Leverkusen-Hitdorf – Mindestens 950 Jahre war Hitdorf schon bewohnt, bevor die Römer gegenüber auf der anderen Rheinseite ihre ersten Zelte aufschlugen. Das ist durch neue archäologische Funde belegt.
Wer sich wundert, dass das Baugebiet „Hitdorf-Ost“ nicht ganz so zügig vorankam: Es lag auch an den frühen Hitdorfern, denn von Anfang an hielt man es für möglich, dass im Baufeld Bodendenkmäler zu finden sein könnten. Das bestätigte sich.

Beim Graben im Baugebiet Hitdorf-Ost wurden die Spuren früher Besiedlung entdeckt. Fotos: Ralf Krieger
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Flächen wie die in Hitdorf bezeichnen Bodendenkmalpfleger als siedlungsgünstige Orte: Das sind fruchtbare ebene Flächen ohne Berge, also einfach zu beackern. Außerdem dürfte es entlang des Rheins sicher eine Handelsstrecke gegeben haben.
Grabung auf eigene Kosten des Bauherren
Auf der Fläche wurden 150 Scherben gefunden, so viel, wie in einen Eimer passen würden. Natürlich werden sie nicht in Eimern gesammelt, sondern einzeln in Plastiktütchen mit genauer Beschriftung versehen und sie liegen jetzt im Amt für Bodendenkmalpflege. Gegraben hat dort ein Team unter der Leitung der Archäologin Britta Eßer vom privaten Archäologiebüro „Goldschmidt“.
Die Grabung musste der Bauherr Gernot Paeschke auf eigene Kosten durchführen lassen, weil Hinweise auf frühe Besiedlung bei einer Begehung der Felder östlich Hitdorfs an die Oberfläche gekommen waren.
Eine sehr fruchtbare Gegend
Die frühen Hitdorfer Spuren stammen laut dem Bericht des Büros Goldschmidt aus etwa 1000 vor Christus. Aus der „Hallstadt-C-Zeit bis frühe Latènezeit“ etwa 380 vor Christus, präzisiert die Archäologin Britta Eßer am Telefon. Bei den Grabungen letzten Winter habe man einige Abfallgruben gefunden, in denen die Tonscherben gelegen hätten.
„Das Land war schon immer eine sehr fruchtbare Gegend“, sagt Britta Eßer. In solchen Gegenden mit hoher Wahrscheinlichkeit früher Besiedlung schreiben die Behörden Grabungen vor. Das frühe Hitdorf habe laut Bericht aus drei Gehöften bestanden, sagt Maximilian Aydt vom Büro Goldschmidt.

Gängige Keramik aus vorchristlicher Zeit
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Die Grabungsleiterin Britta Eßer arbeitet als Freiberuflerin. Sie sagt, die Gruppe Menschen habe in Holzhäusern gelebt. Man habe zwar keine Grundrisse mehr nachgewiesen, aber es seien typische Holzpfosten gefunden worden, die die Ur-Hitdorfer in Löcher gestellt hätten und die anschließend verfüllt wurden. Das ließ sich noch nachweisen. Die Scherben stammten von „damals gängiger Keramik“.
Reste von Alltagskeramiken
Sie und ihre Helfer hätten aus Archäologen-Sicht nichts Spektakuläres gefunden. Keine Urnengräber, wie sie in der Nähe in Rheindorf in der Erde gelegen haben. Für die Hitdorfer dürften die Scherben aber durchaus etwas besonderes sein. Sie sind die Reste von Alltagskeramiken, die mit Rillen und Pünktchen verziert worden sind. Man könne noch sagen, dass die Menschen wohl in Familien zusammengelebt hätten, sagt Britta Eßer.
Bauherr Gernot Paeschke hat für die Grabungen 80.000 Euro bezahlt, dennoch schwingt eine gewisse Begeisterung in seiner Stimme, wenn er davon erzählt. Außerdem: Bisher sind nur kleine Bereiche von Hitdorf-Ost ausgegraben worden. Es ist gut möglich, dass auf dem Baufeld noch einiges zutage gefördert wird. „Darauf werden wir sorgfältig achten.“ Wenn sich beim Baggern neue Funde zeigen, müssen die Archäologen wieder ran.
Vielleicht, so der Bauherr, könne man die Scherben im Heimatmuseum ausstellen. Paeschke: „Ich fänd's für Hitdorf schön“.
