WIPPERFÜRTH. Morgens um halb acht in der Buslinie 333: Schüler schubsen, schreien, schreiben Hausaufgaben ab oder tauschen Handyklingeltöne per Bluetooth untereinander aus. Ziel ist Wipperfürth, die Schulstadt. An jedem Schultag im Jahr 2007. Generationen von Schülern wurden so bereits von Kaiserau, Frielingsdorf und Dohrgaul zur Berufsschule, zum St. Angela oder zum EvB gebracht. 1924 fuhr hier der erste Bus. Der wurde ehrfurchtsvoll der feurige Elias genannt und ließ den Kreis Wipperfürth über Nacht schrumpfen. Am morgigen Sonntag, 18. Februar, wäre einer der geistigen Väter dieser Lebenslinie 120 Jahre alt geworden: Robert Leo Huttrop, letzter Landrat von Wipperfürth.
Gerade erst Landrat geworden, hatte der damals 34-jährige viel vor. Er katapultierte den beschaulichen Landkreis Wipperfürth ins 20. Jahrhundert. Durch den motorisierten Personennahverkehr, der durch die Wupper-Sieg betrieben wurde, waren Distanzen plötzlich für Jedermann berechenbar geworden.
Letzter Landrat
von Wipperfürth
Doch das war nur ein Schritt auf der Reform-Agenda Huttrops. Er trieb den Ausbau der landwirtschaftlichen berufsschulen voran. Die Bauern sollten lernen, in Lindlar, in Wipperfürth, und nicht nur die Jungen, sondern gerade auch die Mädchen.
Durch die Busse der Wupper-Sieg waren die regelmäßigen Schulbesuche überhaupt möglich geworden, denn auf den Höfen war niemand entbehrlich, die neuen Schulen richteten sich danach und der Elias brachte die Kinder wieder zuverlässig heim. Fortan lernten die Landwirte neueste Techniken der Agrarwirtschaft, verfeinerten Hygienetechniken beim Melken und wurden mit der - damals revolutionären - Kühltechnik vertraut gemacht. Die Saat ging auf. Dann das Geld: Huttrop trieb den Zusammenschluss der kleinen Genossenschaftskassen voran, die Kreissparkasse Wipperfürth entstand, ohne die es heute keine Kreissparkasse Köln gäbe.
Damit war für Huttrop noch lange nicht Schluss. Er entwirrte die Zuständigkeiten bei den Landärzten, installierte einen verantwortlichen Kreiskommunalarzt und sorgte dafür, dass im Kreis flächendeckend Krankenschwestern eingesetzt wurden. Die Liste ließe lange fortsetzen. Vom Bau der heutigen L 284 als Verbindung nach Köln, über die Jugendherberge in Wipperfürth oder die Förderung des Krankenhausbaus in Lindlar.
Diese Projekte verwirklichte Huttrop in Rekordzeit. Sicherlich nicht aus purem Interesse am Gemeinwohl. Er war überzeugter Modernisierer, und als der Kreis Wipperfürth aufgelöst wurde, machte Huttrop einen Karrieresprung. 1932 wurde er Staatskommissar. 1933 dann das abrupte Karriereende mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die ihn in die Verwaltung nach Köln abschoben. 1945, Huttrop ist 58, übernimmt er die Leitung des Guts Marienforst in Bad Godesberg. Sein letzter Posten, 1972 stirbt Leo Huttrop.