In einer Zeit, als es noch keine Laptops und Internet für Jedermann gab, hat Rudolf van Megen weit in die IT-Zukunft gedacht. Schon damals war uns klar: Die Software ist einfach zu schlecht. Und die Systeme werden immer komplexer. Da ging es etwa um Fragen wie den Absturz der Rakete Ariane durch Programmfehler. Damals, ab 1977, erforschten van Megen und Kompagnon Heinz Bons am Lehrstuhl für Informatik der Universität nach dem Studium das damals noch exotische Feld. Mit Unterstützung des Bundes und von Siemens. Doch bei den beiden Angestellten im öffentlichen Dienst regte sich der Gründergeist. Wir wollten weniger Bürokratie, wir wollten unsere Ideen umsetzen.
Als das Duo 1980 das Forschungsprojekt beendet hatte, lehnte der Bund weitere Fördergelder ab. Tests von Software? Wozu? Das hielt die Kölner nicht ab, SQS zu gründen. Think big. Bleibe bei den guten Kaufmannsprinzipien Nehmen, Geben und Lebenlassen. Behalte Bodenhaftung, zählt van Megen mit rheinischem Tonfall enthusiastisch Zutaten seines Erfolgsrezept auf. Die Begeisterung für die Sache hat nicht nachgelassen, die Strategie ging auf: von zweieinhalb Mitarbeitern auf nun mehr als 1000, und dazu 121 Millionen Euro Umsatz.
Ob die Koordinierung von Luftoperationen der Nato, Verdi-Gewerkschaftszusammenführung oder Bankenexpansion in Indien - die Aufträge der namhaften Kunden sind vielfältig. Es hat sich längst weltweit herumgesprochen: Der Teufel steckt im elektronischen Detail. Die hoch qualifizierten Fachleute des Kölner Unternehmens tüfteln in der Porzer Test Lounge an Methoden und beraten Firmen, um (intern entwickelte wie extern gekaufte) Software den Anforderungen der Kunden anzupassen und Abfangjäger gegen Abstürze einzubauen. Die Entwicklung geht rasant weiter, bis hin zur Augenüberwachung gegen Sekundenschlaf im Auto. . .
Die Qualität der Software wirke sich gravierend auf Arbeitsprozesse und unterm Bilanz-Strich aus, so van Megen. Nicht erst wenn statt 2,70 Pence irrtümlich als 2,70 Pfund pro Aktie eingegeben werden oder wenn es bei Verkehrssystemen wie Toll Collect hakt, sind Informatik-Experten gefragt. Tests müssten möglichst früh einbezogen werden. Da sei es ein bisschen wie bei der Gästetoilette im geplanten Eigenheim, erklärt der Businessmann. Am Ende ist sie meist vergessen oder zu klein. Änderungen aber sind zu dem Zeitpunkt zu teuer. Am Anfang braucht man nur ein bisschen Rubber (Radiergummi), und man kann leicht den Plan ändern. Themen wie Kostenersparnis durch EDV-Outsourcing oder Bündelung sind neben der Software-Qualität ebenfalls gefragt.
Mittlerweile agiert die SQS-AG auch außerhalb von Europa: Vor kurzem wurden in Ägypten die 20 ersten Mitarbeiter eingestellt. Neben der Qualifizierung mussten vor allem die deutschen Sprachkenntnisse stimmen: In Ägypten gibt es hervorragende deutsche Schulen und Hochschulen. Davon profitiere wiederum die Kölner Region mit ihrem Fachkräftemangel, die dann besser im globalen Wettbewerb mithalten könne. Die Stadt will bestrebt sein, dass wir eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis innerhalb von 14 Tagen für Mitarbeiter erhalten. Das ist wichtig.
Think big mit Bodenhaftung, das rät CEO van Megen auch als Vorstandsmitglied des IT- und Medienrats der Stadt, um Köln bei der Vermarktung besser zu positionieren und Kleines zum Großen zu entwickeln: Die Stadt sollte auf die IT-Metropole Rhein setzen, um die Potenziale weiter auszuschöpfen. Unternehmer aus Kairo möchte der 53-jährige Wirtschaftsbotschafter bei einem Kongress im April von der Top-Region am Rhein überzeugen. In Düsseldorf.