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Winnetou wollte mehr Text

3 min

Ein Plakat aus dem Jahr 1964 mit Pierre Briece als Winnetou.

Häuptling Großer Wolf hieß Jozo Kovacevic, Unterhäuptling „Rollender Donner“ Slobodan Dimitrijevic. Die Kalkfelsen liegen in Kroatien, den „Silbersee“ findet man im Atlas unter „Kaluderovac“. Die Hauptrolle spielt eigentlich nicht Old Shatterhand, sondern Old Firehand - und Karin Dor hätte als Ellen Patterson eigentlich eine Kinderrolle spielen sollen.

Überhaupt war nicht viel so wie bei Karl May, und dennoch war „Der Schatz im Silbersee“, der am 12. Dezember 1962 im „Universum“ in Stuttgart (andere Quellen nennen den 14. Dezember und den Mathäser-Filmpalast in München) uraufgeführt wurde, ein gigantischer Film-Erfolg.

Unzufrieden mit der Gesamtsituation

Der Streifen ließ die Kassen klingeln: Bei Produktionskosten von rund 3,5 Millionen Mark wurden genau 6 400 389,18 D-Mark erzielt. Er erhielt als erster Film überhaupt die „Goldene Leinwand“, einen Bambi und das Prädikat „wertvoll“ der Filmbewertungsstelle. Außerdem verkaufte sich Martin Böttchers Filmmusik über 100 000 Mal als Single, seinerzeit ein sensationeller Erfolg für eine Instrumental-Single.

Schließlich war es der Beginn der Film-Karriere eines 25-Jährigen namens Götz George, der bis dahin als Sohn der Schauspielergiganten Bertha Drews und Heinrich George nur in Theaterrollen geglänzt hatte. Eigentlich war er sogar als Hauptdarsteller vorgesehen, aber dann schneite „Weltstar“ Lex Barker herein und übernahm natürlich die tragende Helden-Rolle. Im Gegensatz zu Barker war der Franzose Pierre Brice vor dem Dreh ein unbeschriebenes Blatt - was sich auch in der Gage niederschlug: Mit seinen 42 000 Mark bekam er nur ein gutes Drittel von dem, was Barker einsackte.

Überhaupt war der Winnetou-Mime mit der Gesamtsituation unzufrieden. Brice beschwerte sich bei Regisseur Harald Reinl über zu wenig Text. Der winkte aber nur ab und meinte, es reiche völlig aus, wenn er stolz den Blick über den weiten Horizont schweifen lassen würde. Es zahlte sich aus, denn bis heute zehrt der 1929 als Baron Pierre Louis le Bris geborene Mime von seiner Rolle als Edelrothaut, die maßgeblich dazu beitrug, dass er auch heute noch 83 Prozent der deutschen Bevölkerung ein Begriff ist.

Immerhin durchstreifte Brice in elf Karl-Filmen den Wilden Westen (oder besser das frühere Jugoslawien), erhielt zwölf „Ottos“ der Zeitschrift Bravo und brachte es auf drei so genannte „Starschnitte“, womit er in dieser Disziplin Rekordhalter ist.

Lex Barker war zunächst nicht überwältigt von der Vorstellung, in einem deutschen Film mitzuspielen. Die Bundesrepublik galt als ausgesprochenes Kino-Entwicklungsland. 1962 hatte der wegen seiner unbestrittenen Anziehungskraft auf Frauen „Sexy Lexi“ genannte passionierte Raucher und Whisky-Trinker seine Karriere-Höhepunkte schon ein paar Jährchen hinter sich. Das war, als er ab 1949 als Nachfolger von Johnny Weissmueller ein paar Mal den Tarzan gab. Er tingelte später durch italienische B-Streifen als Robin Hood und Pirat und tauchte unversehens in Dr.-Mabuse-Filmen auf.

Dass er mit der Figur des Old Shatterhand, die in den USA völlig unbekannt war (und ist), den Gipfel seiner Laufbahn erreichen würde, ahnte niemand - am wenigstens er selbst. Lex Barker, der mit Pierre Brice eng befreundet war, starb drei Tage nach seinem 54. Geburtstag im Jahr 1973 auf offener Straße auf der Lexington Avenue in New York an einem Herzinfarkt.

Übrigens: Der Gürtel, den Lex Barker zu seinem schicken Lederanzug trug, stammte aus dessen Privatbesitzt und war eine wertvolle Silberarbeit von Navajo-Indianern. Die hatten Barkers Urgroßvater dieses Geschenk gemacht.