BEDBURG-GROTTENHERTEN. In Anlehnung an das berühmte Paar aus Tennessee nennen Freunde sie längst neckisch Wulf & Tine Turner. Und wie bei dem Kultpaar aus den 1970er Jahren ist Wulf Hanses-Ketteler für das Gitarrenspiel, für die Harmonien und die Produktion von Liedern im eigenen Studio zuständig, Christine Ladda singt, textet und entwirft musikalische Ideen.
Nachdem das Paar als Acoustic Shiver bislang nur live zu hören war, stellen Wulf Hanses-Ketteler und Christine Ladda jetzt eine CD vor. Zu hören ist eine Auswahl von Liedern, die Acoustic Shiver im Rahmen eines Konzertes im März im Bedburger Schloss mitgeschnitten hat. Das Duo, teils unterstützt vom Keyboarder Günter Papperitz, lässt dort die Liveatmosphäre des Konzertes mit allen Nebengeräuschen, wie Stühlerücken und Bravorufen, wieder aufleben. Sie tragen mit akustischer Gitarre und Gesang bekannte Popsongs vor, Claptons Change the world, den Countrysong Stand by your man, Lennon / McCartneys Eleanor Rigby oder zwei Titel von Annie Lennox, Laddas Lieblingssängerin. Außerdem sind zwei eigene Kompositionen des Duos, Energy und Forgive me, zu hören.
Eine tolle Scheibe, die CD kann mühelos mit internationalen, aktuellen Produktionen mithalten, beurteilt Jo Schneider, Vorsitzender der Kulturwerkstatt Bergheim, die Tonkonserve. Eine Einschätzung, die ganz ohne den üblichen Freundschaftsbonus auskomme, den man bei aller Verbundenheit mit Wulf als Freund und ehemaligem Gitarristen in der Band Sexin the Cherry vermuten könne, versichert Schneider.
Wulf Hanses-Ketteler stellt im Butter Road Studio, dem Dachgeschoss des Grottenhertener Einfamilienhauses an der Butterstraße, die CD ganz trocken als Jobprojekt vor. Lieder, die sie zu verschiedenen Anlässen spielen könnten, wenn sie gebucht würden. Ein Spagat zwischen Geldverdienen mit Musik und der Erprobung einer eigenen Handschrift nennt er es. Ein Spagat, bei dem die oberste Spielregel aber laute: Sich selbst treu bleiben und tun, was Spaß macht. Aus dem Computer lässt das Paar eigene professionelle Auftragsproduktionen ertönen, Werbejingles fürs Radio, etwa für die Messe Bergheimer Frühling oder noch stimmlose Beats einer Band, denen Christine Ladda die Stimme leihen soll. Davon lebt das Paar. Dazu kommen der Gitarrenunterricht und Studioproduktionen anderer Bands, wie kürzlich die Aufnahme der CD von Guido Kremer und Band.
Von den Festplatten des Computers, ertönt aber auch Neues, Eigenes, Unbekanntes. Unfertige Musik, die noch kaum jemand gehört habe, sagt Christine Ladda. Ihre Stimme, die ihr Partner skizzenhaft mit elektronischen Klängen aus dem Computer versieht. Es ist Musik, die unmittelbar an die beiden Eigenkompositionen der CD anknüpft. Texte und Melodien erfinde ich häufig beim Autofahren, sagt Ladda. Fragmente, die sich gleichzeitig zu Bildern entwickelten, wie in einem Filmstreifen. Zu Hause angekommen singe sie es häufig zuerst in ein Diktiergerät, um die Einfälle zu sichern. Die Muse klopft ja nicht zweimal an, weiß Hanses-Ketteler. Dann singt Ladda ihrem Freund die Parts der Instrumente vor, die sie nicht spielen kann, oder liefert ihm nur die Bilder, die er mit der Gitarre in Töne umsetzt. So lauten die Vorgaben etwa Eine Spinne, die ein Netz webt oder Eine Raupe, die sich zum Schmetterling entfaltet.
Erst nach einem gewissen Reifungsprozess wollen die zwei die Lieder veröffentlichen, versehen mit der Musik einer Band, die sie zurzeit formieren. Dabei arbeiteten sie daran, einmal die Massen zu ziehen, sagt Hanses-Ketteler, also an einem echten Durchbruch in der Popmusik, der aber so wahrscheinlich sei wie ein Treffer im Lotto. Fans dürfen also gespannt sein. Unterstützung fänden die beiden bei Peter Weihe, berichten sie. Weihe ist Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, Produzent und gefragter Studiogitarrist und Arrangeur für die Rainbirds, Rio Reiser, No Angels, die Geschwister Humpe und viele andere. Beim Kontaktstudiengang Popularmusik an der Musikhochschule Hamburg wurden Wulf und Tine 2001 ein Paar, nicht nur musikalisch.
Die CD gibt es im Jugendzentrum Capo, in der Buchhandlung 90 oder online.