Der Biber breitet sich zur Freude der Naturschützer in Nordrhein-Westfalen aus. „Wir reden derzeit über mehr als 1000 Individuen“, teilte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Landesweit habe es schon 2018 ungefähr 340 Biberreviere gegeben.
Damit kehrt der Biber vielerorts in seinen angestammten Lebensraum zurück. Im 19. Jahrhundert hatten Jäger die seit vielen Millionen Jahren in Europa heimischen Biber fast schon in ganz Deutschland ausgerottet - bis 1966 die ersten Wiederansiedlungen starteten.
Auch Artgenossen aus den Niederlanden dürften sich auf den Weg gemacht haben
Nordrhein-Westfalen setzte ab dem Jahr 1981 zwölf Biber in der Eifel aus und ab dem Jahr 2002 weitere 26 im nördlichen Rheinland. Auch einige Artgenossen aus den Niederlanden dürften sich auf den Weg nach NRW gemacht haben. Nach früheren Angaben hatte sich dann der Bestand in NRW in den Jahren 2010 bis 2015 auf rund 750 Biber verdoppelt.
„Der Biber breitet sich glücklicherweise wieder von allein in Nordrhein-Westfalen aus“, sagte der Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW, Holger Sticht. Das geschehe an mehreren Stellen und in der Regel über Bäche und Flüsse. Die Ausbreitung der Tiere in NRW erfolge aus Richtung Eifel und dem Niederrhein kommend. So sei er an der Lippe und der Ems eingewandert.
Die biologische Vielfalt explodiert
„Der Biber ist so eine Art natürlicher Wasserbauingenieur“, erklärte Sticht. Das Tier sorge mit Dämmen dafür, dass Flächen unter Wasser stehen. „Das führt dazu, dass die biologische Vielfalt regelrecht explodiert.“ Andere Arten profitierten von den Wasserflächen. Dazu gehörten Libellen, die teilweise sogar abhängig vom Biber seien. Zudem schaffe er offene Wiesen, die auch für Insekten wichtig seien.
Auch aus dem Blickwinkel des Klimaschutzes und des Hochwasserschutzes hat der Biber nach Ansicht von Sticht eine wichtige Rolle. Wasser werde durch seine Dämme an vielen Stellen zurückgehalten, statt schnell und gefährlich von den Flächen abzufließen. Zudem könnten sich Moore und Sümpfe entwickeln, die CO2 speichern. „Der Biber macht es kostenfrei und kann es so gut wie kein anderer“, erklärt Sticht.
Schäden tauchen vermehrt auf
Allerdings gibt es auch Konflikte mit den Menschen: Schäden tauchen nach Angaben des Landesamtes vermehrt vor allem in dicht besiedelten Bereich der Kreise Düren und Heinsberg sowohl in der Landwirtschaft als auch bei den Wasserverbänden auf, berichtete das Landesamt weiter.Die Behörde spricht von einer „dynamischen Ausbreitung“ des Bibers in NRW.
Deshalb ist ein landesweiter „Bibermanagementplan“ vorgesehen. Das Konzept werde in Zusammenarbeit vor allem mit Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz sowie kommunalen Stellen erarbeitet.
Der BUND betont, der Biber sei durch das Artenrecht geschützt. „Man darf nicht nur dem Biber nichts tun. Man darf auch die Bauten des Bibers - ob Damm oder Burg - nicht verändern“, sagte Sticht. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung dürfe im begründeten Einzelfall eingegriffen werden. So könne etwa ein Drainagerohr auf dem Biberdamm dafür sorgen, dass Wasser nur ab einem gewissen Stand abfließt.
