AUS DEM KREIS. Immer mehr Wildschweine verwüsten immer öfters die Felder und Wiesen im Kreis. Das beklagen die oberbergischen Schafhalter, die sich am Freitagabend zu ihrem vierteljährlichen Stammtisch in Marienheide getroffen haben. Karl Bockemühl von der Jagdgenossenschaft Gummersbach erklärte der Versammlung, wie Wildschäden ordnungsgemäß reklamiert werden können - das stieß auf großes Interesse.
Denn die Wildschweine haben sich vielerorts enorm vermehrt, berichtet Karin Viesteg vom Müllenbacher Heidschnuckenhof: In Niedernhagen trauen sich viele Frauen nicht mehr alleine vor die Tür, will die Sauen zwischen den Häusern umherstreunen. Viestegs halten auf Wiesen in der Gummersbacher Ortschaft ihre mehr als 100 Schafe. Seit Herbst vergangenen Jahres müssen wir beinahe wöchentlich Wühlschäden verzeichnen. Zudem sind zehn Lämmer spurlos verschwunden - vermutlich wurden sie das Fressen von Wildschweinen. Ähnliches berichten viele andere Schafhalter.
Bockemühl bestätigte, dass die Wildschwein-Populationen in manchen Forsten stark angestiegen sind. Er plädiert für eine Aufhebung der Schonfrist, um den Problem Herr zu werden. Bislang dürfen nur Wildschweine eines bestimmten Alters während einer bestimmten Zeit geschossen werden. Um von den Sauen angerichtete Schäden ersetzt zu bekommen, müssen die Schafhalter oder Landwirte sich innerhalb von acht Tagen beim Ordnungsamt melden. Nach der Begutachtung des umgewühlten Ackers durch einen Wildschadenschätzers müssen die Jagdpächter dann eine Entschädigung zwischen vier und acht Cent pro Quadratmeter zahlen. Getötete Lämmer werden nicht ersetzt.
Das Wildschwein-Problem kommt für die Schafhalter denkbar ungünstig, sagt Viesteg: Wir arbeiten eh schon für einen Stundenlohn von knapp zwei Euro. Und wir kämpfen mit den Folgen der Blauzungenkrankheit. Der Impfstoff scheint zu wirken, doch noch immer kommen auf dem Heidschnuckenhof viele Lämmer tot zur Welt - die Muttertiere sind von der Krankheit zu geschwächt.
Derweil wurde bekannt, dass Oberbergs Landwirte, die durch die Seuche Tiere verlorhen haben, insgesamt 570 000 Euro aus der Tierseuchenkasse bekommen. Nicht erstattet werden jedoch Ausgaben für Tierärzte und Arznei. (aga)