BONN. Kaum eine gastronomische Einrichtung in der Region verfügt über eine so bewegte Historie wie der Schaumburger Hof. Die Liste der Berühmtheiten, die hier im Laufe der Jahrhunderte eingekehrt sind, ist beeindruckend. Am Plittersdorfer Rheinufer blickt man auf eine 250 Jahre währende gastronomische Tradition zurück.
Im März 1755 bot der Landwirt und Weinbauer Peter Joseph Rhein der Ältere erstmals den erschöpften, aus Wesseling kommenden Pferden Rast und den Pferdehaltern einen selbst gekelterten Roten gegen den Durst an. Während der französischen Besatzung von 1794 bis 1815 führte Peter Rhein der Jüngere das Gasthaus. Seine Tochter Agnes heiratete 1820 Henry Mundorf und begründete die Blütezeit der Gaststätte, die damals Unter den Linden hieß. Nach dem Aufkommen der Dampfschifffahrt musste Mundorf auf die Kundschaft der Pferdehalter verzichten und so etablierte er sein Haus zu einem beliebten Ausflugsziel für Professoren und Studenten der 1818 gegründeten Bonner Universität. Unter den Studenten befand sich auch Prinz Albert von Coburg-Gotha. Er soll seine spätere Gemahlin, Queen Victoria, 1839 unter den Linden kennen gelernt haben.
Zur selben Zeit entwickelte sich Mundorfs Tochter Gretchen zum Liebling der Besucher. Fasziniert von ihrer Erscheinung inspirierte sie auch Dichter und Künstler. Darunter Heinrich Heine und Rudolf Baumbach, der 1818 das bekannte Studentenlied von der Lindenwirtin (Keinen Tropfen im Becher mehr,und der Beutel schlaff und leer, lechzend Herz und Zunge, angetan hat s mir dein Wein, deiner Äuglein heller Schein, Lindenwirtin, du junge . . .) verfasste und sich dabei auf das Gretchen von Plittersdorf bezog.
Neben der Kunst war auch die Politik immer wieder zu Gast. So versteckte Agnes Mundorf im Revolutionsjahr 1848 die Freiheitskämpfer Carl Schurz und Friedrich Hecker vor den Häschern. Kaiser Friedrich III. und Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe ließen sich in dem Gasthaus bewirten. Ihm zu Ehren nannte Mundorf um 1900 sein neu eingerichtetes Hotel in der Pützstraße Schaumburger Hof. Nach dem Verkauf ging der Name auf das alte Wirtshaus über, und aus dem Lindengasthof wurde der Schaumburger Hof. Als bislang letzten historischen Höhepunkt verzeichnet die Chronik den 5. September 1948. Nur wenige Tage nach seiner Eröffnungsfeier im Museum Koenig tagte der Parlamentarische Rat im Schaumburger Hof.
Seit vier Jahren steht der Schaumburger Hof unter Leitung von Alexander Schwind und Oliver Karger. Beiden ist es gelungen, den Ruf ihrer Adresse als Einkehrstätte für Jedermann zu etablieren. Die von Küchenmeister Marco Kuhl präsentierten Speisen sind der gehobenen Gasthausküche zu zuordnen. Das kulinarische Angebot reicht dabei von regionalen Spezialitäten wie Sauerbraten in Rosinensauce (12,50 Euro) oder Himmel un Äd (9,60 Euro) bis zu fein komponierten Gerichten wie Maishähnchenbrust auf Safran-Gemüseragout mit Mandelreis und gebackener Ananas (13,60 Euro) oder einem Spieß von Riesengarnelen und Edelfischen mit Gemüse auf Papaya-Mangosauce und Wildreistimbale (14,50 Euro)
Die Räume des unter Denkmalschutz stehenden Gasthauses sind von einer urgemütlichen Atmosphäre gekennzeichnet. Das Lokal verfügt über insgesamt vier Gasträume unterschiedlicher Größe und hat sich nicht zuletzt durch diese Voraussetzung als Tagungsort etabliert. Der Biergarten direkt am Rhein besitzt eine hohe Anziehungskraft. Auf der Terrasse des Hauses, auf der man auch heute selbstverständlich noch unter Linden den Blick über den Fluss auf das Siebengebirge genießt, finden bis zu 380 Personen Platz. Das Gasthaus ist mittwochs bis freitags von 18 bis 22 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 22 Uhr geöffnet, Montag und Dienstag ist Ruhetag. Den Biergarten können Sie bei schönem Wetter täglich außer montags ab 12 Uhr besuchen. Am Schaumburger Hof 10, Telefon (0228) 35 63 529, Internet: www.schaumburger-hof.de