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Überfall auf Oedekovener ApothekeIm Rucksack lagen die Waffe und eine Sturmhaube

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Polizei (1)

Symbolbild

Alfter/Bonn – Am Abend des 25. Mai 2019, es war gegen 18.40 Uhr, standen plötzlich zwei junge Menschen in der Brunnen-Apotheke an der Chateauneufstraße. Beide waren maskiert: Der eine mit einem schwarzen Dreieckstuch vor dem Gesicht und grauem Kapuzenpullover bekleidet, der andere mit einer Sturmhaube über dem Kopf und in dunkler Kleidung. Für die 44-jährige Inhaberin war sofort klar, dass die Räuber höchstens Teenies sein konnten. Mit jugendlicher Stimme forderte der eine die Apothekerin auf, ihnen Geld aus der Kasse zu geben, während der andere ihr eine Gasdruckpistole vorhielt. Die Überfallene zögerte nicht lange: Sie öffnete die Kasse, holte alles Geld raus und übergab ihnen 475 Euro. Mit der Beute verschwanden sie so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Der kurze Spuk war von einer Mitarbeiterin beobachtet worden, die sich im hinteren Teil der Apotheke aufgehalten hatte.

Knapp ein Jahr später hat die Bonner Staatsanwaltschaft die beiden mittlerweile 16-Jährigen wegen schwerer, räuberischer Erpressung angeklagt, wie Lars Hillert, stellvertretender Amtsgerichtsdirektor, mitteilte. Mit von der Partie ist noch ein 14-Jähriger, der an der Planung des bewaffneten Raubüberfalls beteiligt gewesen sein soll, aber auch etwas von der Beute gekommen sollte.

Dazu kam es jedoch nicht, denn die alarmierte Polizei leitete sofort eine Fahndung ein und hatte beobachtet, wie drei Jugendliche unweit des Tatorts in einen Hauseingang liefen. In einem Garten trafen die Beamten13 Jugendliche an, die just eine Geburtstagsparty feierten, darunter offenbar auch die Apothekenräuber. Damals wurden die Teenager im Alter zwischen 13 und 15 Jahren vorläufig festgenommen. Im Treppenhaus sicherten die Ermittler zudem einen Rucksack, in dem eine Schreckschusswaffe sowie Sturmhaube und Dreieckstuch verstaut waren. In einem Schuh war ein Teil der Beute versteckt, der Rest wurde nie gefunden, auch nicht bei Hausdurchsuchungen in Duisdorf und Medinghoven, wo die beiden Bonner Haupttäter damals gewohnt haben sollen. Der Prozess, der ursprünglich Ende des Monats vor einem Jugendschöffengericht starten sollte, ist wie viele andere nicht dringliche Verfahren wegen der Corona-Krise aufgehoben worden, wie Hillert gestern bestätigte. Ein neuer Termin ist noch nicht bestimmt.