Abo

Wieso lassen sich unsere Augen täuschen?

2 min

Wer glaubt, er habe Adleraugen, erliegt einer Illusion. Denn auch wenn wir noch so klar sehen, bekommen wir nur einen Teil der Realität mit. Warum das so ist, weiß Wissenschaftsautor Christian Satorius.

Jeder Kinofilm beschummelt unsere Augen mit einer optischen Täuschung. Pro Sekunde werden 48 Einzelbilder gezeigt. Derartig viele Bilder können wir in dieser kurzen Zeit nicht voneinander unterscheiden. Unsere Wahrnehmung ist derart träge, dass die einzelnen Aufnahmen zu einem ununterbrochenen Bewegungsablauf verschmelzen: Wir sehen keine Einzelbilder mehr. Die Augen stoßen schon rein physisch hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit an Grenzen, jenseits derer sie weniger oder gar nichts mehr leisten. Irgendwann ist alles ganz einfach zu dunkel, zu hell, zu weit, zu nah oder zu unscharf für uns.

Aber auch die Weiterverarbeitung im Gehirn setzt unserer Wahrnehmung ganz bewusst Grenzen. Ein wichtiger Grund für die Begrenzung des Sehens- und Erkennenkönnens ist der Schutz vor Reizüberflutung. Würden wir bei einem Blick aus dem Fenster wirklich alle der Millionen von Farbabstufungen bewusst registrieren, würden wir wirklich jeden einzelnen Baum, jeden Strauch und jeden Stein exakt in seiner Form, Größe und Position wahrnehmen, wären unsere Augen und unser Gehirn gnadenlos überlastet. Ähnlich einem Computer, der zuviele Daten zu schnell verarbeiten soll, würde unser Gehirn quasi abstürzen.

So machen wir es uns beim Sehen leichter und vereinfachen das Gesehene im Gehirn, um uns vor Überlastung bei der Wahrnehmung zu schützen. Gerade die Vereinfachung, die Verallgemeinerung ist es, die den optischen Täuschungen Angriffsmöglichkeiten bietet. Einen Stein, den wir auf dem Boden liegen sehen, müssen wir nicht schon vorher einmal gesehen haben, um ihn als Stein identifizieren zu können. Wir haben im Gehirn eine Art Universaltyp, eine Konstante, von „Stein“ gespeichert, die sich aufgrund von Erfahrungen gebildet hat.

Alles was eine ähnliche Form und Farbe sowie Größe hat, wird als Stein identifiziert. Wir vergleichen im Gehirn das Gesehene mit dem gespeicherten Bild und erkennen so den Gegenstand wieder - oder auch nicht.