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Wegen KrankheitSchwere Geburt für Mutter und Arzt

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Glücklicher Geburtshelfer: Dr. Markus Valter mit Anna Maria, die unter hohem Risiko für die Mutter zur Welt kam. (Foto: Gauger)

Die Buchhalterin aus Kerpen leidet an einer extremen Bindegewebsschwäche, dem Ehlers-Danlos-Syndrom „vom vaskulären Typ“, also in besonders schwerer Form. „Unter der Geburt kann es passieren, dass die Hauptschlagader oder lebenswichtige Organe reißen. Das Risiko, dass die Schwangere verblutet, liegt bei 20 bis 50 Prozent“, sagt Dr. Markus Valter, Leitender Oberarzt der Geburtshilfe an der Uni-Frauenklinik. Ihm und seinem Team gelang es jedoch, die Gefahr zu bannen. Am 27. Juni kam Anna Maria, 1380 Gramm schwer und 37 Zentimeter lang, zur Welt.

„Mutter und Kind wohlauf“: Nie zuvor war dem Gynäkologen und Geburtshelfer stärker bewusst, was diese Worte bedeuten können. Auch für den erfahrenen Arzt war der Kaiserschnitt in der 29. Woche im wahrsten Sinne eine „schwere Geburt“. Natürlich sei er „nervös“ gewesen. „Wir hatten aber alles Rettende in Reichweite.“

Aus Sicherheitsgründen habe die Entbindung im Herzzentrum der Uniklinik stattgefunden, wo Hannelore P. zur Not gleich an eine Herz-Lungen-Maschine oder an ein Gerät zur Übertragung von Eigenblut hätte angeschlossen werden können. „Das ganze Klinikum wusste von der Hochrisiko-Geburt“, so Dr. Valter. Nach seinen Erkenntnissen ist Hannelore P. mit 39 Jahren weltweit die älteste Patientin mit Ehlers-Danlos-Syndrom, die erfolgreich entbunden werden konnte.

„Wir waren überaus behutsam und haben weitgehend auf Skalpell und Klemmen verzichtet“, berichtet der Gynäkologe. Komplikationen bei der Mutter seien auch nach dem halbstündigen Kaiserschnitt nicht aufgetreten. Eine natürliche Geburt wäre im Übrigen nicht weniger risikobehaftet gewesen. „Auch durch das Pressen unter der Geburt kann bei Patientinnen mit Ehlers-Danlos-Syndrom das Gewebe reißen.“ Ein Schwangerschaftsabbruch habe ebenfalls nicht zur Diskussion gestanden, weil er dieselben Gefahren berge wie der Kaiserschnitt.

Nur 400 bis 800 Menschen in Deutschland leiden an der nach zwei Hautärzten benannten Erkrankung, Frauen wie Männer gleichermaßen. Bei einem Teil von ihnen zeigt sich die Erbkrankheit zum Beispiel an überstreckbaren Gelenken. Valter: „Andere wissen gar nicht, dass sie betroffen sind.“ So war es auch bei der Mutter von Hannelore P. Sie starb bereits mit 39 Jahren bei einer Unterleibsoperation. Als sie während des Eingriffs „furchtbar blutete“, sei der Verdacht der seltenen Erkrankung aufgekommen. Ein Test bei Tochter Hannelore habe die Vermutung bestätigt. Sie nahm daraufhin die Pille und wurde trotzdem zweimal schwanger. „Je älter die Patientinnen, umso größer die Risiken bei der Geburt, weil das Bindegewebe immer schwächer wird“, so Dr. Valter.

Das erklärt auch, dass die Mutter die Geburt ihrer Tochter Hannelore im Alter von 25 Jahren überstand und Hannelore P. wiederum die Geburt ihres Sohnes, den sie mit 20 Jahren zur Welt gebracht hatte. In wenigen Wochen wird sie auch Töchterchen Anna Maria mit nach Hause nehmen können. „Sie ist jetzt sehr glücklich“, sagt ihr Geburtshelfer. Und nicht nur sie. Auch ihr volljähriger Sohn ist unendlich dankbar, dass er seine Mutter nicht verloren hat.