RHEINLAND. Rainer Calmund steht für die Fußball-Bundesligamannschaft von Bayer 04 Leverkusen. Aber Reiner Calmund ist auch ein Prototyp des Rheinländers, denn wo immer er in ein Mikrofon oder in eine Kamera spricht, ist seine sprachliche Herkunft unüberhörbar. Was Calmund spricht - sagen zumindest die Sprachforscher von Zentrum für regionale Alltagskultur des Amtes für rheinische Landeskunde in Bonn - ist kein Dialekt, sondern ein so genannter Regiolekt, eine Mischung aus Hochdeutsch und regionalen Eigenarten und Begriffen.
Millionen Rheinländer verwenden den Regiolekt. Selbst Einwanderer aus Westfalen eigneten sich die sprachliche Eigenart der Region an, berichtete gestern Sprachforscher Dr. Georg Cornelissen beim Tag der Rheinischen Umgangssprache in der Leverkusener BayArena.
Cornelissen forscht seit 1998 zum Thema Regiolekt Rheinisch und stellt fest: „Der Regiolekt boomt“ - allerdings auf Kosten der eigentlichen Dialekte, die auf dem Rückzug seien. Drei Elemente hat Cornelissen ausgemacht, die den rheinischen Regiolekt prägen: regionale Elemente, das typische „dat“ und „wat“ oder „Jesicht“ statt „Gesicht“; sprechsprachliche Elemente, wenn aus „hast du“ im Hochdeutschen „hastu“, „haste“ oder „hasse“ wird; schließlich umgangssprachliche Ausdrücke wie „schmeißen“ oder „verkloppen“.
Innerhalb des rheinischen Regiolektes gibt es erhebliche Unterschiede. Begriffe aus der Eifel würden zum Beispiel am Niederrhein nicht verstanden oder lauten dort völlig anders. Das stellte Peter Honnen vom Amt für Rheinische Landeskunde fest, als er sich daran machte, ein Regionalwörterbuch des Rheinlandes zusammenzustellen. Unter dem Titel „Kappes, Knies & Klüngel“ erläutert es rund 1500 Begriffe, die Honnen bei seinen Forschungen zusammengetragen hat. Interessant dabei: Viele im Rheinland gebräuchliche kurze Begriffe, wie zum Beispiel „uselig“ oder „frickeln“, bedürfen einer ausführlichen Erklärung, damit sie ein Nicht-Rheinländer auch verstehen kann.
Umgekehrt füllten sie auch Lücken in der Hochsprache. Zumindest ein Wort aus dem rheinischen Regiolekt hat auch Einzug in die Hochsprache gehalten: Klüngel. Unter diesem Begriff kann man sich auch im Norden wie im Süden etwas vorstellen.
Bleibt die Frage nach der Zukunft des Regiolektes. Die Sprachforscher sind sich einig: Nachdem auch die jungen Leute nach wie vor den Regiolekt sprechen, besteht kaum Grund zur Sorge
