Abo

Bad HonnefNeue Dachmarke greift auf Stadtwappen zurück

Lesezeit 4 Minuten
Die Rhöndorfer Kapelle wurde im Zuge der Dachmarkenkampagne ein Stück weit verhüllt.

Die Rhöndorfer Kapelle wurde im Zuge der Dachmarkenkampagne ein Stück weit verhüllt.

Bad Honnef – Untereinander die Worte „Lebensfreude verbürgt Bad Honnef“ und darunter das Stadtwappen, dessen rotes Quadrat unten links durch ein Herz ersetzt wird – so sieht die seit mehr als einer Woche von einer aufwendigen Kampagne begleitete neue Dachmarke für Bad Honnef aus. Am Samstag sollen alle Bürger der Stadt sie zu sehen bekommen, wenn alle Haushalte die Einladung zum „1. Bad Honnefer Bürgerwappenfest“ im Briefkasten liegen haben, auf der sowohl das alte Wappen als auch die neue Marke zu sehen ist.

Die Macher der Dachmarke um Bürgermeister Otto Neuhoff und Marketingexperte Nelson Artz ergänzen das traditionsreiche Wappen der Stadt „durch ein Herz im unteren linken Drittel. Es repräsentiert die Haltung der Lebensfreude und erzeugt sympathische Außenwirkung mit dem weltweit bekannten Symbol“, heißt es.

„Gediegen, nachhaltig, nicht flippig“

Zum Stadtnamen: „Der Name Bad Honnef erscheint in kräftigen, großen Lettern. Dies steht für Vertrauen, Modernität, Sicherheit und Klarheit. Zusammen mit dem neuen Slogan bildet der Text über dem Wappen die Mauerkrone des Wappens von vor 1973 nach.“ Und zum Slogan: „Lebensfreude verbürgt“ bringe „das Empfinden der Bad Honnefer für besondere Qualität zum Ausdruck. Gediegen, nachhaltig, nicht flippig, sondern wertkonservativ und zeitlos gültig, hierfür stehen die Stadt, ihre Umgebung und die Bad Honnefer. Alle Generationen sollen sich im Slogan wiederfinden und sich dafür verbürgen: Es ist Deine Stadt! Der Begriff ,verbürgt’ spricht die Bürger direkt an und macht diese zugleich zum Absender der Aussage.“

Wie berichtet, läuft seit gut einer Woche die Kampagne zur Einführung der neuen Marke, in deren Zuge die 301 Jahre alte Rhöndorfer Kapelle verhüllt wurde („Zu schön für uns. oder?“) sowie in der Stadt großflächige Plakate („Klasse, oder?) zu geplanten oder umgesetzten Projekten aufgestellt wurden. Höhepunkt soll das Bürgerwappenfest am 27. August auf der Insel Grafenwerth sein. Ein im Zuge der Kampagne gedrehter Imagefilm über Bad Honnef soll in der Stadtratssitzung am 24. August Premiere haben. Dort soll das neue Dachmarkenkonzept auch beschlossen werden, nachdem der Stadtrat ihm in einer nicht-öffentlichen Sitzung bereits mit „breitem Konsens“ (Neuhoff) zugestimmt hat. Die Wählergemeinschaft Bürgerblock erklärte bereits gestern per Pressemitteilung: „Die Dachmarke ist einer der entscheidenden Bausteine, die wir so dringend für diese Stadt brauchen.“

Kritik der Anwohner

Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kampagne, die bei Bürgern und in den sozialen Netzwerken nicht nur wegen der Kosten auch auf Kritik stößt, ist der Bürgermeister. Das erste Ziel sei erreicht: Aufmerksamkeit bekommen. Neuhoff betonte gestern, dass die Stadt nur 0,2 Prozent ihres Haushalts für Stadtmarketing ausgebe und davon sei die Dachmarke nur ein Teil; zuvor hatte das Stadtoberhaupt von einem mittleren fünfstelligen Betrag gesprochen. Auf ein normales Einkommen runtergerechnet seien Ausgaben von 0,2 Prozent 40 bis 50 Euro im Jahr. Neuhoff: „Von Verschwendung kann keine Rede sein. Dass es jahrelang überhaupt kein Budget fürs Stadtmarketing gegeben hat, war fahrlässig bis kriminell.“

Er stellte die neue Dachmarke erneut in einen großen Zusammenhang mit der schwierigen Lage (nicht nur der Bad Honnefer) Innenstadt und dem boomenden Onlinehandel, aber auch mit Themen wie Naherholung, Hotels oder Events sowie Stadtfeste und nicht zuletzt mit der geplanten Onlineplattform für den innerstädtischen Einzelhandel. Das sei alles vernetzt.

Neuhoff: „Es ist an der Zeit, dass die Bürger sich besinnen, dass sie mit dieser Stadt was zu tun haben und dass ihr Verhalten einen unmittelbaren Einfluss auf ihre Lebensqualität hat. Und es ist gleichzeitig an der Zeit, dass der Einzelhandel versteht, dass eine neue Welt angefangen hat mit dem Internethandel. Und dass es jetzt gilt, die Möglichkeiten dieser neuen Welt zu nutzen, um auch von Seiten des Einzelhandels auf den Bürger zuzugehen.“ Es sei eine ganz grundsätzliche Frage: „Bürger und Einzelhandel und Gewerbe müssen sich aufeinander zubewegen, wenn diese Innenstadt überleben soll und sogar an Qualität gewinnen soll – und nach meiner Überzeugung auch kann.“

Nelson Artz sagte, man wolle mit der neuen Dachmarke alle Initiativen, die es bereits in der Stadt gebe, „weiter fördern, unterstützen und mit der Dachmarke zusammenbringen“. Aber: „Das geht nicht morgen und auch nicht übermorgen.“ Wenn eine Dachmarke implementiert werde, dauere das „nicht Wochen, nicht Monate, sondern es dauert Jahre, bis sich diese Marke in der Region etabliert und zum Erfolg geführt wird“.

www.eine-stadt-entschliesst-sich.de

Rundschau abonnieren