Bei Vollmond geschwommenExtremschwimmer Hans Fuhrmann aus Alfter umrundet Menorca

Hans Fuhrmann wurde von seiner Frau Sabine, einem Skipper und seinem Trainer begleitet.
Copyright: Fuhrmann
Alfter – Hans Fuhrmann ist bestens mit dem Element Wasser vertraut. Das hat der Alfterer Extremschwimmer gerade erst bewiesen, als er schwimmend die Baleareninsel Menorca umrundete. Doch vor der Seekrankheit ist er nicht gefeit, wie er noch bei der Anreise während der nächtlichen Überfahrt von Mallorca erfahren musste. „Ich habe einiges an Fischfutter im Mittelmeer verteilt“, scherzt der Schwimmer.
Fuhrmann war Anfang September mit dem Flugzeug auf Mallorca gelandet und von dort mit dem Segelboot zur gut 80 Kilometer entfernten Nachbarinsel und dem Startort seines Vorhabens aufgebrochen. „Da kam einiges zusammen: Ein unruhiger Seegang und die Fahrt im Dunkeln, bei der wir keinen Horizont sehen konnten.“ Die Fahrt dauerte knapp neun Stunden, bevor die Gruppe den Fährhafen Ciutadella an der Nordwestküste der Insel erreichte.
Auf der Suche nach ambitionierten Zielen

Mit dem Schiff ging es aufs Meer.
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Der 64 Jahre alte Vermögensberater absolvierte bereits Marathons und den Ironman, machte sich aber vor allem als Extremschwimmer einen Namen und sucht sich stets neue, ambitionierte Ziele. Nachdem er schon mehrfach das niederländische Ijsselmeer oder 2021 den Kanal zwischen Mallorca und Menorca durchschwommen hatte, nahm er sich vor, die Baleareninsel Menorca komplett schwimmend zu umrunden.
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Begleitet wurde er von seiner ebenfalls sportbegeisterten Ehefrau Sabine, einem Skipper und dem erfahrenen Trainer Marcel van der Togt, dem ehemaligen Coach der niederländischen Nationalmannschaft im Freischwimmen aus Den Haag. Frau, Trainer und Skipper waren während der Schwimmstrecken stets an seiner Seite. 28 Grad Celsius hatte das Meerwasser, 34 die Luft. „Das ist eigentlich für diese Jahreszeit viel zu warm“, sagt Fuhrmann. Wegen der Wärme habe er mehr trinken müssen als üblich: zu Beginn jede halbe Stunde, später einmal pro Stunde. Die an einem Seil angebundene Trinkflasche warf ihm seine Frau jedes Mal ins Wasser.
Nachtetappe bei Vollmond
Auch eine Nachtetappe absolvierte der Vielschimmer: „Bei Vollmond zu schwimmen, das war schon cool.“ Wenn er mehrere Stunden im Wasser ist, ziepst es schon mal im Oberarm: „Aber nach zwei Stunden sind die Schmerzen weg“, versichert Fuhrmann: „Es gab nie den Moment, in dem ich dachte, ich schaffe das nicht.“ Hans Fuhrmann sah sich als „Gast“ im Mittelmeer zwischen den vielen Fischen – vor allem Quallen. Die nimmt er sportlich: „Es brennt natürlich, wenn einen eine Feuerqualle berührt, aber nach einer Viertelstunde ist auch dieser Schmerz vorbei.“ Ein fantastisches Naturschauspiel boten ihm die sogenannten Spiegeleiquallen, die sich wie ein Schwamm anfühlten, keine brennenden Sekrete absonderten, aber aufgrund ihrer Farben und Formen schön anzusehen waren.

Er wagte die Umrundung von Menorca als Schwimmer: Hans Fuhrmann.
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Zwischen den einzelnen Etappen gönnte sich Hans Fuhrmann gerade einmal vier Stunden Pause. In dieser Zeit musste er sich seine Schwimmkleidung ausziehen, das Salzwasser abduschen und einen kleinen Imbiss zu sich nehmen. Verspannungen lockerte seine Frau Sabine mit Hilfe einer Massagedusche. Erst dann gab es Schlaf.
Training im Rhein-Sieg-Kreis
Seine Leidenschaft fürs Freiwasserschwimmen entdeckte der Extremsportler erst so richtig 2015. Bei seinem ersten Wettkampf durchschwamm er den Fühlinger See in Köln. Das waren aber bloß 2,5 Kilometer. Jahr für Jahr steigerte sich das Mitglied der Schwimm- und Sportfreunden (SSF) Bonn. Die Durchquerung des Ärmelkanals vor einigen Jahren musste er allerdings wegen Magenproblemen abbrechen.
Schwimmstrecke
126 Kilometer hat Hans Fuhrmann bei der Umrundung von Menorca zurückgelegt. 36 Stunden hat er dazu schwimmend in dem bis zu 30 Meter tiefen und 28 Grad Celsius warmen Wasser verbracht – Außentemperatur: 34 Grad Celsius. Fuhrmann hatte sich die Strecke in etliche kleine Etappen aufgeteilt. Die Kürzeste davon war fünf Kilometer lang, die Längste 19 Kilometer. Pro Stunde schaffte der Schwimmer im Schnitt drei Kilometer – je nachdem, wie der Wind wehte: Bei Rückenwind schaffte er mehr, bei Wind von vorne weniger Kilometer. (fes)
Er trainiert regelmäßig im Rotter See in Troisdorf und im Allner See bei Hennef. Vor der Menorca-Umrundung hat er mit seinem Trainer Simulationswochen absolviert. Wichtig war es, den richtigen Rhythmus von Schwimmen und Ruhezeiten zu finden und zu trainieren. „Wenn ich richtig recherchiert habe, bin ich der erste Deutsche, der es geschafft hat, Menorca zu umrunden“, meint Fuhrmann. Ein mallorquinischer Journalist bezeichnete ihn im Mallorca-Magazin als „tollkühnen Deutschen“. Und schon hat sich Fuhrmann sein nächste Ziel gesteckt: Alle fünf Baleareninseln will er umrunden. Für nächstes Jahr hat er sich Ibiza und Formentera zusammen vorgenommen. Das wären dann 160 Kilometer. Die Königsdisziplin wäre allerdings Mallorca mit einer Strecke von 270 Kilometern: „Noch steht aber nichts fest. Ich entscheide das auch immer gemeinsam mit meinem Trainer. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, da plane ich höchstens ein Jahr im Voraus.“
Für seine Menorca-Umrundung hatte Fuhrmann eine Internetseite eingerichtet und um Spenden für den Förderverein der Alfterer Vorgebirgsschule gebeten. 515 Euro kamen bereits zusammen.www.overfromdover.de

