REGENSBURG. Seit gestern kann die Altstadt von Regensburg in einem Atemzug mit den Pyramiden von Gizeh und der Chinesischen Mauer genannt werden. In Jubel wollten die Oberpfälzer freilich nicht ausbrechen, auch wenn die Stadt das Rathaus gestern schnell mit einem großen Transparent schmückte. Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) gab unumwunden zu, dass er in den vergangenen Wochen wegen der Bewerbung der Stadt „eher pessimistisch“ gewesen sei. Denn die Weltorganisation ist streng geworden bei der Aufnahme neuer historischer Stätten als Weltkulturerbe (siehe auch Meldung rechts).
Letztlich ging es für die Stadt dann doch glatt. Die Denkmalschützer aus allen Teilen der Welt stimmten gestern auf ihrer Tagung in Vilnius in nur sieben Minuten für Regensburg und ernannten die Stadt so zur 32. deutschen Welterbestätte - insgesamt 830 Kultur- und Naturstätten umfasst die Liste weltweit.
So endete ein rund 20 Jahre dauernder Kampf um die Auszeichnung - die auch begehrt ist, weil sie die Touristenzahlen steigert - mit einem „Happy End“. Nach einem langen Weg durch die Kulturbürokratie hatte Regensburg schließlich vor zwei Jahren eine Bewerbung von 3000 Seiten Umfang vorgelegt. Die Unesco-Experten erfuhren alles über die Geschichte der einzelnen Bauten, den Zeitpunkt der Sanierung und die noch erhaltene Original-Bausubstanz.
Zuletzt musste Regensburg allerdings nochmals bangen, überhaupt in diesem Jahr als offizieller Beitrag der Bundesrepublik der Unesco vorgeschlagen zu werden. Denn 2005 hatte Heidelberg gepatzt und war zurückgestellt worden. Eigentlich wollte die Neckarstadt dieses Jahr wieder an den Start gehen. Dann hätte der Konkurrent von der Donau zurückstehen müssen, da Deutschland keine zwei Kandidaten ins Rennen schicken darf. Im November entschieden aber Denkmalpfleger aus allen Bundesländern, dass Heidelberg zurückstehen muss. Im Unterschied zu Einzeldenkmälern wie der Wartburg in Eisenach erhielt im Fall von Regensburg das Altstadt-Ensemble als Ganzes den Titel. Allerdings hat die Stadt an der Donau auch herausragende Einzelbauten zu bieten. Neben dem gotischen Dom St. Peter ist dies vor allem die im 12. Jahrhundert errichtete Steinerne Brücke, die damals der einzige Donauübergang zwischen Ulm und Wien war. Als „Weltwunder“ bezeichnet, wurde sie zum Vorbild der Prager Karlsbrücke.
Doch die „Steinerne“ könnte auch zur ersten Bewährungsprobe für die junge Weltkulturerbe-Stätte werden. Denn an der ältesten Brücke Deutschlands nagt der Zahn der Zeit. Das Denkmal ist in erbärmlichem Zustand und muss dringend saniert werden. Da die „Steinerne“ bis heute als Buszubringer für den Ortsteil Stadtamhof dient, ruinieren die schweren Linienbusse die Fundamente der Brücke. Eine in Erwägung gezogene Ersatzbrücke über die Donau hatte die deutsche Unesco-Kommission bereits 2005 abgelehnt: „Das historische Flusspanorama würde dadurch erheblich beeinträchtigt.“ Zudem hat das Welterbe-Gremium in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal bei deutschen Welterbestätten klar gemacht, dass mit Neubauten besonders sorgfältig umgegangen werden muss. Sowohl der Kölner Dom als auch das Dresdner Elbtal landeten wegen problematischer Bauprojekte auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Denkmäler; Köln konnte sich nur mit erheblich abgespeckten Plänen rehabilitieren.
„Keine Käseglocke
drüber und Schluss“
Rathauschef Schaidinger geht dennoch davon aus, dass das Brückenproblem zur Zufriedenheit der Unesco gelöst werden wird. „Wir werden genauso verantwortungsbewusst wie in der Vergangenheit mit unserem Erbe umgehen“, verspricht er. Neubauten seien auch in einer Welterbestadt möglich, und Veränderungen werde es immer geben, glaubt der bayerische Städtetagschef. „Welterbe heißt nicht: Käseglocke drüber und Schluss.“
