REIFFERSCHEID. Als sich die Nachricht verbreitete, dass der Liebfrauenhof an die Heinrich Corsten Schule verkauft ist, liefen sowohl bei dieser Einrichtung in Mönchengladbach als auch bei der Hellenthaler Verwaltung die Telefone heiß und Bewerbungsschreiben stapelten sich. Vor allem Lehrer, Therapeuten, Hauswirtschaftskräfte oder Hausmeister aus der Region bewarben sich um eine Stelle. Hellenthaler Bürger boten Wohnungen zur Vermietung an die zukünftigen Beschäftigten im Liebfrauenhof an.
Montag vor einer Woche kaufte die Heinrich Corsten GmbH den Liebfrauenhof von den Schwestern vom Guten Hirten, die dort ein Seniorenheim unterhielten. Die Heinrich Corsten Schule betreibt in Mönchengladbach eine Schule samt Internat. 240 Jugendliche ab der fünften Klasse, die aus ganz Deutschland kommen, werden dort betreut. 107 leben im Internat.
Tobias Carsten stellte gestern im Hellenthaler Rathaus seine Konzeption vor. Die Heinrich Corsten Schule besteht seit über 30 Jahren, gegründet von seinem Großvater Heinrich, fortgeführt von seinem Vater selben Namens, beides Pädagogen. 1996 entstand die Corsten Jugendhilfe GmbH. Lehrer, Pädagogen, Therapeuten und Sozial-Pädagogen betreuen hier Kinder und Jugendliche, die in der Familie und in der Schule Hilfe benötigen, bis hin zum Abitur, das in Mönchengladbach auch in einer privaten Ergänzungsschule möglich ist. Die Kinder und Jugendlichen leiden beispielsweise an Schulangst, sind Schulverweigerer, weil sie viele Misserfolge erlitten, sind hyperaktiv oder hoch begabte Minderleister, verfügen beispielsweise über eine IQ von 130 und können ihr Talent nicht in schulische Leistung umsetzen.
32 Kinder
und Jugendliche
Zwölf Anmeldungen liegen Tobias Corsten derzeit vor. Bis zu 32 Kinder und Jugendliche ab Klasse fünf sollen in Reifferscheid betreut werden.
Der Liebfrauenhof wird die erste Dependance des Mönchengladbacher Hauptsitzes. Diese sollen dann von 29 Sozialpädagogen, Erziehern und Therapeuten betreut werden. Hinzu kommen Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräfte. Für 32 Jugendliche, so Corsten, werden 36 Mitarbeiter vor Ort arbeiten.
Den Kindern und Jugendlichen soll wieder ein normaler Schulbesuch ermöglicht werden. Bei den Stärken der Kinder soll angesetzt werden, verstärkt erlebnispädagogisch orientiert und zunächst in Einzel- und Kleingruppenunterricht. Dann besuchen sie die Schule im Haus. Erfahrungsgemäß, so Tobias Corsten, können die Kinder nach acht bis zwölf Monaten wieder eine normale Schule besuchen.
Es kommen keine Schwererziehbaren, betont Corsten. Im Gegenteil: Bei den Kindern und Jugendlichen handele es sich um sehr zurückgezogene, eher ängstliche Persönlichkeiten.
Im unteren Bereich des Liebfrauenhofes werden die Schulklassen eingerichtet, oben die Internatsgruppe.
Bürgermeister Manfred Ernst hatte immer die Befürchtung, dass Vandalen den Liebfrauenhof heimsuchen könnten, wenn er allzu lange leer stehen würde. Nicht ganz unbegründet: Einige Fensterscheiben wurden schon eingeworfen. Das Gebäude befindet sich aber in einem guten Zustand. Größere Renovierungsarbeiten sind nicht erforderlich. Die Räume können mehr oder weniger übernommen werden. Lediglich an den sanitären Einrichtungen sind größere Veränderungen notwendig. Der 27-jährige Tobias Corsten ist aber optimistisch, dass die neue Einrichtung - wie vorgesehen - am 23. April bei einer Eröffnungsfeier vorgestellt werden kann.
Der Name Liebfrauenhof wird übernommen. Manfred Ernst ist froh, dass die Zweckbestimmung des Gebäudes, nämlich Menschen zu betreuen und zu helfen, auch künftig fortgeführt wird: Es ist eine ganz wichtige Einrichtung. Mit dem Weggang der Schwestern vom Guten Hirten seien Arbeitsplatze weggebrochen, so der Bürgermeister. Deshalb sei es auch für die Gemeinde sehr wichtig, dass hier neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Mitarbeiter und Schüler müssten ja auch verpflegt werden, wovon die Gemeinde wiederum profitiere.