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Youssouf FofanaLebenslange Haft für „Barbaren”

3 min

Youssouf Fofana (Bild: dpa)

PARIS - Youssouf Fofana klatscht leise höhnisch Beifall, alsdas erwartete Urteil verkündet wurde. Dass er lebenslang hinterGitter soll, scheint den selbsternannten Chef der Vorstadt-Gang der"Barbaren" nicht zu rühren. "Lieber einen Tag als Löwe leben als 100Tage als Schaf", schleudert Fofana den Richtern im Prozess entgegen.Und er bekennt sich trotzig dazu, den jungen Telefonverkäufer IlanHalimi als Juden entführt, gefoltert und grausam ermordet zu haben.

"Ich heiße Arabs: Africain révolté armée barbare salafiste",erklärte Fofana den Richtern. "Ich wurde am 13. Februar 2006 inSaint-Genevieve-des-Bois geboren." An jenem Datum war Halimi nacktund voller Brand- und Stichwunden sterbend an einem Bahndamm in demPariser Vorort gefunden worden. Fofana selbst hatte nach eigenemGeständnis Halimi die tödlichen Wunden zugefügt und ihn mit einemBrandbeschleuniger überschüttet und angesteckt. Halimi war auf demWeg ins Krankenhaus voller Qualen gestorben.

Ob der Mord von vornherein geplant war, ist nicht sicher zu sagen.Wahrscheinlich lief den jungen Tätern die Entwicklung aus dem Ruder.Fofana und seine Bande der "Barbaren" hatten 450 000 Euro erpressenwollen. Sie hatten einen Juden ausgesucht, weil sie glaubten, Judenseien reich und die jüdische Gemeinde würde sich solidarisch zeigenund das Lösegeld zusammentragen. Vor Halimi hatte Fofana siebenandere potenzielle Opfer ausgesucht.

Vor Gericht zeigte sich nur Fofana offen judenfeindlich. Er redetedabei zeitweise arabisch und trug Hemden mit Afrika-Aufdruck. Dieübrigen "Barbaren" hätten einzig aus Geldgier gehandelt, sagtenAnwälte. Obwohl auch sie kaltblütig und teilweise äußerst brutalvorgingen. So wie Yalda, der Lockvogel, oder Zigo, der Kerkermeister.

Bis zum Ende hielten sich die "Barbaren" die Treue und schwiegenzu allem, was nicht zu beweisen war. So bleibt die Identität zweierEntführer unbekannt. "Der einzige Angeklagte, der bei denErmittlungen geredet hat, ist verfemt. Niemand hat mit ihm auf derAnklagebank geredet", sagte der Verteidiger Romain Boulet dem"Parisien". Sein Mandant habe geschwiegen, weil er gemeint habe, dieAufklärung sei Sache der Polizei. "Er hat auch gesagt, dass er sichund seine Familie in Gefahr bringen würde, wenn er reden würde."

Am meisten hat viele erschüttert, dass so viele Menschen aus demEinwanderermilieu in der Sozialsiedlung offenbar von der Entführungwussten und schwiegen. "In der Cité ist eine Entführung nichtschlimm", sagt Boulet. "Ilan musste sterben, damit die Angeklagtendie Sache ernst nehmen." Und viele halfen mit. Der Hausmeister gabden Schlüssel für den Keller, Nachbarn halfen als Aufseher: Am Endewurden 25 Angeklagte als aktive oder passive Täter verurteilt.

Während Fofana im Gerichtssaal mit Schuhen warf und wirre Sprücheüber Allah und Afrika von sich gab, brachte Halimis Mutter Würde indas Verfahren. Sie ließ sich nicht provozieren und konfrontierte dieAngeklagten mit der Schwere ihrer Tat. Am Ende äußerten mehrereAngeklagte ihr Bedauern und einer gestand gar seine "Schande" ein.

Doch ihren Wunsch, den Prozess als pädagogische Bühne zu nutzen,konnte Halimis Mutter nicht durchsetzen. Yalda und Zigo setztendurch, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, weil sie zurTatzeit erst 17 waren. "Zwei Minderjährige haben 25 Volljährige alsGeiseln genommen, indem sie allen eine begrenzte Öffentlichkeit derDebatte aufzwangen", erklärte ihr Anwalt Francis Spiner. "Das Gesetzdes Schweigens hat Ilan Halimi getötet. Es ist bedauerlich, dass dieJustiz das fortsetzt."

Szpiner fordert einen neuen Prozess, weil einige Angeklagte zu gutdavongekommen seien. So bekam die auch "Emma" genannt Yalda neunJahre; der Staatsanwalt hatte bis zu zwölf Jahre gefordert. "Ich binzufrieden. Emma wird bald draußen sein", sagte eine Freundin derVerbrecherin dem "Figaro" nach dem Urteil. Und ein anderer Kumpelerklärte: "Viele haben sich doch nur reinziehen lassen. Das hätteauch mir passieren können."(dpa)