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Neue OrtsmitteAlfterer Ausschuss ist einverstanden mit Umgestaltung

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Grünflächen statt Parkplätzen sieht die Planung für den Herrenwingert vor. Wegfallende Stellplätze sorgen für Diskussion. 

Alfter – Ab Oktober rollen am Herrenwingert die Bagger. Dann beginnt der erste Schritt zum Umbau des Alfterer Ortskerns zur „Grünen Mitte“ mit dem Rückbau des Bolz- und Spielplatzes, an dessen Stelle voraussichtlich im Sommer 2023 die neue Kultur- und Sporthalle stehen wird (wir berichteten).

Die konkreten Pläne und den Zeitplan (siehe Kasten) stellten Bianca Lorenz, Fachgebietsleiterin Planung und Hochbau der Gemeinde Alfter, und Cathérine Minnameyer vom Kölner Architekturbüro Königs am Dienstagabend im Ausschuss für Gemeindeentwicklung auf Antrag der Grünen vor. Einstimmig beschlossen die Politiker, das vom Land geförderte ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) fortzuschreiben. Für Diskussionen sorgten die anstehenden Baumfällungen, die wegfallenden Parkplätze, die Interimszufahrt zum Herrenwingert sowie die Zukunft der Anna-Schule.

Bäume und Ersatzpflanzungen

Mindestens 32 Bäume müssen gefällt werden, nicht nur für die neue Mehrzweckhalle, sondern auch, um die Baustelle einzurichten Es werden große Montageflächen für die Baumaterialien benötigt, beispielsweise für die 28 Meter langen Holzdachträger, die von Kränen montiert werden müssen, erläuterte Projektarchitektin Cathérine Minnameyer. Die bisherige Zufahrt zum Herrenwingert wird dafür gesperrt, das Baugelände eingezäunt. Die gemeindeeigene Baumsatzung sehe vor, dass für jeden gefällten Baum eine Ersatzpflanzung geschaffen werden muss, erläuterte Bianca Lorenz. Dies genügte Wilhelm Windhuis von den Grünen nicht. Er forderte pro Baum mindestens zwei bis drei Ersatzpflanzungen. Fraktionskollegin Sonia Theimann brachte eine Firma ins Spiel, die Bäume umsetzt und nicht fällt.

Mehr Aufenthaltsqualität soll der Platz vor dem Geschäftshaus und dem Schloss bekommen.

Die Verwaltung werde Informationen dazu einholen, sicherte Ausschussvorsitzende Luise Wiechert (CDU) zu.

Ersatz für Spielfläche im Freien

Damit die Kinder auch weiterhin die Möglichkeit haben, im Freien zu spielen, kam von Seiten der Grundschule und der OGS die Anregung, einen alternativen Ort für den Bolzplatz zu finden. Minnameyer schlug den Lehrerparkplatz vor. Die Stellplätze würden dann zugunsten einer sicheren Spielfläche entfallen.

Interimszufahrt und Wegfall von Parkplätzen

Alfters Bürger müssen sich auf Einschränkungen und Änderungen einstellen. Da die bisherige Zufahrt gekappt wird, wird demnächst am südwestlichen Ende der Festwiese Richtung Hertersplatz eine Interimszufahrt eingerichtet. Diese sei beidseitig befahrbar, auch für Lkw, die den Edeka-Markt beliefern, so Minnameyer. Auch die Busse können so weiterhin den Herrenwingert anfahren. Allerdings würden dadurch acht Parkplätze auf dem Herrenwingert wegfallen. Dies stieß auf Kritik des Alfterer Ortsvorstehers Norbert Lehna (CDU), auch vor dem Hintergrund der möglicherweise wegfallenden Lehrerparkplätze: „Ich heiße es nicht gut, dass diese Stellplätze auf den Herrenwingert verlagert werden, das sind rund zehn Lehrerplätze. Dann fallen noch einmal acht weg, unsere Gewerbetreibenden werden nicht begeistert sein, zumal wir vor einiger Zeit extra Kurzzeitparkplätze für die Kunden eingerichtet haben.“ Wilhelm Windhuis (Grüne) konnte diese Kritik nicht nachvollziehen: „Hierbei handelt es sich ja nur um eine vorübergehende Maßnahme, aber wir wissen ja, dass die CDU autoaffin ist.“

Minnameyer verwies darauf, dass es Wunsch der Schule gewesen sei, nach Alternativen für die wegfallenden Spielflächen zu suchen und dies von Seiten des Architekturbüros lediglich ein Vorschlag sei: „Ich halte es aber für sinnvoll, den Kindern eine solche Möglichkeit anzubieten.“ Luise Wiechert erinnerte daran, dass die Gemeinde rund 20 Parkplätze hinter dem Schloss angemietet hat: „Dort können die Lehrer künftig parken, ein Fußweg von fünf Minuten zur Schule ist sicher vertretbar.“

Zeitachse

September 2021: Bürgerversammlung und Vergabe der Aufträge für den Straßenbau.Oktober 2021: Rückbau Bolz- und Spielplatz, Einrichtung eines temporären Bauzaunes, Baumfällungen, Herstellung der Interims-Zufahrtsstraße.

November 2021: Einrichtung der Baustelle mit Bauzäunen entlang der Zufahrtsstraße und an Teilen des Festplatzes, Beginn der Erdarbeiten.

Januar 2022: Beginn der Rohbauarbeiten für die Kultur- und Sporthalle.

Sommer 2023: Fertigstellung der neuen Kultur- und Sporthalle.

Oktober bis Dezember 2023: Abbruch der alten Turnhalle an der Anna-Schule.

2022/2023: Überlegungen, wie Schloss und Schlosspark mit eingebunden werden können.

ab Januar 2024: Neubau des Baus für den Vollsortimenter und Planungen für den Lindenhain.

Voraussichtlich Juni 2026: Ende der Gesamtmaßnahme „Grüne Mitte Alfter“. (fes)

Das Thema Parkplätze sorgte auch an anderer Stelle bei den Politikern für Irritationen. In den aktualisierten Planungsunterlagen tauchte nun eine Variante auf, die bis zu 20 oberirdische Stellplätze vor dem geplanten neuen Gebäude des Vollsortimenters vorsieht. Die ursprünglichen Planungen umfassten laut Sonia Theimann an dieser Stelle einen „Mobility Hub“, also einen Mobilitätspunkt mit Fahrradständern oder Abstellmöglichkeiten für Lastenfahrräder. Sämtliche Pkw-Stellplätze sollten in einer Tiefgarage unterirdisch verschwinden. Dies sei auch der Grundgedanke des ISEK gewesen.

Architektin Minnameyer, erklärte, dass es zwischenzeitlich Überlegungen von Seiten des Vollsortimenters gab, auch oberirdische Stellplätze anzubieten mit der Begründung, wer nur zwei Sachen einkaufen möchte, fahre nicht in eine Tiefgarage. Letztendlich sei dies aber nur eine Skizze und müsse im weiteren Bauleitplanverfahren konkretisiert werden.

In diesem Zusammenhang erklärte Bianca Lorenz, dass es bislang noch keinen Investor für den Bau des Geschäftshauses mit Tiefgarage gebe: „Hierfür müssen auch noch einige Entscheidungen getroffen werden.“

Situation der Grundschule

Wegen der bevorstehenden Baumaßnahmen mussten die Containermodule auf dem Pausenhof der Anna-Schule versetzt werden. Diese werden im laufenden Schuljahr in Alfter nicht benötigt und stehen nun an der Witterschlicker Grundschule, wo sie für die OGS-Betreuung gebraucht werden, schilderte Lorenz. Dies könne sich aber zum Schuljahr 2022/23 ändern: „Dann müssen wir alles noch einmal unter die Lupe nehmen und die Situation gemeinsam mit dem Schulamt erörtern“, schilderte Lorenz, da mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen sei.

Insgeheim hegt die Gemeinde die Hoffnung, dass einige Kinder vorübergehend ins Alfterer Schloss „einziehen“ könnten – natürlich in enger Abstimmung mit der Grafenfamilie und mit Einbindung des Alfterer Schlossparks. Für die nächste Sitzung des Ausschusses sagte Bianca Lorenz eine ergänzende Vorlage zu.