„Täglich in Lebensgefahr“Wie Eltern für mehr Sicherheit auf dem Schulweg kämpfen

Zu schwaches Licht, zu hohes Tempo der Autos: Trotz des Einsatzes von Schülerlotse Thimon Strauch am Zebrastreifen kommt es an dem Überweg nahe der Rhöndorfer Marienkapelle nach Angaben von Eltern immer wieder zu gefährlichen Situationen. Sie sammeln Unterschriften und haben schon 500 zusammen.
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Bad Honnef-Rhöndorf – Eltern und Polizei sind sich einig: Auf dem Zebrastreifen an der Alten Kapelle in Rhöndorf, den täglich viele Grundschul- und Kindergartenkinder benutzen, kommt es immer wieder zu „brenzligen Situationen“, wie es Kerstin Kalmring-Martini formuliert. Dass davon durchaus auch Erwachsene betroffen sein können, wurde just am Donnerstagmorgen bewiesen, als eine Elterninitiative über eine Unterschriftensammlung informierte: Abgelenkt durch den kleinen Menschenauflauf auf dem linken Bürgersteig übersah ein Autofahrer einen von rechts auf den Zebrastreifen tretenden Pressefotografen und fuhr ihn an. Zum Glück ging der Zwischenfall glimpflich aus.
„Ich will nicht, dass hier etwas passiert. Ich will nicht passiv sein, sondern etwas ändern“, sagte Kerstin Kalmring-Martini, deren Unterschriftenlisten nach ihren Angaben bereits 500 Bad Honnefer Bürger unterschrieben haben. Täglich komme es auf dem Zebrastreifen „zu lebensgefährlichen Situationen für Schulkinder und Erwachsene! Tempo 50 führt dazu, dass Autofahrer_innen an dieser unübersichtlichen Stelle nicht mehr rechtzeitig bremsen können“, heißt es auf den Listen. Die Forderung der Initiative und der Unterzeichner: Tempo 30 und eine bessere Beleuchtung.
Tempomäßig ist die Straße uneinheitlich
Tatsächlich ist die Rhöndorfer Straße, eine Landesstraße (144), tempotechnisch gesehen regelrecht Stückwerk: Aus der City kommend gilt Tempo 50, vor dem ehemaligen Penatengebäude und heutigen Seniorenheim auf 300 Metern Tempo 30, nach einem Stück mit 50 sind unmittelbar vor der Alten Kapelle wieder nur 30 Stundenkilometer erlaubt, allerdings nur auf 100 Metern Länge, so dass am fraglichen Zebrastreifen wieder schneller gefahren werden kann – und wird. In Fahrtrichtung Innenstadt gilt bis zum 300-Meter-Abschnitt am Seniorenheim – also auch an insgesamt drei Zebrastreifen vorbei – komplett Tempo 50. Und der historische Domkapitel-Hof ragt so nah an die Straße heran, dass der Gehweg nur wenige Zentimeter breit ist und Autofahrern die Sicht auf von rechts kommende Fußgänger am Zebrastreifen genommen wird.

Extrem schmal: Polizist Dirk Schneider am Gehwegengpass am Domkapitel-Hof.
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Kerstin Kalmring-Martini, deren Tochter vier Jahre lang den Rhöndorfer Standort der Löwenburgschule besuchte und deren Sohn dort jetzt in der ersten Klasse ist, hatte ihren Jungen ursprünglich alleine zur Schule gehen lassen, berichtete sie. Es gehe ja auch um Selbstsicherheit und Eigenständigkeit von Kindern. Nach einem Zwischenfall am Zebrastreifen sei der Junge jedoch eine Weile so verunsichert gewesen, dass sie ihn zeitweise wieder zur Schule haben bringen müssen. Obwohl der Zebrastreifen durch den Schülerlotsen Thimon Strauch gesichert wird, der auch gestern Morgen seinen Dienst versah. Auch andere Mütter berichteten von Zwischenfällen.
Anderes Licht würde viel helfen
Zwar ist der Überweg beleuchtet und zumindest in Fahrtrichtung Norden warnt ein Blinklicht die Autofahrer. Katja Kramer-Dißmann, Ratsmitglied für den Bürgerblock, deren Sohn ebenfalls die erste Klasse der Grundschuldependance besucht, sprach mit Bezug auf die gelben Lampen aber eher von „Entspannungsbeleuchtung“. Eine Änderung würde viel bringen, betonte sie.
„Ja, auf jeden Fall“, antworte Polizeihauptkommissar Dirk Schneider, seit September Bezirksdienstbeamter in Bad Honnef, auf die Frage, ob auch er Gefahren an der Stelle sehe. Tempo 50 sei hier zuviel, das gelbe Zebrastreifenlicht sei der Straßenbeleuchtung zu ähnlich. Die Initiative der Eltern sei richtig.
Die wollen noch bis zum 28. Februar Unterschriften sammeln (die Listen liegen in Geschäften, Praxen und Kindergärten aus) und sie vor der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses (19. März) an Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff überreichen. Zuständig für die Verkehrsanordnungen auf der Straße ist allerdings der Landesbetrieb Straßen.NRW. Die Eltern sehen ihre Unterschriften als Stärkung der Argumentation der Stadt Bad Honnef gegenüber der Landesbehörde.
Die Tempo-30-Zone sollte nach Ansicht der Eltern mindestens von der Feuerwehr bis zur Sparkasse reichen und damit drei Zebrastreifen umfassen. Polizeihauptkommissar Dirk Schneider kann sich das Limit sogar vom Ortseingangsschild aus vorstellen...
