WESSELING. Ein Leben ohne ihren Betrieb, das wäre für Margareta Fiebelkorn das Ende. Seit 1952 steht die inzwischen 73-Jährige ihren Mann im Unternehmen, das einst ihr Vater und Großvater aufgebaut haben.
Die Fiebelkorns sind Spezialisten in Sachen Schrott. Wir leben von dem, was andere Leute wegwerfen, sagt die dunkelhaarige Dame, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auch schon mal im Nerzmantel ins Büro kommt.
Das Recyceln begann für die Fiebelkorns schon um die Jahrhundertwende. Mit Pferd und Wagen kutschierte ihr Großvater damals von Brühl-Kierberg aus durch die Lande und sammelte Eisen und Lumpen. Zuerst in Brühl, seit 1938 in Keldenich, setzte ihr Vater das Lebenswerk fort. Und so wuchs Tochter Margareta im Betrieb auf.
Sie war gerade 21 Jahre alt, als sie das Unternehmen ganz übernahm. Das ging damals nur mit einer Sondergenehmigung vom Oberkreisdirektor, erinnert sie sich. Seither ist sie ihr eigener Herr und fährt sogar den Gabelstapler und Lastwagen.
Natürlich hätten etliche Kerle versucht, sie über den Tisch zu ziehen. Kaum einer traute mir als Frau anfangs zu, ein Unternehmen wie dieses allein zu führen, schmunzelt sie. Doch alle belehrte die zierliche Frau eines Besseren. 1975 zog sie mit ihrem Betrieb ins Gewerbegebiet nach Wesseling-Berzdorf.
Bis zu 800 Fahrzeuge landen zurzeit jährlich auf ihrem Schrottplatz, die meisten kommen in die Presse, werden dann gehäckselt, danach eingeschmolzen, um als Rohstoff neu in den Kreislauf zu gelangen.
Doch nicht nur Autos werden in den Schrottmühlen zermahlen. Wir nehmen sämtliche Metalle an, versichert die Chefin. Ihr Geschäftssinn geht sogar so weit, dass sie selbst heute noch unmöglich an Metallabfällen vorbeifahren kann, die die Bürger etwa an Sperrmülltagen vor die Türe stellen. Dann hält sie an, klappt den Kofferraum ihres Autos auf und lädt ein, was sie gehoben und verstaut bekommt. Was die Leute denken, interessiert mich bei solchen Aktionen überhaupt nicht, lacht die resolute Dame.
Tochter Marina Fiebelkorn denkt da ganz genauso. Die 47-Jährige hat diesen Sinn fürs Geschäft von ihrer Mutter geerbt. Denn peinlich ist es auch ihr nicht, etwa weggeworfenen Heizkörper oder Bleirohre vom Bordstein aufzuheben. Du Arme, du scheinst es ja nötig zu haben, hätten unlängst einige jungen Männer gesagt, als Tochter Marina eine Metall-Spüle vom Sperrmüll aufhob und in ihren Kofferraum hievte. Das ist doch sozusagen bares Geld, rechtfertigt die 47-Jährige ihr Handeln: Ich lasse doch auch keinen Fünfeuroschein auf der Straße liegen.
Marina Fiebelkorn werde das Unternehmen irgendwann übernehmen, sagt ihre Mutter. Doch wann das sein werde, stehe noch nicht fest. Die 73-Jährige wird nachdenklich. Momentan sei es ihr unmöglich, daran zu denken, irgendwann einmal die Hände in den Schoß zu legen.