Rund 50 000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland neu an Brustkrebs. Bei jeder achten bis zehnten Frau werden im Lauf ihres Lebens ein oder mehrere Karzinome diagnostiziert. Umfangreiche Operationen und der Verlust der Brust sind oft die Folge. Im Interdisziplinären Brustzentrum am Universitätsklinikum Jena wird jetzt ein neues, schonendes Verfahren zur Diagnose und Therapie bei Mammakarzinomen getestet.
Bei dieser so genannten Duktoskopie werden die Milchgänge gespiegelt und Knoten mit einer winzigen Zange gleich entfernt. „Diese Technik ist sicherer als die bisher angewandten Untersuchungsmethoden und erspart den Patientinnen einen größeren Eingriff“, sagt der Leiter des Zentrums, Ingo Runnebaum. Der Blick direkt in die Milchgänge ist mit einem feinen, ein bis drei Millimeter großen Endoskop möglich. Angewandt wird das Verfahren bei Ausfluss aus der Brustwarze, der so genannten Milchgangsekretion. Nach den Worten Runnebaums kommt dies bei Frauen relativ häufig vor. Ursache dafür sind gutartige Gewächse in den Milchgängen, die Papillome. „In fünf bis 17 Prozent der Fälle entarten sie zu bösartigem Krebs“, sagt der Professor. „Da sich das Karzinom aber nur an der inneren Oberfläche des Milchgangs entwickelt, kann es komplett entfernt werden und ist damit zu 100 Prozent heilbar.“ Unbehandelt besteht die Gefahr, dass sich das Karzinom nach einigen Jahren im Brustgewebe verbreitet und eine tödliche Gefahr wird.
Bislang ist es üblich, bei Brustausfluss eine Galaktographie, eine Röntgendarstellung der Milchgänge, vorzunehmen. Kontrastmittel wird in die Milchgänge gespritzt. Per Mammographie werden Vorwölbungen oder Sperren in den Milchgängen gesucht. Experten schätzen, dass bei dichtem Drüsengewebe die Hälfte der Tumoren nicht entdeckt werden. Der Eingriff sei unangenehm und misslinge oft, so der Verein Brustkrebs-Info Berlin auf seiner Homepage. Wird etwas gefunden, muss die Brustwarze aufgeschnitten und die Milchgänge ausgeschnitten werden. Meist werden gar nicht alle Papillome entfernt. Experten empfehlen deshalb betroffenen Frauen, abzuwarten und den Ausfluss mindestens ein Mal im halben Jahr auf Tumorzellen untersuchen zu lassen.
Die Vorteile des neuen Diagnoseverfahrens liegen klar auf der Hand. „Wir kommen in vielen Fällen künftig ganz ohne einen Schnitt aus und können mit empfindlichsten molekularbiologischen Methoden bereits einzelne bösartige Zellen im Gangsystem der Brust aufspüren, lange bevor sich ein Tumor etabliert hat“, sagt Runnebaum. Das Brustzentrum in Jena ist eines von 13 Zentren in Deutschland, die sich an der Studie zur Erprobung der Duktoskopie beteiligen. Dazu gehören Kliniken in Greifswald, München, Berlin und Ulm. In etwa einem Jahr wird mit einem Abschluss der Studie gerechnet.
Für die Zukunft hoffen die Jenaer Mediziner, in der Flüssigkeit der Milchgänge mit molekularer Diagnostik Hinweise auf Mammakarzinome weit früher als bisher zu entdecken. Krebsgeschwüre sind mit der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) heute ab einer Größe von drei Millimetern feststellbar. Eine nahezu hundertprozentige Heilung versprechen Mediziner bei Karzinomen unter fünf Millimetern.
/ ufk / brustzentrum / www.brustkrebs-info.de/
