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Zwischen Objektiv und OP-Saal

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Eigentlich könnte André Schulten mächtig stolz sein auf seine beiden Leidenschaften. Der Kölner ist ausgebildeter Chirurg und Fotograf, und doch möchte Schulten eines nicht: „Ich will als Fotograf gesehen werden, der sich mitteilt, und nicht als ein Chirurg, der so nebenbei fotografiert.“ Dieser Gefahr begegnet der 42-Jährige mit seinen nachdenklichen Bildern energisch.

Trotzdem kommt man nicht umhin, die ungewöhnliche berufliche Liaison näher zu beleuchten, schließlich sind OP-Saal und Objektiv „zwei völlig andere Welten“, wie Schulten selbst zugibt. Zunächst entdeckte er die Fotografie für sich, mit 17 Jahren fand er „an einem langweiligen Nachmittag“ eine alte Kamera im Wohnzimmerschrank. Am Rhein in Porz, wo er aufwuchs, schoss Schulten seine ersten Bilder, zwei spielende Mädchen vor idyllischer Rheinkulisse gehörten dazu, er besitzt es heute noch.

Was sich all die Jahre nicht geändert hat, Schulten macht ausschließlich Bilder in schwarz-weiß. Viele seiner Motive findet er in Portugal. Bei einem nicht bestandenen Bewerbungsseminar fürs Architekturstudium in Helsinki schlief er 1986 mit Antonio aus Portugal auf einem Zimmer, wenig später besuchte Schulten Antonio in Lissabon - mit dem Fahrrad. 3707 Kilometer, von Köln bis in die portugiesische Hauptstadt, bis heute reist er in das Land, auch seine Freundin Sílvia ist Portugiesin. Nach seiner Rückkehr begann Schulten, in Köln Medizin zu studieren. Parallel dazu brachte er neue Eindrücke und Bilder aus Italien, Polen, Frankreich mit. Sein praktisches Jahr als Mediziner absolvierte Schulten 1992 in Brasilien, neben portugiesisch spricht er englisch und französisch.

Sich selbst bezeichnet Schulten als etwas „anachronistisch“, schließlich arbeitet er nur analog, mit Digitalfotografie beschäftigt er sich nicht. „Analoge Bilder haben eine ganz andere Qualität, sie wirken ehrlicher, weil sie kleine Fehler haben, die sie aber nicht schlechter, sondern menschlicher machen“, erzählt Schulten. Nach einer Computerbearbeitung seien die Bilder zu perfekt. André Schulten entwickelt alle Bilder selbst von Hand, dafür hat er eigens ein kleines Labor im Keller eingerichtet. Menschen, Landschaften, mit Liebe zum Detail abgelichtet, gehören zu seinen Motiven.

Auch sein Handwerkszeug, die Kamera, hat wenig mit den handflächenkleinen Digitalkameras zu tun, sie wiegt knapp drei Kilo. Bis 2006 arbeitete Schulten als Chirurg, im Anschluss konzentrierte er sich ganz auf die Fotografie, nur gelegentlich arbeitet er aushilfsweise im Krankenhaus oder im hausärztlichen Notdienst, „um die Handgriffe nicht zu verlieren“.

Anfang Februar zeigte er gemeinsam mit neun weiteren Künstler seine Bilder in einer französischen Ausstellung in der Nähe von Nantes. „Im Moment fotografiere ich mehr, aber es gehört eben beides zu meinem Leben dazu“, erklärt Schulten.