29. Sommerakademie AlfterVöllig freie Hand bei der Entfaltung

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Hobby-Bildhauer Michael Zilkens gibt einem Birkenstamm eine neue Form.

Hobby-Bildhauer Michael Zilkens gibt einem Birkenstamm eine neue Form.

Alfter – Horch mal, wer daklopft und hämmert! Michael Zilkens, gebürtig aus Neuss, weiß schon, wie man mit Stechbeitel und Holzhammer umgeht, um einen Birkenstamm in eine neue Form zu bringen. „Im Laufe der Jahre habe ich mir die Eignung zur Bildhauerei erarbeitet. Man muss halt das richtige Händchen haben!“ Hat er, schließlich ist Zilkens ein „Wiederholungstäter“ bei der Sommerakademie Alfter im schön gelegenen Campus I der Alanus Hochschule hoch oben am Johannishof.

FAKTEN

Die Sommerakademie Alfter ist eine Veranstaltung der Westfälischen Gesellschaft für Weiterbildung, dem Alanus Europäischen Forum in Kooperation mit dem Weiterbildungszentrum Alanus Werkhaus.

Die 4. Woche bietet vom 19. bis 25. August Kurse für Bronzeguss, Akkordeon, Eurythmie, Bildhauere und intuitive Musik. Dieser Musikkurs lädt am Mittwoch, 22. August, ab 19 Uhr zu einem öffentlichen Konzert ein.

www.sommerakademie-alfter.de

Schließlich ist der Hobby-Bildhauer zum zehnten Mal dabei, in diesem Jahr im Kurs von Klaus Hann, der den Teilnehmern völlig freie Hand lässt bei der Auswahl der Materialien (Marmor, Sandstein, Alabaster, Basalt und eben Holz) und der Gestaltung.

Der renommierte Diplom-Bildhauer ist sich auch nicht zu schade, den Birkenstamm selbst zu fällen und nach Alfter zu schleppen. „Völlig freie Hand“ – dieses Motto gilt auch auf einige andere Kurse der vierwöchigen Sommerakademie, zum Beispiel im Kurs „Freie Malerei“ von Annette Stachs. An diesem Morgen sollen die Teilnehmer mit verschiedenen Materialien „blind zeichnen“, und zwar auf einer vorgegebenen Skizze mit vertikalen oder horizontalen Linien, die Bäume darstellen.

„Konzentriert euch nur auf die Linie“, ermuntert die Dozentin die Kursteilnehmer. Stefanie Gather, die bereits zum 29. Mal die Sommerakademie leitet, gibt sich beim Rundgang sichtlich relaxt. Dazu hat sie auch allen Grund: Vorbei die Zeiten, als sich die Akademie im finanziellen Blindflug befand, längst hat man festen Boden unter den Füßen gefunden. „In diesem Jahr haben wir insgesamt 240 Teilnehmer“, resümiert Stefanie Gather nicht ohne Stolz, „bereits im Januar waren einige Kurse schon ausgebucht.“ Tusch! Jetzt in der dritten Woche sind es 86 kunstaffine Menschen jeden Alters, die Abstand vom Alltagsleben gewinnen wollen. „Jeden Alters“ darf man ruhig wörtlich nehmen, das Kinderatelier mit dem Motto „Weltenwunder-Wunderwelten“, geleitet von der Kulturpädagogin Susann Meister-Duddeck, erfreut sich großer Beliebtheit. In spielerischer Form sollen die jungen Teilnehmer (ab sieben Jahren) mit verschiedenen Materialien wie Ton, Stein oder Holz ihre Kreativität testen. Jetzt lassen die jungen Kunstadepten freilich Holz Holz sein und hängen fröhlich schwatzend im wörtlichen Sinne am Apfelbaum ab.

In dem karg ausgestatteten Atelier, in dem die „Künstlerin vor Ort“ Petra Bartels sich ihren Textilarbeiten widmet, ist es um etliche Dezibel leiser. So kann sich die Wahl-Italienerin, die seit 23 Jahren in den Marken in Mittelitalien lebt und arbeitet, auf ihre Arbeit konzentrieren.

Ein Faible für luftige Textilien

Ursprünglich Modedesignerin, geht die aus Celle stammende Künstlerin jetzt erheblich sparsamer mit Textilien um. Ihre „luftigen“ Produkte, die sie in dieser Woche herstellt, sollen den sanften Kontakt zur Haut herstellen – in diesen Sommertagen keine üble Idee.

Von Alfter über Italien geht es schließlich nach Ägypten. Stefanie Gather schätzt sich glücklich, erstmals eine Stipendiatin in der Sommerakademie begrüßen zu können. Shorouk Abouleish, in ihrer Heimat am Nil als Landschafts-Gestalterin tätig, tastet sich gleichsam an die ihr fremde Welt in „Almania“ heran. In dem Bildhauerkurs von Klaus Hann möchte sie neben der Arbeit mit Holz und Stechbeitel vor allem „zwischenmenschliche Kontakte“ knüpfen, wie sie auf Englisch sagt. Das dürfte kein Problem sein, „zwischenmenschliche Kontaktpflege“ ist schließlich das Mantra der Sommerakademie auf dem Johannishof seit Beginn an.

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