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Wenn ein Reifen genügtWie Einradfahren das Selbstbewusstsein steigert

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Dieser Balanceakt ist eine Frage des Geschicks. – Bei Zirkusschulen und speziellen Vereinen kann die Technik erlernt werden

Es sieht aus, als wäre es eigentlich unmöglich: Kinder und Jugendliche fahren auf nur einem Rad. Geschwind und elegant drehen sie ihre Runden. Aber wie halten die jungen Artisten die Balance? Wie schaffen sie den Start? Wieso stürzen sie beim Absteigen nicht? „Wer das Einradfahren von außen betrachtet, für den ist die Faszination meistens sehr groß“, sagt Daniel Patschovsky. Der 37-Jährige arbeitet seit 2003 beim Zirkus- und Artistikzentrum Köln (ZAK) und übernahm vor sechs Jahren die Leitung der Einrichtung Fortbildungs- und Erwachsenenbereich/Fachstelle Zirkuspädagogik NRW. Er hat bereits vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Einradfahren beigebracht.

Artistische Ausbildung

Daniel Patschovsky selbst begann seine Einrad-Karriere mit acht Jahren beim Kinder- und Jugendcircus Peperoni in Heidelberg, wo er aufwuchs. „Es war eine Idee meiner Oma, weil das Projekt damals ganz neu war“, sagt er. Losgelassen hat ihn die Begeisterung dafür nicht mehr. So absolvierte er später in Brüssel seine Ausbildung zum Zirkuspädagogen und bietet im ZAK Workshops zum Einradfahren an. Auch beim allgemeinen Zirkustraining ist die Technik ein Teil der Artistik, die gelehrt wird.

Spezielle Formen

Adressen, Kurse und Angebote

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Neben dem Zirkus- und Artistikzentrum Köln (www.zak-koeln.com) bieten zahlreiche weitere  Institutionen und Schulzirkusse wie „Radelito“ an der Willy-Brandt-Gesamtschule  Köln-Höhenhaus, der Kölner Spielecircus in Köln-Vogelsang oder die Zirkusfabrik in Köln-Dellbrück Kurse und Workshops an. Möglichkeiten bieten zudem viele Jugendzentren  oder der Lino-Club. Ebenso haben sich einige Sportvereine in der Region darauf spezialisiert  oder haben extra Abteilungen. Die Gruppe „All Stars On(e) Wheel“ vom TuS Reichshof 1883/1929 ist mit Teilnahmen an Deutschen und Europa-Meisterschaften sogar sehr erfolgreich.

Entwicklung

In den 2000er-Jahren boomte die Einrad-Szene in Deutschland. „Vor allem im Freestyle- Bereich“, sagt Daniel Patschovsky vom Zirkus- und Artistikzentrum Köln (ZAK). Zeitgleich entstanden immer mehr Kinderzirkusse. „Dadurch hat sich das Einradfahren sehr stark verbreitet.“ Inzwischen ist es eine richtige Sportart – mit Wettbewerben und Meisterschaften. Es gibt sogar Einradhockey und -baskteball. Ob Rennen fahren, Touren machen oder Strecken durch unwegsames Gelände suchen – die Möglichkeiten sind ähnlich vielfältig wie beim Zweiradfahren.

Angebunden ist die Sportart im Bereich Kinder- und Jugendzirkus, bei speziellen Vereinen und Clubs sowie in der Freestyle-Szene. Neben dem einfachen Einrad gibt es besondere Formen, meist zum artistischen Gebrauch: mit hoher Stange, zwei oder drei übereinander montierten Rädern und mehr.  Die aus dem 19. Jahrhundert bekannten Monoräder sind ebenso Einräder.

Für alle möglich

Daniel Patschovsky sagt: „Jeder kann das Einradfahren erlernen.“ Der eine habe den Dreh nach drei Tagen intensiven Trainings raus, der andere brauche vielleicht drei Monate, weil er sich nur alle paar Tage mal mit dem Sportgerät beschäftige. Aufgrund der benötigten Grundkoordination empfiehlt sich das Erlernen frühestens ab dem Vorschulalter. Wer hingegen schon erwachsen oder besonders groß sei, der habe oft heftiger mit Sturzängsten zu kämpfen, weiß Trainer Daniel Patschovsky. „Es ist ein Spiel zwischen Balancehalten und ein bisschen ins Ungleichgewicht fallen.“

Das richtige Modell finden

Wirklich gefährlich sei es aber nicht. Die Fortbewegung sei nie so schnell wie beispielsweise beim Inline-Skaten. „Es fühlt sich eher wie Fahrradfahren im ersten Gang an“, sagt Daniel Patschovsky. Wichtig ist, das richtige Modell zu finden. Eine Faustregel lautet: Wenn das Einrad senkrecht vor dem Fahrer steht, sollten zwischen Bauchnabel und Satteloberkante noch zwei Finger passen. „Ab der ersten Klasse passen meist schon 20-Zoll-Räder“, sagt der Experte. Es sind aber darüber hinaus 16- und 18-Zoll-Räder erhältlich.

Großer Effekt

Wer das Einradfahren beherrscht, hat auf jeden Fall eine Menge gewonnen, wie Daniel Patschovsky erklärt: „Es ist eine Technik, die den Gleichgewichtssinn schult, die das Fallen lehrt, die Ängste abbaut und die das Selbstbewusstsein steigert.“