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AkrobatikTosender Applaus nach Premiere für den Cirque Bouffon im Kursaal von Bad Honnef

4 min
Eine Frau in einem roten Kleid hält sich an einer Stange waagerecht in der Luft.

Perfekte Akrobatik: Henrike Lechler hat sich als Artistin auf die Disziplin Flying Pole spezialisiert.

Mit Artistik, Musik, Theater, Tanz und Komik gastiert der Cirque Bouffon in Bad Honnef. Eine Clownin erobert die Herzeen der Zuschauer.

Es dauerte nicht lange, da waren die ersten rot-weißen Stoffbahnen des Zirkuszeltes beiseite geschoben und gaben den Blick auf die Künstler frei, die zunächst steif wie Wachsfiguren wirkten und sich dann erstmal roboterhaft-mechanisch bewegten.

Ein bemerkenswerter Kontrast zur Beweglichkeit, Gelenkigkeit und absoluten Körperbeherrschung, die die Akrobaten des Cirque Bouffon anschließend im Laufe einer „fantastischen Reise“ bewiesen, die „Direktorin“ Anja Krips den Besuchern bei der Bad Honnefer Premiere der Show „Carrousel“ zu Beginn versprach.

Clownin Noémie Pichereau wurde von den Zuschauern ins Herz geschlossen

Gut zwei Stunden später applaudierten die begeisterten Zuschauer stehend und rhythmisch und riefen teils „Bravo!“. Sie waren mehr als angetan von der Mischung aus Artistenzirkus, Musik, Theater, Tanz und Komik. Wobei für Letzteres vor allem eine Clownin (Noémie Pichereau) zuständig war, die wohl jeder Zuschauer am Ende in sein Herz geschlossen hatte.

Ob sie den Wischmopp schwang (der später ein Gesicht mit Sonnenbrille bekam und zum kleinen Freund wurde), ob sie versuchte, ein rollendes Akkordeon anzulocken, ob sie ihren senkrecht stehenden Zopf einknickte und so auf Attacke stellte, ob sie pantomimisch vor eine Scheibe rannte oder eine Weile melancholisch-sinnierend in einem Ballon unter der Decke des Saals schwebte – die Clownin kam (fast) ohne Sprache aus, ließ mit Mimik und Gestik aber keinen Zweifel aufkommen, was sie gerade wollte oder nicht wollte oder gut oder schlecht fand.

Eien Frau im Clownskostüm und mit roter Nase hantiert mit einem Wischmopp auf der Bühne.

Wurde von den Zuschauern ins Herz geschlossen: Clownin Noémie Pichereau.

Die Zuschauer sind in der Inszenierung „Carrousel“ von Cirque-Bouffon-Direktor Frédéric Zipperlin im Bad Honnefer Kursaal rund um das rot-weiße Zirkuszelt platziert, das auf einer drehbaren Bühne steht (Karussell eben) und das von den Künstlern – von Komik und Musik begleitet – nach und nach abgebaut wird. So schaffen sie Platz für beeindruckende Akrobatik.

Beispielsweise von Johanna Gorzellik, die Handstand (mit einer Hand!) auf einer dünnen Stange machte, die ganze Zeit ihren Körper trug, Spagat machte und Beine und Oberkörper in allen möglichen Positionen drehte und brachte, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

Für einen der im Programm versprochenen poetischen Elemente sorgte Henrike Lechler, die an der Flying Pole (einer überlangen Stange) in der Luft zu schweben schien, die sich mit nur einer Hand und einem Fuß haltend kopfüber hing und die mit ihrem roten Kleid in Windeseile mit der Pole rotierte (was ein schönes Schattenspiel an der Stuckdecke des Jungendstil-Kursaals zur Folge hatte).

Mit einem laut Programmheft „weltweit einzigartigen Jonglierstil“ begeisterte Stanislav Vysotskyi, der seine weißen Bälle nicht nur mit den Händen, sondern mit seinen nackten Füßen fing und warf. Sein Können auf dem „Drahtseil“ bewies Maik Ortmann, dessen „Arbeitsgerät“ aus Platzgründen auf der größeren Bühne des Kursaals und nicht auf dem „Karussell“ installiert war.

Ein rot-weißes Zirkuszelt auf einer drehbaren Bühne, auf der sich einige Darsteller befinden, eine davon trägt eine „Giraffenkostüm“.

Wurde am Anfang ab- und am Ende wieder aufgebaut: das Zirkuszelt auf der drehbaren Bühne im Kursaal.

Das schien wiederum am Schluss beim Auftritt von Gab Drouin mit seinem Cyr Wheel fast ein wenig klein, als er in und mit dem großen Reifen mit verschiedenen Formen und Elementen geradezu über die drehbare Bühne fegte. Alle Auftritte der Akrobaten fanden – das versteht sich von selbst bei einem Zirkus in der Tradition des französischen Nouveau Cirque – mit musikalischer Begleitung statt.

„Alles selbst komponiert, live gespielt und live gesungen“, betonte am Ende Anja Krips, die selbst für den Gesang zuständig war und in der Show zugleich als Zirkusdirektorin auftrat. Die Musiker und Musikerinnen Sergej Sweschinski (Kontrabass und Komposition), Nonna Parfenov (Violine) und Nastja Schkinder (Akkordeon) standen mal in den Gängen zwischen den Zuschauern und mal als Band auf der drehbaren Bühne, auf der die Künstler zum Schluss das rot-weiße Zirkuszelt nach und nach wieder aufbauten, ihre Wachsfigurenstarre des Anfangs wieder einnahmen und die rot-weißen Stoffbahnen wieder zuzogen. Tosender Beifall!

„Faszinierend, was ihr aus dem Kursaal gemacht habt“, bilanzierte Mitveranstalter Jürgen Kutter. Sein Mitstreiter Markus Wißkirchen hatte zu Beginn betont, man wolle dem „wunderschönen Jugendstil-Kursaal neues Leben einhauchen“, und das mit einem „rheinischen Ensemble“, dem Cirque Bouffon, der „normalerweise in Köln beheimatet sei.

„Einen Zirkus hatten wir hier noch nie“, hatte Bürgermeister Philipp Herzog bei der Begrüßung der Besucher mit Bezug auf das 1902 gebaute Kurhaus gesagt. Jetzt hat Bad Honnef und sein Kursaal einen, und zwar noch bis zum 27. Juni.


Kurhaus Bad Honnef, Hauptstraße 28; bis 27. Juni; mittwochs bis freitags 19.30 Uhr, samstags 14.30 und 19.30 Uhr, sonntags 14.30 und 18.30 Uhr. Tickets kosten (je nach Platzkategorie) mittwochs und donnerstags 39 und 49 Euro (ermäßigt 29 und 39 Euro), freitags bis sonntags und an Feiertagen 49 und 59 Euro (ermäßigt 39 und 49 Euro). Familientickets gibt es für 107 Euro (zwei Erwachsene, ein Kind) und 136 Euro (zwei Erwachsene, zwei Kinder). In der ersten Woche gewähren die Veranstalter auf alle Tickets 20 Prozent Rabatt.