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GroßprojektWarum Bad Honnef zehn Millionen Euro ins Kanalnetz investiert

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Blick in eine zehn Meter tiefe, mit Beton verkleidete Baugrube.

Eine der beiden zehn Meter tiefen Startgruben: Von hier sollen Vortriebsmaschinen unterirdisch einen Kanal zum Rhein verlegen.

Zwei Riesenlöcher dienen einem Großprojekt: Das Abwasserwerk schiebt Kanalröhren unter der B42 und der Bahntrasse hindurch.

Die beiden zehn Meter tiefen Riesenlöcher, die sich zurzeit neben der Bundesstraße 42 auftun, machen schon Eindruck, wenn man über das Geländer in die Tiefe guckt. In der Nähe liegen und stehen Treppenelemente aus Stahl, die den Bauarbeitern in nächster Zeit den Zugang in die sogenannten Start- oder Pressgruben ermöglichen werden.

Und dann wird es – wohl ab September – richtig spannend: Mit Vortriebsmaschinen, wie es sie auch im Tunnelbau gibt, lässt das Abwasserwerk der Stadt Bad Honnef von den Zehn-Meter-Löchern aus unterirdisch Kanalrohre mit zwei Metern Durchmesser verlegen – und zwar unter der B 42, unter der Bahntrasse und unter der Stadtbahnlinie hindurch bis zum Rheinufer in Höhe der Nordspitze der Insel Grafenwerth. Dort befinden sich die sogenannten Zielgruben. „Microtunneling“ nennt sich das ganze Verfahren.

Hochwasser des Rheins könnte das Bauprojekt verzögern

„Die Bahntrasse wird die ganze Zeit vermessen“, sagt Martin Leischner, der beim Abwasserwerk unter anderem zuständig ist für den Neubau und die Sanierung des Kanalnetzes. Wenn es auch nur die leichteste Veränderung an den Gleisen gebe, müsse man den Vortrieb sofort stoppen.

Damit rechnen Martin Leischner und Hans-Joachim Lampe-Booms, der Betriebsleiter des Abwasserwerks, allerdings nicht, wie sie bei einem Termin auf der Baustelle deutlich machten. Die Bahn, der Landesbetrieb Straßen NRW, die Stadt – „sie wissen alle Bescheid.“ Ein Hochwasser des Rheins, beim aktuellen Pegelstand schwer vorstellbar, könnte aber zu Verzögerungen führen.

Ein Bagger neben Baugruben, im Hintergrund der Rhein.

Die Zielgruben am Rhein sind inzwischen fertig.

Insgesamt rund zehn Millionen Euro investiert das Abwasserwerk in das Großprojekt, bei dem das „Microtunneling“ jedoch nur ein Baustein ist. Denn in Höhe der Giradetallee – rund 200 Meter von den „Startgruben“ entfernt – entsteht ein 30 Meter langes, 15 Meter breites und acht Meter tiefes so genanntes Abschlagsbauwerk. Das soll Mitte 2027 gebaut werden. Zuvor müssen in dem Baufeld an der Giradetallee zwei neue Schachtbauwerke errichtet werden. Zudem muss unter anderem die Hauptwasserleitung der Bad Honnef AG verlegt werden.

Der Grund für die Zehn-Millionen-Euro-Investition ist die „EU-Wasserrahmenrichtlinie“, die den Zustand unter anderem von Flüssen und Bächen verbessern will. In Bad Honnef geht es konkret um den Ohbach, der aus dem Schmelztal kommt und durch das Stadtgebiet zum Rhein fließt. Bei Starkregen muss der kleine Bach bisher das zusätzliche Wasser aufnehmen.

Das solle künftig erst über den Mischwasserkanal abgeführt und dann in der Giradetallee mit dem Neubau in den Rhein eingeleitet werden. „Dadurch wird die Gefahr der Ausspülung und Überflutung des Ohbachs wesentlich reduziert“, so Martin Leischner und Hans-Joachim Lampe-Booms bei der Baustellenbesichtigung.

Auch wenn das Abschlagsbauwerk die Ausmaße eines Schwimmbades hat, wie ein Stadtplaner es mal formulierte, mögen die Experten nicht von einem Regenrückhaltebecken sprechen, das einem Laien wohl als erstes einfällt. Vielmehr handele es sich um einen Stauraumkanal, zu dem allerdings auch die Röhren gehören, die in den letzten Jahren unter anderem bei Großbaustellen an der Internationalen Hochschule und der Alexander-von-Humboldt-Straße in der Erde versenkt worden sind.

Zum Ausgleich wird am Rheinufer ein Hartholz-Auenwald angelegt

Bereits fertiggestellt sind die „Zielgruben“ am Rheinufer ein Stück nördlich des Wassersportvereins, in denen die unterirdisch per „Microtunneling“ gegrabenen neuen Kanalrohre ankommen sollen. Dort muss nicht nur massiv Erdreich aufgeschüttet werden, „damit der Vortrieb planmäßig in der Kanaltrasse bleibt und nicht nach oben ausweichen kann“, so Martin Leischner.

Die Fachleute müssen sich auch um ökologische Ausgleichsmaßnahmen kümmern, weil die „Zielgruben“ im Landschaftsschutzgebiet liegen und das FFH-Schutzgebiet bei der Insel Grafenwerth ganz nahe ist. Unter anderem werde am Rhein ein Hartholz-Auenwald angelegt.

Ein Mann mit blauer Jacke steht neben einem Bauzaun am Ufer des Rheins.

Betriebsleiter Hans-Joachim Lampe-Booms.

Einige kleine Holzpfähle an der Giradetallee nahe der Stelle, an der 2027 das Abschlagsbauwerk errichtet wird, kündigen übrigens schon ein weiteres Projekt an: Dort entsteht das Fundament für die Fußgängerbrücke, die die Stadt Bad Honnef über die vierspurige B42 hinweg zum neuen Bahnhof schaffen will.

Der entsteht gerade im Zuge der Korridorsanierung der rechtsrheinischen Bahntrasse. Die städtische Brücke soll wie – mehrfach berichtet – an die künftige „Bahnbrücke“ andocken, die den Zugang zum neuen Haltepunkt über Aufzüge barrierefrei macht. Sie kostet rund 5,3 Millionen Euro. Von den Plänen zum Bau eines Parkhauses nahe dem neuen Bahnhof hat sich die Politik verabschiedet.