So aalglatt und rücksichtslos wie er sich da auf der Bühne im Großen Saal des Forum gibt, kann man ihm den abgebrühten Zyniker glatt abnehmen, der den Ratschlag gibt, die Welt gar nicht an sich herankommen zu lassen, sondern nur wahrzunehmen, was einem gefällt. Den Egoisten, ja Egomanen schlechthin, der irgendwo doch in jedem steckt. Sebastian Pufpaff versteht es, seinem Publikum den Spiegel vorzuhalten, einer Gesellschaft, die sich in Zeiten relativen Wohlstands aufführt, als hätte sie noch eine zweite Erde im Kofferraum ihres SUV, für die Geiz geil ist und das Ich nicht genug gepflegt werden kann.
Er treibt es einfach ungeniert auf die Spitze, wenn er von Eltern erzählt, für die Kinder als Ausstattungsmerkmale einer Beziehung willkommener Besitz sind, den man aber zur Aufbewahrung gar nicht komplett genug wieder abschieben kann. Am liebsten gleich nach Geburt, nach einer Kita-Geburt, ohne Berührungspunkte gleich ab in die Vollversorgung. Notfalls wirft man sie halt aus dem Familien-Panzer, bevorzugt Porsche Cayenne, direkt am Schultor ab und genießt dann seine Ruhe. Oder er berichtet vom Urlaub in Tunesien, den man in der militärisch abgesicherten Clubanlage erst so richtig genießen kann, wenn man vorher bei der Busfahrt dahin den Anblick der Elendsviertel genossen hat.
Sortenreiner Sexist

Politisch korrekt gekleidet: Sebastian Pufpaff.
Copyright: dpa
Natürlich ist der von Pufpaff verkörperte Wohlstandswiderling auch ein Sexist erster Güte, der die „Emanzipation 2.0“ predigt, wonach Frauen sich am besten „hochbumsen“, um dann berufliche Kompetenz beweisen zu dürfen. Was bei ihm aber auch die kritische Frage aufwirft, wie viel Dummheit sich in einem einzigen Mann bündeln darf – zum Beispiel in einem grapschenden Präsidenten mit blond gefärbter Tolle – bis endlich einmal ein Aufstand der Frauen ausbricht.
Konsequent weiter auf der Spur des Zynikers freut Pufpaff sich über Menschen, die ungehemmt über Straßen rasen oder bewaffnet durch die Welt ziehen, denn: Das schafft absehbar freien Wohnraum in den Innenstädten. Nur Mitleid und Spott hat er auch für Menschen übrig, die sich digitales Liebesglück von einem Datingportal versprechen: „Da verliebt sich also alle elf Minuten ein Single? Ein Single? Also in sich selbst?“
Jedes Handeln hat Folgen, auch jedes Nicht-Handeln, löst er gegen Ende seines Programms in Leverkusen, „dem Paris Kölns“, in ganz ruhigem Ton auf, wenn er die Maske des zynischen Egomanen abnimmt und sein nachdenklich gestimmtes Publikum mit dem Satz in den Abend entlässt: „Der größte Arsch sind wir doch selber.“