Anja Rihm ist eine der Kunstschaffenden, die sich an der Freiluftgalerie in Rhöndorf beteiligen.
Open AirFreiluftgalerie in Bad Honnef zeigt rund 30 Kunstwerke an Fassaden und Zäunen

Freiluftgalerie Rhöndorf
Copyright: Ralf Klodt
„Ich kann mit allem etwas anfangen“, sagt Anja Rihm und ergänzt lächelnd: „Das ist Fluch und Segen zugleich.“ Dann zeigt sie in ihrem kleinen „Showroom“ im „Art Hub“ in Unkel, den der örtliche Kunstverein geschaffen hat und betreibt, auf kleine Kunstwerke. Die stellen beispielsweise Vögel oder Raupen dar und sind aus Draht, Treibgut, Sektkorken, Eierkartons oder Sprühdosen entstanden.
„Jedes ansprechende Fundstück (meist vom Rhein) lässt mein Herz hüpfen“, schreibt die 69-jährige Künstlerin auf ihrer Homepage. „Die Gabe, diese dann in Kunstobjekte verwandeln zu können, empfinde ich als großes Geschenk.“ Aber neben Objekten und Plastiken beschäftigt sich Anja Rihm auch mit der Malerei. Eines ihrer Werke ist bei der Freiluftgalerie in Rhöndorf 2026 zu sehen, die am Freitag, 28. August, eröffnet wird.
76 regionale und überregionale Künstler haben sich mit Arbeiten beworben.
Unter der Themenvorgabe „Traum... Hoffnung... Frieden...?haben sich nach Angaben der Organisatoren 76 regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler beworben, geringfügig weniger als vor zwei Jahren. 31 Exponate hat eine Jury für das Open-Air-Event ausgewählt. Hinzu kommen fünf Werke aus der Kunstwerkstatt „Der blaue See“, in der Bewohnerinnen und Bewohner der Behinderteneinrichtung Haus Hohenhonnef aktiv sind.
Alle Werke werden auf große Lkw-Planen gedruckt und hängen für sechs Wochen an Zäunen und Hauswänden in Rhöndorf. Wie der Name Freiluftgalerie schon sagt. Anja Rihm ist zum zweiten Mal dabei. „Lebensader“ lautete das Thema 2024. Ihre Arbeit damals, die zurzeit auch in ihrem „Showroom“ im Kunstvereinsdomizil „Art Hub“ hängt, trug den Titel „Talente fördern“ und zeigte ihre Enkelin, die sich in die Geheimnisse des Nähens vertieft.

Anja Rihm mit ihren Freiluftgalerie-Bildern „Die Übergabe“.
Copyright: Carsten Schultz
„In unseren familiären Lebensadern fließen viel kreative Talente“, hat die Künstlerin auf der Website der Freiluftgalerie dazu erklärt. „Ich bin das jüngste von fünf Kindern“, sagte Anja Rihm im Gespräch mit dieser Zeitung, „und alle sind kreativ.“ Sie habe anfangs mit dem aktuellen Thema „Traum... Hoffnung... Frieden...?“ gehadert, so Anja Rihm, die Autodidaktin ist und fast 40 Jahre als gelernte Schaufenstergestalterin tätig war.
Doch dann entstand ihr Bild „Die Übergabe“. Es zeigt die Hand eines Erwachsenen, der eine junge Tomatenpflanze in eine Kinderhand übergibt. Der Hintergrund ist rot-schwarz lodernd, unten brennt eine Stadt oder Siedlung, von der Rauch aufsteigt. Erschreckend aktuell sei die Darstellung, sagt die Künstlerin mit Blick auf bombardierte und zerstörte Ölanlagen im Krieg der USA mit dem Iran.
„Es ist höchste Zeite gemeinsam für unsere einzige Welt etwas zu tun“
Der zarte Setzling symbolisiert für Rihm den Traum, „der nächsten Generation genug Erfahrungsschatz und Resilienz an die Hand geben zu können“, damit sie auch in extremen Situationen überleben kann. Ihre Hoffnung, das zweite Themenstichwort, sei, dass die Menschen begreifen, „dass wir nicht so weiter machen können“; man müsse handeln, nicht nur reden.
Das Wort Frieden schließlich „beinhaltet beides und dazu die Wörter Mut und Trotz, denn gerade jetzt wird es doch höchste Zeit Frieden zu schließen und gemeinsam für unsere einzige Welt etwas zu tun“, erklärt die Künstlerin, die schon in vielen Ausstellungen unter anderem in Neuwied, Koblenz oder Köln ihre Werke gezeigt hat.
„Wir driften ab in eine Zeit, die uns mit viel Unzumutbarem konfrontiert – und können in der Kunst den Mut wiederfinden“, lautet ein Zitat von Stefan Kraus, dem ehemaligen Direktor des Museums Kolumba, das die Organisatoren der Freiluftgalerie – das Aalkönigskomitee und der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf – auf der Startseite ihres Internetauftritts gestellt haben.
In Anja Rihms „Showroom“ hängen beziehungsweise lehnen an einer Wand kleine, sehr bunte Bilder, davor und daneben stehen ebenso bunte Skulpturen, für die sie unter anderem kleine Netze verarbeitet hat. Sie habe hier hellere Farben genommen als sonst und sich selbst so ein bisschen fröhlich machen wollen, wie sie sagt. „Das habe ich mal gebraucht.“ Sie arbeite „lieber mit kleinen Formaten“ und so ist denn auch ihr Acrylbild für die Freiluftgalerie „nur“ 30 mal 40 Zentimeter groß.
Für die Open-Air-Ausstellung werde es fotografiert und auf etwa 1,20 Meter hochgezogen. Das sei spannend, auch was die Wirkung des Bildes angeht. „Meine Neugierde“, sagt die Künstlerin, „immer wieder Neues auszuprobieren, ist mein treibender Motor.“
