 wünscht. Der kleine giftige Haken dabei ist, dass Blunt erst 1974 geboren wurde.

Zwischen de Burgh

und Clayderman

Aber es ist natürlich Blödsinn, einem Schnulzier seine Schnulzigkeit vorzuwerfen und von seinen Songs Authentizität zu verlangen. Jeder weiß, was er bekommt, wenn er James Blunt hört. JB ist eben der musikalische Wiedergänger von Chris de Burgh und Richard Clayderman, deren Stücke immer entweder mit Klavier oder Akustikgitarre beginnen. Und dann kommt diese wimmerige Stimme, die klingt - die klingen will - als stehe da jemand permanent vor dem Zusammenbruch.

Was allerdings wirklich irritiert beim Hören von „All the lost Souls“, sind die erwähnten giftigen Haken, von denen es einige gibt. Etwa, wenn der Barde in „Give me some Love“ davon singt, „Schiffsladungen von Drogen“ genommen zu haben. Wie er sich nur noch von einer Valium-Tablette ernst genommen fühlt. Oder wenn er sich des Nächtens in den Laken wälzt („Same Mistake“), weil er als Captain zwar Männer in den Kampf schicken musste, aber keinen Grund für den Krieg erkennen kann. All das sind eigentlich die vergleichsweise interessanten, ja sogar achtbaren Momente und Gedanken auf dem Album.

Trotzdem ist es in seiner Gesamtheit nur schwer zu ertragen. Es ist einfach diese Stimme. Dieses zitterige Gewürge, diese wie Schluchzer verschluckten Kiekser. Das nervt. Kerl, bitte: Sing vernünftig. Oder wenigstens über hübsche Mädchen in der U-Bahn!