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WochenmarktSo manches Huhn wieder eingefangen

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Euskirchen – Die Menschen laufen in den kleinen Gassen zwischen den Ständen umher, begutachten Tomaten, Erdbeeren und Salat, suchen sich die schönsten Eier aus und kaufen frisches Fleisch und Käse - es ist Samstagmorgen in Euskirchen, Wochenmarkttag. Die Händler haben ihre Stände auf dem Annaturmplatz bereits um sechs Uhr aufgebaut, die Kühlwagen an den Stromkasten angeschlossen und ihre Waren ausgeladen.

Alles scheint wie immer, doch etwas ist anders: Am Rand des Marktplatzes, neben den Ständen mit den Hühnern, Gänsen und Wachteln hat ein Kombi geparkt. Ein kleiner Tisch wurde neben dem Wagen aufgestellt, auf dem nun ein kleines Fässchen Bier, Tüten mit Orangensaft, Sekt und Cola stehen. Hubert Flink , Außendienstmitarbeiter des Euskirchener Ordnungsamts, gibt seinen Ausstand. „Ich fühle mich schon etwas wehmütig bei dem Gedanken, dass das mein letzter Arbeitstag ist“, gesteht der große Mann mit dem verschmitzten Lächeln.

Die Arbeit mit den Menschen habe ihm immer viel Spaß gemacht. „Viele der Marktleute sind schon länger als ich hier auf dem Wochenmarkt. Da kennt man sich gut und hat auch immer ein offenes Ohr für ihre Probleme“, so Flink. Gerade bei schlechtem Wetter oder im Winter kämen häufig nicht viele Kunden. „Da ist dann auch schon mal der ein oder andere frustriert und will nicht mehr kommen. Ein lustiger Spruch kann dann helfen.“

Für Euskirchen sei es wichtig, dass ein so großer Wochenmarkt existiert. „Hier herrscht einfach eine schöne Atmosphäre und mit den Hühnern, Gänsen und Kaninchen hebt sich der Markt von anderen ab“, so der baldige Ruheständler. Streitigkeiten zwischen den einzelnen Marktbeschickern seien natürlich auch immer wieder vorgekommen. „Solche Situation muss man schnell und ohne viel Aufsehen entschärfen. Ich bilde mir ein, dass mir das immer ganz gut gelungen ist“, scherzt der 61-Jährige.

Dieser Meinung scheinen sich auch die Händler anzuschließen. Denn plötzlich bahnt sich ein Einkaufswagen, dekoriert mit rotem Krepppapier, Blumen und Gemüse, seinen Weg zu Flinks kleinem Ausschank. Geschoben wird er von einer Abordnung der Marktbeschicker. „Wir wollten dir auf diese Weise für die Zusammenarbeit danken und wünschen dir für den Ruhestand alles Gute“, sagt Guido Sandführer , der die Marktmetzgerei betreibt, bei der Übergabe. Und es scheint, dass Flink damit nicht gerechnet hat. Kurz verschlägt es ihm sogar die Sprache. Doch die Gratulanten sind sich einig: Ein schönes Abschiedsgeschenk hat sich Hubert Flink verdient. „Er gehört zwar zur Verwaltung, aber er ist dabei immer noch Mensch geblieben“, scherzt Sandführer. Und weiter: „Er kommt ja selbst aus dem Handwerk und hat einfach immer einen persönlichen Draht zu uns gefunden.“ Und so hat jeder Stand gerne seine Spezialitäten zu dem „Präsentwagen“ dazugegeben.

An seinem letzten Arbeitstag musste Flink aber auch noch seinen Pflichten nachkommen. „Ein Auto musste ich heute Morgen abschleppen lassen, damit die Marktleute ihre Stände aufbauen konnten“, so Flink. Bei einem weiteren Fahrzeug habe er den Halter ausfindig machen können, der dann den Wagen weggefahren habe. „Da war Hubert immer sehr geduldig. Er wollte nie gerne die Autos abschleppen lassen und hat uns immer noch überredet, doch noch fünf Minuten zu warten“, berichtet Sandführer.

Vollen Einsatz und Sportlichkeit musste der „Ordnungsbeauftragte“ auch hin und wieder zeigen. Immer dann, wenn mal wieder ein Huhn ausgebüxt war. Gut in Erinnerung ist ihm da ein Truthahn geblieben, der sich auf das Dach eines angrenzenden Hauses geflüchtet hatte. „Der Händler hat dann 50 Mark ausgeschrieben für denjenigen, der ihm den Truthahn vom Dach holt“, erzählt Flink. „Ein Dachdecker ist dann ganz schnell darauf geklettert und hat den Truthahn eingefangen.“ Die 50 Mark habe ihm der Händler dann auch ausgezahlt.

Neben dem Wochenmarkt war Flink auch für die Euskirchener Kirmes zuständig. Gut bekannt dürfte er vielen Euskirchenern von der Fundsachenversteigerung sein. Familienfreundliche Arbeitszeiten waren da nicht immer möglich.

Gerade die Schichten auf dem Wochenmarkt bescherten Flink Arbeitsstunden am Wochenende und frühes Aufstehen. Sein Dienst begann vor sechs Uhr morgens, noch bevor die ersten Händler da sind. Dank der Altersteilzeit hat der 61-Jährige damit jetzt nichts mehr zu tun.

Sein offiziell letzter Arbeitstag ist der 31. August. Doch bereits seit dem 1. August hat Flink Urlaub genommen, so dass der Ruhestand schon einen Monat früher anfängt.

Wie er seine viele freie Zeit nutzen möchte, weiß Flink auch schon: „Ich werde ein ,Gehma' - geh ma mal hier hin, geh ma mal dort hin.“ Verschmitzt grinst Flink bei diesem kleinen Scherz. Doch ohne Trubel und Menschen um ihn herum will Flink seinen Ruhestand auf keinen Fall verbringen. Als Dank an seine Frau, „die immer so oft auf Hubert verzichtet hat, damit er sich um unsere Probleme kümmern kann“, so Geflügelhändler Frank Heyden , haben die Marktverkäufer auch einen Essensgutschein für die Burg Flamersheim in den „Präsentwagen“ gelegt. „Da können sich die beiden eine schöne Zeit machen“, so Sandführer.

Gerne lassen die Markthändler Flink allerdings nicht in den Ruhestand ziehen: „Mit ihm geht eine Legende zu Ende. Der Markt wird ohne Hubert nicht mehr derselbe sein“, so Heyden.