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„Wir sind früher noch mit Herzblut gefahren“

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MOTORSPORT. Wenn am Samstag (12 Uhr) die Langstreckenmeisterschaft mit dem ersten von zehn Läufen durch die „Grüne Hölle“ startet, dann dürften in der ersten Startgruppe nahezu 50 Wagen stehen, die den Wert eines Einfamilienhauses haben.

Am Samstag wird man sehen, wie das neue Reglement greift. Die „Spitze“ soll dichter werden - so wollten es die Macher. Sie lockten damit auch Audi in die VLN. Heckflügeländerungen im Vorjahr brachten nicht die gewünschte Geschwindigkeitsreduzierung, nun sollen mit Air-Restruktoren die „PS-Boliden“ gebremst werden. „Man könnte auch sagen, die Dominanz von Porsche soll gebrochen werden“, sagt einer, der es wissen muss: Christoph Esser.

Nettersheimer ist

seit 30 Jahren dabei

Der Nettersheimer ist seit 1979 bei der Langstrecke dabei. Mehr noch: Er ist der erfolgreichste Fahrer aus dem Kreis Euskirchen in der langen Geschichte dieser Serie. Gemeinsam mit seinem damaligen Partner Wolfgang Offermann aus Simmerath (starb bei einem Rennunfall am Ring im Jahr 1986) gelang ihm etwas, was nahezu einmalig ist: 1983 holte er sich in sechs von zehn Läufen auf einem Ascona 400 den Gesamtsieg.

Esser, heute Teamchef von PROsport (setzt 2009 Audi und Seat Leon ein), fuhr für den jetzigen Münstereifeler Helmut Kissling, der immerhin mit fünf Meisterschaften erfolgreichster Teamleader bei der VLN überhaupt ist. Der neuen Saison und dem „24-h-Rennen“ schaut Esser mit viel Interesse, aber auch mit kritischen Anmerkungen entgegen. Esser, der in den 80-er auch in der DTM fuhr und dreimal knapp den Gesamtsieg bei den „24h“ verpasste (1980 wurde er Zweiter auf einem 2 Liter Kadett C) bringt das Thema „Geld“ ins Spiel. „Mit dem Geld, das vor 30 Jahren Hobbyfahrer für die gesamte Saison brauchten, können die heute nur noch ein Rennen fahren“, hat er grob ausgerechnet. Der Unterschied zwischen heute und früher? Esser: „Material, Motorleistung, Reifen, Standfestigkeit - alles geht professionell zu, sowohl bei den Veranstaltern als auch bei den Teams.“ Früher habe man mit Geld nicht alles regeln können, es habe kein Renn-ABS, keine Traktionskontrollen oder sonstige Fahrhilfen gegeben, „da waren die Fahrer noch echt gefordert. Wer vorne mitmischen wollte, der musste wirklich qualitativ Spitze sein.“ In den letzten Jahren zeichne sich immer mehr ab: „Wer das meiste Geld hat, kommt auf das beste Auto.“ Dass bei den diesjährigen „24h“ nur noch Fahrzeuge ab 1750 ccm an den Start dürfen, sieht er mit Argwohn. Denn nicht die PS-Stärke und die Geschwindigkeit seien das Problem, sagt er, sondern die Qualifikation der Fahrer, „die sollten zumindest eine vernünftige Streckenkenntnis haben“, verlangt er.

Gerade die „24h“ seien immer eine Veranstaltung für den Breitensport gewesen, „die sind Kult“. Und dieses Image, befürchtet er, werde geschmälert. Da zudem die Jungs aus dem Breitensport, die Hobbyfahrer, auch von der Kostenseite her (allein das Startgeld kostet rund 4500 Euro) in Bedrängnis gerieten, sei er auch sehr gespannt, wie groß letztendlich das Starterfeld am 23. Mai sei.

Doch am Samstag dürfen ja auch die in der VLN fahren, die mit weniger als 1750 ccm unterwegs sind. Esser („wir sind früher mit Herzblut gefahren“) rechnet im Hinblick auf die „24h“ mit einem großen Starterfeld. Esser: Die ersten drei Rennen werden auch als ,24h-Training genutzt.“ Aufgrund der technischen Änderungen dürfte es, so mutmaßt er, wegen nahezu PS-Gleichheit an der Spitze, aber auch in einzelnen Klassen „enger“ werden als vorher.