Den Briten geht es gut in diesen Tagen, die Wirtschaft boomt, da kann man auch schon mal etwas mehr fürs Essen ausgeben. Ein China-Restaurant in London bietet zur Zeit einen Teller Suppe für 108 Pfund an - umgerechnet schlappe 160 Euro. Die Suppe mit dem poetischen Namen „Der Buddha springt über die Mauer“ enthält so exotische Zutaten wie ganze Abalone, Huan-Schinken, Haifischmagen und Seegurke. Sie soll so aromatisch sein, dass der Legende nach Buddha, der ja strikter Vegetarier war, über eine Mauer sprang, um herauszufinden, was da so verlockend duftet.
Bernard Yeoh, der Besitzer des Restaurants „Kai“ im überaus noblen Londoner Stadtteil Mayfair, hält den Preis für vollkommen gerechtfertigt. „Ich würde sogar sagen, sie ist preiswert“, sagte er, „denn wenn Sie die Suppe mit den von Ihnen gekauften Zutaten selbst kochen wollen, dann würde sie mit großer Sicherheit ziemlich genau das Gleiche kosten.“
Die teuerste Ingredienz ist Abalone, auch Meerohr genannt, eine Meeresschnecke, die nur einen Zentimeter pro Jahr wächst. Der Zubereitungsprozess ist zudem kompliziert und so zeitaufwändig, dass Gäste das Gericht fünf Tage im Voraus bestellen müssen. „Es gibt vier verschiedene Schritte beim Garen“, erklärt Meisterkoch Yeoh, „die Kochzeit beträgt insgesamt 21 Stunden. Wir machen sie nur auf Bestellung und immer nur eine Portion, so ist sie immer frisch.“
Das Restaurant, zu dessen Stammgästen Alt-Rocker Mick Jagger gehört, verkauft pro Monat durchschnittlich zwei Teller dieser Suppe. Wem der Preis zu sehr aufstößt, mag sich damit trösten, dass sie eigentlich nur ein Drittel kostet. Denn wie ein chinesisches Sprichwort weiß: „Ein wahrhaft gutes Essen wird nicht nur ein- sondern dreimal genossen - in Erwartung, beim Verzehr und in der Erinnerung.“