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„Wir sind und bleiben Epprather“

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Rund 60 Häuser säumten die alte Dorfstraße von Epprath. Bis auf wenige Ausnahmen standen alle auf einer Straßenseite. Ab 1958 leerten sich die alten Lehm- und Fachwerkhäuser. Die Rundschau traf Alt-Epprather.

BEDBURG-KASTER. Das Plumpsklo hinterm Haus, das Fußballspielen mit dem aus einem Fahrradschlauch und Lumpen gebastelten Ball. Der Schulweg durch den Wald in Klumpen. Die Fronleichnamsprozession über die liebevoll geschmückte Dorfstraße. Die Villa Waldeslust.

Dies alles sind nur noch Erinnerungen. Erinnerungen, die Heinrich Robels auch heute noch glasklar vor dem inneren Auge stehen. Es sind die Orte seiner Jugend. Der heute 70-Jährige wuchs in Epprath auf. Einem Ort, der nun seit einem halben Jahrhundert von der Landkarte verschwunden ist. 1958 begann die Umsiedlung des Straßendorfs nordwestlich von Kaster. 63 Häuser, ebenso viele Familien. Alte, Junge, Kinder. Deren Spuren die Bagger des Tagebaus 1963 für immer von der Erdoberfläche tilgten.

Der letzte Epprather, der das Dorf verließ, war 1963 Müllers Schäng - Johann Müller, der sich nach Bankrott und Heimverlust im Wald aus Lehm ein Haus baute. „Villa Waldeslust nannten wir es“, erinnert sich Robels versonnen. Jeder kannte das Schicksal von jedem in Epprath.

Die meisten Häuser drängten sich auf der westlichen Straßenseite in einer Reihe. „Vom Fenster aus konnte man die Rehe grasen sehen“, sagt Robels. Rundherum auf dem auslaufenden Villerücken war der Wald. Stätte von Streichen, Spielen, Erdbeer- und Himbeersammlungen. Aber auch Maiglöckchen und Nüsse zählten zu den Früchten, die die Jungen in den Kriegsjahren hier erbeuteten.

Die Epprather lebten von der Braunkohle. Fast jeder Mann arbeitete entweder im Tagebau Frimmersdorf oder Neurath. Einige wenige verdienten ihr Geld in den Bedburger Linoleumwerken oder in der Wollfabrik.

„Jeden Tag gingen wir zu Fuß nach Kaster in die Schule. Dann kam die Schulmesse, und sonntags ging es gleich zweimal zur Kirche“, erinnert sich Robels. An den Füßen trugen die Kinder Klumpen, die aus dem Holz einer gefällten Pappelschonung entstanden waren. „Wir spielten in denen auch Fußball. Wenn man gegeneinander stieß, platzten sie auf. Das gab zu Hause Senge.“ Was die Jungen auch nicht von ihrem geliebten Spiel abhielt.

Doch irgendwann kamen die Herren vom Tagebau. Epprath sollte abgebaggert werden. Von Haus zu Haus zogen sie mit einem Plan, in den Parzellen vor Alt-Kaster einzeichnet waren. „Jeder konnte sich dann eine aussuchen.“ Die Häuser wurden geschätzt, das veranschlagte Geld auf die Bank gelegt und erst ausgezahlt, wenn der Hausbesitzer die Rechnung für sein neues Haus vorlegte. „1961 zogen wir nach Epprath“, sagt Heinrich Robels dann. Epprath. Das ist für ihn der Ort, der in der Straßenkarte „Kaster“ heißt. Hubert Wassenberg (58), ebenfalls Alt-Epprather, weiß: „Es war damals politisch nicht gewünscht, dass man die Ortsnamen mitnahm.“ Doch für Robels und seine Altersgenossen ist klar, dass sie in Epprath leben. „Wir sind und bleiben Epprather.“ Auch sein Sohn sage von sich, er sei Epprather. Und der wurde schon nicht mehr im alten Ort geboren.

Die meisten Epprather suchten sich an der Burgundischen, Brandenburger, Epprather, Darshovener oder Oranienstraße eine Parzelle aus und siedelten um. Die alte Kapelle, die am Ortseingang von Alt-Epprath stand, wurde abgebrochen, die neue Kapelle im Stil der Marienkapelle des Pilgerortes Banneux errichtet.

Hier findet sich auch noch eine der drei Gedenktafeln für die Gefallenen der zwei Weltkriege. Das Kriegerdenkmal selbst, das die Umsiedlung zwar überstand und in Kaster / Neu-Epprath wieder aufgebaut wurde, ist jedoch verschollen. Mitte der 70er Jahre wurde es abgebaut. Die Sandstein-Quader verschwanden ebenso wie das Relief mit dem Soldaten und dem Engel und zwei Gedenkplatten. „Heute suchen wir danach. Aber wir haben wenig Hoffnung, dass es noch auftaucht“, sagen Wassenberg und Robels.