Im neuen Jahr geht es Schlag auf Schlag bei der Bahn. Zwei Generalsanierungen mit mehrmonatigen Sperrzeiten auf wichtigen Zugstrecken in der Region stehen an.
Deutsche BahnNächste Generalsanierung in der Region kündigt sich an

Ein Regionalzug fährt durch Wuppertal. Die deutsche Bahn bereitet die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hagen und Köln vor.
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Schon am 6. Februar fällt der Startschuss für die Korridorsanierung zwischen Köln und Hagen. Sie dauert bis zum 10. Juli. Zeitgleich mit dem Ende dieser Arbeiten, startet am 10. Juli die nächste Generalsanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden. Sie soll bis zum 11. Dezember dauern. Am Donnerstag stellte die Bahn die geplante Maßnahme bei einem digitalen Pressegespräch im Detail vor. Über die Auswirkungen auf den Zugverkehr und das Ersatzkonzept will die Bahn für NRW im März gesondert berichten.
Aber zunächst noch einmal zurück zur Generalsanierung der rund 65 Kilometer langen Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen. In der fünfmonatigen Sperrzeit arbeiten ein Dutzend Firmen zeitgleich an Gleisen, Weichen, Oberleitung, Schallschutzwänden und zwölf Bahnhöfen. Die Bauaufträge haben ein Volumen von 800 Millionen Euro.
Stellwerke werden vorerst nicht modernisiert
Es gibt aber auch Kritik an dem Programm: „Trotz schlechter Zustandsnoten wird zwischen Köln und Hagen kein einziges Stellwerk ersetzt. In Bezug auf die Stellwerke ist diese Generalsanierung eine Schummel-Sanierung“, kritisiert der grüne Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel auf der Internetplattform Linkedin und ergänzt, dass zwei der acht Stellwerke von der DB mit Zustandsnote „6“ bewertet werden. Dies bedeute in der Definition der DB laut Gastel: „Die Anlage hat potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf den Betrieb. Kurzfristiger Handlungsbedarf: Instandhaltung zur Überbrückung bis zur Ersatzinvestition.“ Auf Anfrage der Rundschau konkretisierte Gastel seine Kritik: „Ich erwarte zweierlei: Im Grundsatz die Umsetzung aller sinnvollen Maßnahmen, um Strecken in Ordnung zu bringen und Kapazitäten zu erhöhen. Wenn dies nicht in allen Punkten gelingt, so sollte die Deutsche Bahn öffentlich und transparent begründen, weshalb dies nicht möglich ist.“ Laut Bahn sei „wegen der kurzen Vorlaufzeit für die Planung und weil sich kein bestehendes Stellwerkprojekt in Planung befand“, das schlicht nicht möglich gewesen. Für Gastel, der bis Juli 2025 Mitglied im Aufsichtsrat DB InfraGO AG war, eine Ausrede: „Der Zeitplan für die Generalsanierungen ist seit 2024 spätestens festgelegt, es wäre genug Zeit gewesen“, sagt er. Auf Anfrage der Rundschau teilte eine Bahnsprecherin mit, dass es bei der Generalsanierung Hagen-Wuppertal-Köln den größten Handlungsbedarf bei den Gewerken Oberbau und Bahnhöfe gebe. Da die „Stellwerke auf dieser Strecke sehr groß seien und erst weit in den 2030er Jahren erneuert werden können, haben wir entschieden die Generalsanierung mit Fokus Bahnhöfe und Oberbau nun frühzeitig durchzuführen“.
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Bis zu dreifache Fahrtzeit mit Ersatzbussen
Betroffen von der Sperrung der Strecke Köln-Hagen sind neben den IC-/ICE-Verbindungen die Nahverkehrslinien RE 4, RE 7, RE 13, RB 48, RE 49, S 7, S 8, S 9, S 28 und S 68. Im Regionalverkehr fällt beispielsweise der RE 7 während der Vollsperrung zwischen Köln Messe/Deutz und Hagen Hbf sowie die RB 48 zwischen Köln Messe/Deutz und Wuppertal-Oberbarmen aus. Pendler müssen sich darauf einstellen, dass sie für den Weg zur Arbeit und zurück durch die Ersatzbusse bis zu dreimal soviel Zeit einplanen müssen, wie DB Regio am Beispiel der Strecke zwischen Wuppertal Hbf und Köln verdeutlichte. 34 Minuten benötigt die Regionalbahn, bis zu 1:45 Stunden werden es mit Ersatzbus und dem Umstieg auf die Bahn in Leverkusen-Mitte werden. Denn dort werden die Ersatzverkehre enden. Fernverkehrszüge werden während der Bauarbeiten grundsätzlich zwischen Köln und Dortmund via Düsseldorf und Essen umgeleitet oder entfallen auf diesem Teilabschnitt. Der Wuppertal Hbf und Solingen Hbf werden nicht angefahren. Ab Köln steht Fahrgästen eine stündliche ICE-Direktverbindung von/nach Berlin via Düsseldorf, Duisburg, Essen und Bochum zur Verfügung. Die Fahrzeit verlängert sich um bis zu 30 Minuten. Auch die ICE-Sprinter Bonn – Köln – Berlin entfallen. Die Züge der IC-Verbindung Stuttgart – Mainz – Köln – Hannover – Magdeburg – Dresden verkehren nur zwischen Stuttgart und Köln sowie zwischen Dortmund und Dresden. Über das Verkehrskonzept können Fahrgäste sich online unter bahn.de/ersatzverkehr-hagen-wuppertal-köln oder unter www.bahn.de sowie in der App DB Navigator informieren.
Generalsanierung Rechter Rhein von Troisdorf nach Wiesbaden
Bis zum Start der Generalsanierung Rechter Rhein zwischen Troisdorf und Wiesbaden Mitte Juli dauert es zwar noch knapp sechs Monate. Aber die Aufgabe auf dem rund 160 Kilometer langen Streckenabschnitt hat es in sich, wie die Bahn am Donnerstag bei einer Pressekonferenz schilderte. Fern- und Güterverkehrszüge werden während der Streckensperrung umgeleitet, vielfach über die linksrheinische Strecke, weshalb dort der Takt einzelner Regionallinien ausgedünnt werde. 80 Güterzüge sollen täglich über diese Strecke umgeleitet werden, 40 über die Strecke Troisdorf-Siegen, teilte die Bahn mit. Züge der Regionalbahn RB27 und der Regionalexpress RE8 enden während der Sanierung zunächst in Troisdorf und ab Mitte September in Köln Messe/Deutz. Stattdessen werden moderne Ersatzbusse eingesetzt, solche, die an allen Stationen halten, und Expressfahrzeuge mit nur wenigen Haltestellen. Für eine bessere Orientierung sollen sowohl die Busse, die über WLAN und USB-Ladesteckdosen verfügen, ein einheitliches Design haben, als auch die Haltestellen und die Wegeführung zur Ersatzhaltestelle, verspricht die Bahn. Allerdings müssen sich Pendler auf deutlich längere Fahrtzeiten mit dem Ersatzbus einstellen. So verdoppelt sich die Fahrtzeit zwischen Troisdorf und Koblenz auf rund zwei Stunden. Details über die Auswirkungen der Maßnahme im Bereich NRW will die Bahn im März bekanntgeben.
Alle Bahnhöfe auf der Strecke werden modernisiert
Im Rahmen der Generalsanierung werden alle 36 Stationen entlang der Strecke Troisdorf-Wiesbaden nach einheitlichem Design modernisiert und zum großen Teil barriere- oder zumindest stufenfrei werden, kündigte die Bahn an. In Nordrhein-Westfalen betrifft das die Bahnhöfe Niederdollendorf, Königswinter, Rhöndorf und Bad Honnef. Zudem werden auf der Strecke insgesamt sechs Stellwerke mit alter Technik durch neue elektronische Stellwerkstechnik ersetzt, unter anderem Bonn-Beuel. Die bereits bestehenden elf elektronischen Stellwerke entlang der Strecke werden nach Bahnangaben angepasst. Züge können so künftig in verringerten Abständen zueinander unterwegs sein und ein besserer Umgang mit Störungen sei möglich. Außerdem modernisiert die DB entlang der Strecke die Leit- und Sicherungstechnik wie zum Beispiel Signale und Bahnübergangsanlagen. Im Mai und Juni will die Bahn mit einem Infomobil an mehreren Stationen über die Baumaßnahmen und das Verkehrskonzept informieren. Die Haushalte entlang der Bahnstrecke sollen per Post Info-Flyer erhalten. Weitere Informationen im Internet. rechter-rhein.deutschebahn.com
Das ist zwischen Troisdorf und Wiesbaden geplant
15.000 Meter Gleis erneuert die Bahn allein während der Korridorsanierung Troisdorf-Wiesbaden auf NRW-Gebiet. Zudem sollen auf der Strecke bis zu Landesgrenze mehr als 50 Weichen ausgetauscht, die Oberleitung auf rund 16.000 Metern gewechselt sowie die Bahnhöfe Niederdollendorf, Königswinter, Rhöndorf und Bad Honnef einheitlich modernisiert werden. Auf der gesamten rund 160 Kilometer langen rechten Strecke zwischen Wiesbaden-Biebrich und Troisdorf erneuert die Bahn auf einer Länge von über 80 Kilometern die Gleise. Außerdem tauscht oder ersetzt sie 169 Weichen durch neue oder größere Weichen. um im Fall von Störungen leichter überholen zu können. Verspätungen lassen sich künftig durch fünf neue Überholbereiche (sogenannte Überleitstellen) für Züge besser vermeiden. Insgesamt werden 37 Weichenheizstationen um beziehungsweise neugebaut. Knapp 120 Kilometer neuer Fahrdraht wird gespannt. 15 Brücken und Stützwände werden erneuert und zwischen Unkekl und Eltville 19 Kilometer Schallschutzwände errichtet. Zudem werden auf der Strecke insgesamt sechs Stellwerke mit alter Technik durch neue elektronische Stellwerkstechnik ersetzt. Diese neuen elektronischen Stellwerke liegen in Rüdesheim, Niederlahnstein, Koblenz-Ehrenbreitstein, Engers, Neuwied und Bonn-Beuel.

