Bei einer Bürgerversammlung der Bad Honnef AG und der SL Naturenergie wurde viel Kritik an den geplanten zwei Windrädern am Dachsberg laut.
Projekt am DachsbergKritik an Windrädern in Bad Honnef - Bürger sehen sich als Verlierer

Vor dem Bad Honnef Ortsteil Orscheid sollen die Windräder nach Darstellung der SL Naturenergie so wie her dargestellt zu sehen sein. Das Unternehmen bot den Bürgern an, auch von weiteren Standorten aus solche Visualisierungen zu erstellen.
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„Wir sind die Verlierer“, sagte ein Bürger aus Wülscheid, dessen Haus nach eigenen Angaben nur rund 850 Meter entfernt ist von dem Standort, an dem sich künftig zwei Windrädern drehen sollen. Wirtschaftliche Gewinner seien nur die Stadt Bad Honnef, deren eigener Energieversorger Bad Honnef AG und das Unternehmen SL Naturenergie, das die umstrittenen Anlagen betreiben will. Aber nicht, so der Tenor des Wülscheiders, die Bürger.
Viele kritische Äußerungen und Nachfragen mussten sich am Mittwochabend im Bürgerhaus Aegidienberg die Vertreter der an dem Projekt beteiligten Unternehmen anhören. Fast 400 Bürgerinnen und Bürger kamen, viele aus der benachbarten, in Rheinland-Pfalz liegenden Gemeinde Windhagen.

Fast 400 Bürgerinnen und Bürger kamen am Mittwoch zu dem Info-Abend ins Bürgerhaus Aegidienberg.
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Den Nachfragen und der Stärke des Applaus' nach zu schließen waren die Kritiker des Projekts in der Mehrheit an diesem Abend, der auch dank der stringenten Moderation durch Kilian Reichert trotz einiger Emotionen sachlich blieb.
Zwei Windräder mit jeweils sieben Megawatt Leistung wollen die SL Naturenergie und die Bad Honnef AG am Dachsberg installieren. Eine Nabenhöhe von 162 Meter und eine Gesamthöhe (bis zur Flügelspitze) von 250 Meter sollen die Anlagen haben. Rechnerisch könnten sie mit ihren 41 Millionen Kilowattstunden Strom den Bedarf von rund 14.000 Haushalten im Jahr decken, also mehr als die Hälfte der Bad Honnefer Haushalte versorgen.
Speziell am Dachsberg ist aber zurzeit die Versorgung von zwei Großunternehmen im Gespräch, so dass der Strom vor Ort verbraucht würde, wie Michael Hübner und Jakob Kasperidus von SL Naturenergie und Kersten Kerl, Vorstand der Bad Honnef, sagten. Gemeinsam versuchten sie – beispielsweise beim Lärm, beim Schattenwurf, beim Infraschall oder beim drohenden Wertverlust der Immobilien – den Bürgern ihre Sorgen zu nehmen. Offenbar nur mit begrenztem Erfolg.
Man habe in Aegidienberg mit einer Hochspannungsleitung, der ICE-Strecke und der Autobahn schon hohe Belastungen. Wenn die Windräder hinzukämen, wirke sich das sehr wohl auf den Wert der Immobilien aus, meinte ein Bürger. Michael Hübner konterte, dass man für diese Gesamtsituation nicht die Windkraftanlagen verantwortlich machen könne.

Michael Hübner von SL Naturenergie warb für das Projekt.
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Beim Thema Schall betonte Jakob Kasperidus, dass der Lärm vorab in einem Schallgutachten an allen Wohngebäuden gemessen werde. Eine Frau aus Windhagen („Sie setzen die Windkraftanlagen in die Vorgärten eines Neubaugebietes“) wies darauf hin, dass die Region an der Landesgrenze nicht aufhöre, in Rheinland-Pfalz aber eine andere Rechtslage und andere Abstandsregeln gälten, die hier unterschritten würden.
Unternehmen investiert am Dachsberg bis zu 27 Millionen Euro
Michael Hübner sagte später, dass man sich mit dem Projekt am Dachsberg an die nordrhein-westfälischen Vorschriften und Abstandsregeln halten werde. Ein Bürger sagte, dass der Abstand nach Windhagen nur rund 650 Meter betrage, obwohl Rheinland-Pfalz 900 Meter vorsehe.
Die Projektvertreter betonten unter anderem, dass die Stadt Bad Honnef nicht nur durch Gewerbesteuer profitiere, sondern sie (wie anteilig auch die Gemeinde Windhagen) 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde erhalte. Auch ein Stiftungsmodell sowie die Beteiligung der Bürger an den Anlagen, für die SL Naturenergie laut Michael Hübner 25 bis 27 Millionen Euro investiert, seien geplant.
Von einem Stiftungsmodell berichtet auch Antonius Wiesemann, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Neuenrade. Dort habe man in seiner Amtszeit sechs Windkraftanlagen realisiert, was vor allem die Nachbarkommunen zunächst „überhaupt nicht gut fanden“. Er sprach von einem „steinigen Weg“, sei aber froh, ihn gegangen zu sein. Auch wegen der Stiftungserlöse.
Bad Honnefs Bürgermeister Philipp Herzog hatte zuvor erklärt, dass der Regionalplan den Dachsberg als geeignet für Windräder eingestuft hat. Das sei „planerische Realität“. Die Frage sei nicht mehr, ob dort Anlagen installiert würden, sondern nur, in welcher Weise.
