Das waren noch Zeiten. Ex-Zuhälter-König Schäfers Nas kippte sich ein paar Kölsch, Unterwelt-Legende Dummse Tünn versackte im Kultladen auf der Friesenstraße, und Promis wie Fernsehstar Heiner Lauterbach, René Weller oder Schauspieler Diether Krebs trafen sich mit Kumpels zum fröhlichen Feiern. Damals - das waren die 60er und 70er Jahre.
Da war das Klein Köln eine zwielichtige Kneipe im Rotlichtmilieu am Ring. Heute zieht der Laden auch noch halbseidenes Publikum an - aber mittlerweile ist die Nachtgaststätte hoffähig geworden. Auch Anwälte und Banker tanzen gerne bis spät in die Nacht und trällern Lieder von Hans Albers, Vicky Leandros und Udo Jürgens mit der Sekretärin oder der Friseuse aus Bergheim.
In den wilden Zeiten auf der Friesenstraße, als Prostituierte auf ihre Freier warteten und es regelmäßig Schießereien und Revierkämpfe gab, war der Laden bei der Polizei nicht gut angesehen. Es gab Razzien in der Kneipe, in der mit Drogen gehandelt wurde und die Fäuste flogen - und das nicht nur einmal. Die Nachtgaststätte Klein Köln hat als eine der wenigen Kneipen diese wilden Zeiten im Friesenviertel überlebt.
Sie bekam ihren Namen, weil sich gegenüber im Sartory-Gebäude die Lichtspiele Groß Köln befanden. Ex-Kneipenchef und Box-Fan Dieter Becker, wegen seiner drei Zentner auch ironisch dä Schmal genannt, öffnete, wenn gegenüber Boxveranstaltungen stattfanden. Und nach den Kämpfen kamen sie alle ins KK - Ex-Boxer Peter de Aap Müller, Box-Promoter Ebby Thust oder Dariusz Michalczewski.
Das 1926 eröffnete Klein Köln hat inzwischen eine Webseite, wo Gäste ihre oft schlüpfrigen Erlebnisse preisgeben. Es war in der Domstadt damals die erste Gaststätte mit Tages- und Nachtkonzession. Um halb sechs morgens wurde geschlossen, eine Stunde später ging es schon wieder los. Nachtschwärmer fanden und finden hier immer ein Plätzchen in dem am Wochenende meist überfüllten und stickigen Laden.
Übrigens: Wer in der Kneipe einen Deckel bekommt, kann sich zu den echten Stammgästen zählen. Im Klein Köln wird immer bar bezahlt - auch bei größtem Stress und Hektik an Freitag- oder Samstagabenden.