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Wer anderen auf den Teller schaut

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TROISDORF. Über den Tellerrand hinauszublicken bilde, sagt man. Auf anderer Leute Teller zu schauen, in ihre Suppentassen und Getränkegläser, macht unter Umständen auch schlauer. Und genau das tun seit Monaten Mitarbeiter der TNS Infratest Gesundheitsforschung. Für die zweite Nationale Verzehrsstudie fragen sie bis Ende Oktober insgesamt 20 000 Menschen in 500 Kommunen nach ihren Essgewohnheiten, bis Samstag machen sie in Troisdorf Station.

Zwei Jahre Vorbereitung stecken in der Studie, die von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe konzipiert wurde. „In allen europäischen Ländern nimmt der Zwang zum Handeln zu, weil die ernährungsbedingten Krankheiten zunehmen“, erläuterte Wolf Best von Infratest, warum fast 20 Jahre nach einer ersten derartigen Studie (1985 bis 1988) nun erneut nachgefragt wird. Zweiter Aspekt sind Fragen des Verbraucherschutzes: Wie weit folgt die Bevölkerung Werbebotschaften, lässt sie sich zum Kauf von Lebensmitteln bewegen, deren Nutzen fraglich ist. Neugierig auf die Ergebnisse der Studie sind auch die Soziologen, die sich etwa dafür interessieren, wo und wie die Mahlzeiten eingenommen werden. „Mit dem Verzicht auf gemeinsame Mahlzeiten geht etwas verloren“, weiß Wolf Best.

Entsprechend vielschichtig sind die Fragen, die Ernährungsberaterin Monika Kreuser sowie ihre Kolleginnen Karin Denk und Christine Stumböck den Probanden seit November immer wieder stellen. Nach einem Fragenblock zur Person, schließlich beeinflussen auch Einkommen, Bildung und Religionszugehörigkeit die Essgewohnheiten, geht es um das Essen in den zurückliegenden vier Wochen. „Das geht eigentlich sehr gut“, zerstreut Kreuser die Bedenken, dass man sich doch nach so langer Zeit nicht an die Mahlzeiten erinnern könne. Beim Versuch, Mengen zu ermitteln, helfen auch ein Fotobuch und ein Mustergeschirr mit Tellern, Tassen und Bechern. Schließlich ist nach dem Wiegen und Messen unter anderem von Taillen- und Hüftumfang noch ein Fragebogen auszufüllen, der auch Aufschluss gibt über das Ernährungswissen der Probanden.

„Die Leute sind sehr ehrlich“, berichtete Monika Kreuser aus ersten Erfahrungen. Die Auswertung - jeder Teilnehmer bekommt als Dank eine Analyse der eigenen Angaben in Bezug auf die Gesamternährung, auf Fett, Eiweiß oder Vitaminversorgung - sei für viele der Befragten interessant. „Und außerdem“, so Kreuser, „ist es spannend, sich mal eine Stunde Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, was ich eigentlich esse.“