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Warum sind Kfz-Schilder im Kreishaus so teuer?

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EUSKIRCHEN. Peter Müller (Name geändert) ist zu 100 Prozent schwer behindert, ist oberschenkelamputiert, benötigt eine Unterarmstütze, um sich einigermaßen zu Fuß bewegen zu können. Bei der Neuanmeldung eines Pkw brauchte er natürlich auch neue Kfz-Kennzeichen.

Er fuhr zum Kreishaus, konnte mit dem Aufzug aus dem Keller ins Erdgeschoss fahren, meldete sein neues Fahrzeug an, bekam dann auch die Buchstaben- / Zahlenkombination für seinen Pkw und brauchte jetzt eigentlich nur noch die beiden neuen Schilder. Für ihn, der kaum 20 Meter schmerzfrei gehen kann, war es ein Glück (glaubte er zumindest bis dato), dass es im Haus der Kreisverwaltung - 30 Meter von der Rezeption entfernt - eine im Kreishaus eingemietete Filiale eines Schilderdienstes gab, die Firma von der Heyden.

Dort fragte er zunächst nach den Kosten für zwei Schilder. Eine freundliche Dame sagte ihm: „49 Euro.“ Das sei aber teuer, entgegnete Müller, worauf die Dame ihm sagte, er könne die Schilder auch für 25 Euro bekommen, müsse dann aber aus dem Kreishaus raus und rund 130 Meter über die Ringstraße hinüber in eine andere Filiale der Firma gehen.

Dazu sah sich Müller allerdings aufgrund seiner körperlichen Beschwerden nicht in der Lage. „Wieso kosten die Schilder außerhalb des Kreishauses 25 Euro und im Kreishaus 49 Euro?“ fragte er sich. Für so schwer Behinderte wie für ihn sei doch gerade ein Service direkt an der Zulassungsstelle wichtig, aber dann könne man doch nicht mit einem Aufschlag von fast 100 Prozent bestraft werden.

Müller kaufte die Schilder für 49 Euro nicht. Denn drei Meter weiter im Kreishaus neben der Firma von der Heyden bot auch die Firma Rohoff die so genannten Autoschilder an, zwei Stück für 45 Euro. Hier kaufte Müller.

„Da hatte ich wenigstens noch vier Euro gerettet, denn zu der Filiale außerhalb des Kreishauses, wo es mich nur 25 Euro gekostet hätte, hätte ich es mit meiner Behinderung nie geschafft“, war er sichtlich verständnislos über das, was einem 100-prozentig Schwerbehinderten im Kreishaus passierte.

Hat man im Kreishaus eine Erklärung für diese Kreispolitik? Manfred Poth, Stellvertreter des Landrates, erklärte: „Wir haben eine Ausschreibung unter Fachfirmen gemacht, zwei von ihnen haben sich dann eingemietet. Auf die Preispolitik der Firmen hat der Kreis keinen Einfluss.“

Firmenchef Manfred von der Heyden bestätigt die Ausschreibung, aber auch, dass man schon kräftig bieten musste, um beim Kreis ins Geschäft zu kommen: „Wir müssen an den Kreis Euskirchen eine Umsatzprovision von 65 Prozent zahlen, wobei die Mindestmiete bei 2200 Euro im Monat liegt.“

Von der Heyden zur allgemeinen Situation: „Wir erreichen momentan mit unseren Umsätzen nicht einmal die Mindestmiete von 2200 Euro, es gibt sogar Tage, da machen wir in der Filiale im Kreishaus null Euro Umsatz, schreiben also richtig rote Zahlen. Wir können für die Filiale Kreishaus nicht anders kalkulieren, sonst könnten wir gleich Pleite machen.“

Peter Müller hätte übrigens die Kfz-Schilder noch günstiger bekommen können, nämlich für 19 Euro. Dies bei der Firma Schreiber an der Ecke Kessenicher Straße / Jülicher Ring , aber dann hätte er noch weiter laufen müssen - für ihn einfach unmöglich.