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Proben aus den heimischen KellernDiese neuen Weinkreationen gibt es bei Winzerin im Siebengebirge

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In der Vinothek des Weingutes Pieper in Rhöndorf trafen sich die Winzerinnen und Winzer; rechts außen Felix Pieper.

In der Vinothek des Weingutes Pieper in Rhöndorf trafen sich die Winzerinnen und Winzer; rechts außen Felix Pieper.

Zwei Jahrgänge in einer Flasche oder der nördlichste Sauvignon Blanc in NRW kamen unter anderem ins Glas. 

Wein, den es eigentlich noch gar nicht gibt, konnten die Gäste bei einer internen Veranstaltung der Winzer aus dem Siebengebirge probieren. Das hat einen einfachen Grund: Die Winzerinnen und Winzer stellen frisch gekelterte Weine vor, die ihrer Meinung nach besonders gut gelungen sind, und möchten die Einschätzung ihrer Kolleginnen und Kollegen dazu hören. Auch geht es um neue Geschmacksrichtungen mit einem besonderen Aromaprofil, für die sie eine fachliche Bewertung einholen wollen. Außerdem werden bei solchen Treffen Fragen zur Reifung des fermentierten Traubensaftes im Fass besprochen – etwa, wenn sich dabei Probleme ergeben haben.

Felix Pieper lädt gemeinsam mit seinem Vater Bobbi jedes Frühjahr zu diesem Austausch in die Vinothek ihres Weinguts in Rhöndorf ein. Dort wird gekostet und diskutiert. Spätestens gegen Mitternacht sind alle Weine probiert und der eine oder andere wertvolle Hinweis ausgesprochen. Mit dabei war diesmal auch die amtierende Mittelrheinweinkönigin Janina Mehr aus Rhöndorf, deren Amtszeit im November endet.  

Es gibt keine Entwarnung. Frost kann im April immer noch kommen
Ursula Adrian, Tochter von Winzer Josef Blöser aus Oberdollendorf

Im vergangenen Jahr war der Frost im April 2024 eines der beherrschenden Themen der Runde. Die Kälte stand stundenlang wie eine Wand in den Weinbergen. Bei Winzer Kay Thiel wurden dadurch rund 30 Prozent der Ernte vernichtet. Bei Bernd Blöser, Präsident des Weinbauverbandes Siebengebirge, waren es in manchen Lagen sogar bis zu 85 Prozent. Solche Hiobsbotschaften gab es diesmal zwar nicht. Entwarnung gibt es dennoch nicht „Frost kann im April immer noch kommen“, so Ursula Adrian, Tochter von Josef Blöser, im Gespräch mit der Redaktion.

Die aktuelle Mitterheinweinkönigin, Janina Mehr (M.), nahm auch an der Runde teil. Ihre Amtszeit endet im November dieses Jahres.

Die aktuelle Mitterheinweinkönigin, Janina Mehr (M.), nahm auch an der Runde teil. Ihre Amtszeit endet im November dieses Jahres.

Die Winzergemeinschaft des Siebengebirges reicht bis nach Rheinland-Pfalz hinein. So waren auch Gäste aus Unkel, Rheinbreitbach und Bruchhausen nach Bad Honnef eingeladen. Nach der Vorstellung der Weine ging es ins Detail. Bei den Proben aus dem heimischen Kellern eröffnete Winzer Josef Blöser aus Oberdollendorf den Abend.

Die Rebe kann Gesteinsmehl über die Wurzel aufnehmen, das später in die Traube wandert.
Bobbi Pieper, Winzer aus Rhöndorf

Er hatte einen 2025 Müller-Thurgau Kabinett aus der Lage Rosenhügel mitgebracht, der auf Zuspruch stieß. Ebenso der 2025 Oberdollendorfer Weißburgunder, „der aus wunderschönen Trauben gepresst wurde“, wie er es formulierte. Noch ein wenig trüb kam der Wein frisch aus dem Fass ins Glas. Blöser berichtete, dass dies eigentlich zu dieser Jahreszeit eher ungewöhnlich sei. Bobbi Pieper hatte eine ungewöhnliche Erklärung dafür: „Die Rebe kann Gesteinsmehl über die Wurzeln aufnehmen, das später in die Trauben wandert.“ Nach dem Keltern könne es in den Wein gelangen und so die Trübung verursachen.   

Kein Etikett sondern ein Merkzettel klebt auf der Flasche der Weines, der frisch aus dem Faß kommt. Josef Blöser stellt seinen Müller-Thurgau Kabinett 2025 vor.

Kein Etikett sondern ein Merkzettel klebt auf der Flasche der Weines, der frisch aus dem Fass kommt. Josef Blöser stellt seinen Müller-Thurgau Kabinett 2025 vor.

Heftig diskutiert wurde dann Blösers Dollendorfer Riesling Kabinett 2025. „Ob er vielleicht doch eine Spätlese ist?“, fragte Blöser in die Runde. „Dazu muss man wissen, dass die deutschen Prädikate in aufsteigender Reihenfolge lauten: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese,  Trockenbeerenauslese und Eiswein“, so Kay Thiel im Gespräch mit der Redaktion. Blöser hatte das Problem, dass der Wein  vom Mostgewicht her eine Spätlese ist. Bisher war es möglich, solche Weine auf Kabinett herabzustufen. Dieses Prädikat steht für Restzucker und wenig Alkohol – also ein leichter Wein. 

Winzer Felix Pieper, der auch Vizepräsident des Weinbauverbandes Mittelrhein ist, konnte ein wenig zur Klärung beitragen. Ab dem Jahrgang 2026 sei eine Herabstufung nicht mehr möglich, um die Klassifizierung zu schützen. Man könne in diesem aktuellen Fall die Bezeichnung Spätlese einfach durch Qualitätswein ersetzen. 

Das Weingut Haus im Turm aus Bad Honnef stellte eine neue Cuvée vor. Eine Assemblage aus Spätburgunder des Jahrgangs 2023 und Cabernet Franc von 2024. Den Winzern gefiel diese gelungene Kombination in der Flasche. 

Mir sind die Rosé-Weine oft zu beliebig im Geschmack
Kay Thiel, Biowinzer aus Oberdollendorf

Kay Thiel aus Oberdollendorf hat sich in den letzten Jahren als Biowinzer einen Namen in der gesamten Region gemacht. Er stellte einen Rosé aus der Dornfelder-Traube vor. „Mir sind die Rosé-Weine oft zu beliebig im Geschmack“, so Thiel. Dieser ist in einem 300-Liter-Eichenfass gereift. Er habe ihn als Wein zum Essen konzipiert mit einer „schönen Frucht ohne den Zucker von der Frucht.“ Auch er fand Zuspruch in der Runde.   

Gastgeber Felix Pieper überraschte mit einem Sauvignon Blanc, gereift in einem Barriquefass aus französischer Eiche. Im Herbst 2026 soll er abgefüllt werden. „Ein Wein jenseits des Mainstreams des Mittelrheines“, so Pieper, der damit den nördlichsten Sauvignon Blanc in NRW anbaut. Pieper nutzt den Klimawandel. Auch sein Grüner Veltliner ist die nördlichste Anpflanzung in NRW bei einem Berufswinzer.