RHEINBACH. Als Stadt des Glases profiliert sich Rheinbach erst seit dem Kriegsende mit der Ansiedlung der Glasveredler aus dem Sudetenland. Eine viel längere Tradition hat ein ganz anderes Material in der Stadt: Keramik.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Rheinbach einen bedeutenden Industriezweig auf diesem Gebiet. Der Unterschied zur Keramiktradition in Adendorf oder Wormersdorf mit ihrer Handwerkstradition lag tatsächlich in der industriellen Ausrichtung. Heute noch gibt es die Majolikafabrik Marei (Jean Fuss & Sohn), so bekannte Unternehmen wie Ruscha (Rudolf Schardt, Keramische Werke Rheinbach) sind inzwischen geschlossen. Ruscha hatte vor genau 100 Jahren seine Produktion aufgenommen. Jetzt erinnert das Stadtarchiv unter der Leitung von Dietmar Pertz in einer besonderen Ausstellung im Rheinbacher Glasmuseum an die über die Region hinaus wichtige, heimische Keramikindustrie.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Keramik der 50er Jahre. Unter dem Titel zeitnah und formschön ist eine Vielzahl aus dieser Zeit erhaltener Objekte in den Vitrinen zu sehen. Eröffnet wurde die für die Stadt ganz wichtige Ausstellung von Bürgermeister Stefan Raetz. Unter den Gästen war auch Otto Gerharz, der die Firma Ruscha mit aufgebaut hatte und seit 1964 mit einem eigenen Unternehmen am Ort selbstständig ist. Beim Einführungsvortrag erklärte der Autor Dr. Horst Makus, Rheinbach habe sich in kürzester Zeit von einem Produktionsstandort in der Provinz zu einem der bedeutenden Herstellungszentren künstlerischer Serienkeramik entwickelt.
Öffnungszeiten: bis 16. Oktober, Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr, 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.