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Aus nach über 200 JahrenTraditions-Gasthaus am Rhein in Bonn nach Insolvenz geschlossen

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Blick auf das Gasthaus Schaumburger Hof am Rhein in Bonn (Archivfoto).

Blick auf das Gasthaus Schaumburger Hof am Rhein in Bonn (Archivfoto).

Die Geschichte der Gaststätte geht bereits auf das 18. Jahrhundert zurück. Was zu der Insolvenz geführt hat.

Seit über 200 Jahren existiert der Betrieb am Rhein in Bonn-Plittersdorf. Der Schaumburger Hof ist die älteste Gaststätte des Stadtbezirks Bad Godesberg. Doch seit dem Wochenende (17./18. Januar) ist das Restaurant geschlossen. Hintergrund ist ein Insolvenzverfahren. Ob das Traditionshaus irgendwann nochmal seine Türen öffnen kann, ist derzeit ungewiss.

Das Insolvenzverfahren wurde Anfang Januar 2026 beim Bonner Amtsgericht eingereicht, wie aus der öffentlichen Bekanntmachung hervorgeht. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Andreas Schulte-Beckhausen eingesetzt.

Schaumburger Hof in Bonn-Plittersdorf insolvent – Zukunft ungewiss

Die Zukunft des Traditionshauses Schaumburger Hof steht noch nicht fest. Die Situation werde auch dadurch erschwert, dass das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert nicht dem Gastronomiebetreiber gehört. „Unter anderem mit dem Eigentümer des Ensembles müssen noch Gespräche geführt werden“, erklärt Schulte-Beckhausen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit sei nicht bekannt, welche Pläne der Eigentümer mit dem denkmalgeschützen Anwesen hat.

Vor allem der Biergarten mit Blick auf den Rhein und das Siebengebirge war für viele Ausflügler ein Anlaufpunkt.

Vor allem der Biergarten des Gasthauses Schaumburger Hof mit Blick auf den Rhein und das Siebengebirge war für viele Ausflügler ein Anlaufpunkt.

Eine Fortführung des laufenden Betriebs hielt der Insolvenzverwalter unter den derzeitigen Bedingungen jedoch für ausgeschlossen. Das ließen die wirtschaftlichen Bedingungen nicht zu. Der Gasthof bleibt also bis auf Weiteres geschlossen.

Zumindest für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es gute Nachrichten. Die Löhne sind bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens gesichert und durch das Insolvenzgeld abgedeckt. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens dauert es in der Regel drei Monate.

Wie der Schaumburger Hof in die Insolvenz rutschte

Corona, Mindestlöhne, gestiegene Energiekosten: Die Gründe für die Insolvenz des Gasthauses Schaumburger Hof sind die schwierigen Bedingungen, mit denen viele Gastronomen zu kämpfen haben. Das sieht auch Andreas Schulte-Beckhausen so, der als Insolvenzverwalter viel mit ähnlichen Schicksalen konfrontiert wird.

Das Fachwerk-Ensemble des Schaumburger Hofs wurde bereits im 18. Jahrhundert errichtet.

Das Fachwerk-Ensemble des Schaumburger Hofs wurde bereits im 18. Jahrhundert errichtet.

Wie viele andere Restaurantbetreiber hatte auch der Schaumburger Hof Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. „Man hatte qualifizierte Arbeitskräfte, aber eben nicht genug, um einen so großen Betrieb am Laufen zu halten“, so Schulte-Beckhausen.

Gerade im Gastro-Gewerbe komme es auf den Zusammenhalt der Mitarbeitenden an. Es wird dann gearbeitet, wenn andere Freizeit haben, erklärt der Rechtsanwalt weiter. „Da werden dann eventuell auch mal Gehälter angehoben, um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten und an den Betrieb zu binden, obwohl die Finanzen das vielleicht gar nicht zulassen.“

Dann seien die kalten Monate gekommen, der beliebte Biergarten war geschlossen. „Sie haben es einfach nicht geschafft“, sagt Andreas Schulte-Beckhausen.

Schaumburger Hof: Über 200 Jahre alte Tradition könnte enden

Damit könnte eine über 200 Jahre lange Tradition in Bonn-Bad Godesberg enden. Weinbauer und Landwirt Peter Joseph Rhein legte im Jahr 1755 den Grundstein für die Gaststätte. Das ehrwürdige Fachwerk-Ensemble am Rhein mit Blick auf das Siebengebirge war auch für Ausflügler und Touristen eine beliebte Adresse.

Sogar in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland spielte das Haus eine Rolle. 1948 tagte hier der Parlamentarische Rat, um über die Verfassung der Bundesrepublik zu debattieren. Später wurde der nordrhein-westfälische Staatssekretär Hermann Wandersleb als Stammgast empfangen.

1991 sollte im Schaumburger Hof das Gästehaus des Landes NRW eingerichtet werden. Als sich die Pläne durch den Bonn-Berlin-Beschluss zerschlugen, blieb das Haus länger geschlossen, bis sich private Investoren fanden und die gastronomische Tradition wiederbelebt wurde.