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Wassermassen überfluten Dörfer

3 min

KREIS EUSKIRCHEN. Die Menschen sind noch immer fassungslos: Dorothea Eschweiler in Arloff schippt Kies von ihrer Einfahrt in ein tiefes Loch, das die Erft nachts in den Boden gespült hat. „Hauptsache, uns geht es gut. Unsere Autos haben wir rechtzeitig auf höher liegende Straßen gebracht.“

Einige hundert Meter weiter sortiert Briefzustellerin Erika Reitz die Post vor dem Hotel zur „Waage“: „Heute muss ich meine Tour komplett umplanen“, sagt die Postbotin.

Der Grund ist wenige Meter weiter sichtbar: Braune Brühe bedeckt die Felder und Wege, die Feuerwehr hat die Straße gesperrt.

Ganze Betriebe

unter Wasser

Nach den heftigen Regenfällen der 24 Stunden von Donnerstag- bis Freitagmorgen wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: Im Arloffer Hammerwerk ist die Flut in die Fabrikhalle gelangt, in Iversheim bei Greven-Fettchemie hat die Feuerwehr stundenlang Wasser abgepumpt, bei Auto-Heinen in Bad Münstereifel und in zahlreichen Handwerksbetrieben hat sie riesige Schäden gegeben. In den Dörfern entlang der Erft türmen sich an den Straßenrändern schon die ersten vom Wasser zerstörten Möbel, nasse Teppiche, Kartons mit durchnässten Büchern, triefnassen Klamotten.

Die ganze Nacht über haben die Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet versucht, die Schäden in Grenzen zu halten.

Doch der plötzlich alles überflutenden Hochwasserwelle konnten sie nicht stand halten. Am schlimmsten hat es das Eifeldörfchen Gilsdorf zwischen Nöthen und Pesch erwischt. Hier hat es beinahe in jedem der wenigen Häuser Wasserschäden gegeben. Doch auch unten im Tal, nördlich der Kurstadt Bad Münstereifel, sind die Schäden immens.

Das Unwettertief „Faysal“ hat ganze Arbeit geleistet. Die Großwetterlage, die nach Ansicht von Dr. Ulrich Kern vom Erftverband ähnlich der Ausgangslage für das große Elbehochwasser 2002 oder die verheerenden Überschwemmungen in England vor wenigen Monaten war, hat binnen weniger Stunden unglaubliche Wassermassen am Eifelrand abgeladen.

In Kreuzweingarten gegenüber vom Alten Brauhaus hat die Euskirchener Feuerwehr ihre Einsatzleitstelle aufgebaut. Immer wieder fahren hier Rot-Kreuz-Helfer, Feuerwehr-Kollegen oder die Mitarbeiter von Versorgungsunternehmen vor, um ihre nächsten Einsätze abzusprechen. Kanisterweise wird Treibstoff angeliefert, denn die Pumpen und Stromaggregate laufen schon mehr als einen halben Tag.

Auch 14 Stunden nach Beginn des Hochwassers an der Erft toben noch Wassermassen durch das betonierte Bachbett in Kreuzweingarten, die braune Brühe steht noch um den Kreuzweingartener Kindergarten. In Bad Münstereifel ergießt sich derweil ein Fluss die Schleidtalstraße hinab, überdeckt Gräber auf dem städtischen Friedhof, wälzt sich weiter nach Norden.

Wasserschäden in

fast jedem Haus

In fast jedem Haus entlang der Erft ist das Wasser durch Kellerschächte oder Kanalrohre nach oben gestiegen oder einfach durch Kellerabgänge in die Untergeschosse gedrückt worden. Im Hotel „Zur Waage“ drückt es sogar das Grundwasser zwischen den Treppenstufen durch. Allerdings nimmt das Rinnsal spürbar ab, sagt Hotelier Paul Schmitz, der in seiner Nachbarschaft Keller gesehen hat, in denen das dreckige Wasser fast meterhoch stand und Waschmaschinen und Trockner zerstört hat.

Gestern gab es noch keinen Überblick über die Höhe der Schäden, die durch den Jahrhundertregen auf ein kleines, begrenztes Gebiet bei Bad Münstereifel ausgelöst wurden.

Hunderte Feuerwehrleute, Rot-Kreuz-Helfer und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks haben unzählige Keller ausgepumpt. Nun sind sie selbst ausgepumpt.

CWEITERE BERICHTE: SEITEN 1 und 3