Der Prozess um den Mord an Norbert Larres ist gestern zu Ende gegangen. Mike Gevatter muss viele Jahre ins Gefängnis. Für die Familie ist der Aufarbeitungs-Prozess dagegen noch nicht zu Ende.
SCHLEIDEN / AACHEN. Mike Gevatter machte nicht den Eindruck, als berührte ihn die Tatsache sonderlich, dass er von nun an für sehr lange Zeit ins Gefängnis muss - vielleicht sein ganzes weiteres Leben. Äußerlich unbeteiligt nahm der 37 Jahre alte Mann, der nach Überzeugung des Gerichts den 43-jährigen Olefer Aushilfs-Taxifahrer Norbert Larres ermordet hat, gestern sein Urteil auf: Lebenslange Freiheitsstrafe - wegen Mordes, in Tateinheit mit schwerem Raub mit Todesfolge.
Es war eine sinnlose Tat von kaum vorstellbarer Rohheit, Unmenschlichkeit und Gefühlskälte, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Gerd Nohl in der Urteilsbegründung. Weil die Schwurgerichtskammer die besondere Schwere der Schuld feststellte, kann Gevatter nicht damit rechnen, vor Ablauf von 20 Jahren in die Freiheit entlassen zu werden.
2025 könne im Fall Gevatter erstmals eine Prüfung auf vorzeitige Haftentlassung stattfinden, so Nohl. Was bedeutet: Der Industriemechaniker könnte im günstigsten Fall mit Ende 50 wieder auf freien Fuß kommen. Nohl betonte, dass es von nun an entscheidend darauf ankomme, wie sich der Angeklagte in der Haft verhalte: Seine Prognose ist aus heutiger Sicht schlecht. Er verwies darauf, dass Gutachter Gevatter als tickende Zeitbombe bezeichneten. Vielleicht komme er sogar nie wieder aus dem Gefängnis.
Keine zehn Meter vom Angeklagten entfernt saß gestern die Mutter des Opfers - wie schon an den vorangegangenen Prozesstagen. Ganz allein saß die Nebenklägerin an einem langen Tisch und blickte traurig zu dem Mann herüber, der ihren Sohn am 17. Februar mit 21 Messerstichen tötete und ausraubte. Sie selbst gab anschließend keinen Kommentar ab.
Das überließ sie ihrem Sohn Klaus Larres, einem Professor, der in Irland lebt. Aufgewühlt, aber zufrieden und erfreut über die Worte des Richters und die gerechte Strafe, so Larres, seien er und die Familie. Sie habe schwere Tage hinter sich. Es ist nicht leicht, über fünf Verhandlungstage ins Gericht zu gehen und zu sehen, dass der Angeklagte reagiert, als sei alles lästige Pflicht und dabei keine rechte Einsicht zeigt. So ganz davon überzeugt sei er nicht, dass der Prozess bislang zu einer Aufarbeitung der Dinge beigetragen habe, sagte Larres. Möglich sei aber, dass sich das Gegenteil erst in ein paar Wochen zeige. Aufarbeiten muss die Familie noch immer ein fürchterliches Geschehen, das sich vor acht Monaten ereignete.
Am 17. Februar hatte Norbert Larres auf seiner ersten Tour mit dem Taxi am Abend einen Kunden aufgenommen, der in einer Jacke ein 16 Zentimeter langes, geschärftes Messer mit sich führte, um damit um jeden Preis zu töten. Gevatter lockte den Fahrer auf einen Parkplatz, gab vor, austreten zu müssen. Beim Einsteigen stach er ohne Worte und Drohung auf den 43-jährigen Familienvater Norbert Larres ein. 21 Mal. Arg- und wehrlos sei der Fahrer gewesen, heißt es im Urteil.
Er tötete
aus Habgier
Er hatte nicht die geringste Chance, dem Messer zu entgehen, führte Nohl aus. Denn es sei Mike Gevatter besonders auf die Tötung angekommen: Er nahm den Tod nicht nur billigend in Kauf. Er tötete, um ein anderes Verbrechen zu ermöglichen. Und er tötete aus Habgier. Dabei habe, so der Richter, keine akute finanzielle Notlage vorgelegen. Der arbeitslose Industriemechaniker hätte jederzeit staatliche Hilfe in Anspruch nehmen können. Das habe er aber abgelehnt. Statt dessen habe er einen Raubmord geplant, um an Geld zu kommen.
Und er habe das Verbrechen an einem zufälligen Opfer sehr detailliert geplant. Habe diverse Anläufe abgebrochen, ehe er am Abend des 17. Februar das vollbrachte, wozu er seinen inneren Schweinehund Tage vorher noch überwinden musste, wie er es seinem Computer anvertraut hatte.
Vor Gericht gab Gevatter an, große Erinnerungslücken in Zusammenhang mit der Tat zu haben. Die waren nach Ansicht der Gutachter und des Gerichts nur vorgetäuscht. Zum Zeitpunkt der Tat sei er zudem voll schuldfähig gewesen. Gevatter habe nach der Tat einen Teil der erbeuteten 115 Euro in Kneipen ausgegeben und sich gut gelaunt präsentiert. Ein zufällig gemachtes Foto zeige ihn etwa zwei Stunden später. Nohl: Man kann sagen: strahlend. Vorher habe der Mörder in seinen Computer getippt: Ich habe heute jemanden erstochen. Es war der einzige Ausweg um an Geld zu kommen. Der Text endet mit den Worten: Entschuldigt Mutti und Vati. Ich bin im Knast vielleicht besser aufgehoben als im richtigen Leben.