Funde bei NiedrigwasserHobbyhistoriker stoppten das illegale Vorgehen von Raubgräbern am Rhein

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Ein Mann mit Teilen eines Flugszeugs am Rheinufer.

René Karassek aus Siegburg mit den geborgenen Teilen der FW-190 und einem Teil des Leitwerks samt Sperrholzplatte.

Hobbyhistoriker, die das Schicksal vermisster Piloten im Fokus haben, konnten bei Unkel das illegale Vorgehen von Raubgräbern unterbinden.

Das Niedrigwasser des Rheins hat bei Unkel unter anderem Teile eines Flugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg auftauchen lassen und so Raubgräber auf den Plan gerufen, die ohne Genehmigung und ohne Beteiligung der Behörden die Fragmente bergen wollten. Zum Teil ist es ihnen sogar gelungen. So ist das „Spornrad“ eines abgestürzten Flugzeugs Focke-Wulf FW 190 entfernt worden.

Das berichtete der Siegburger René Karassek, der Mitglied der „Vermisstensuche Thüringen“ ist und der unter anderem zusammen mit Dirk Röllecke von der „Interessengemeinschaft Lufthistoriker Ahr“ binnen kürzester Zeit etliche Behörden zusammengetrommelt hat, um das illegale Treiben zu unterbinden.

Nachforschungen mit Suchgeräten müssen genehmigt werden

Denn bei den historischen Fragmenten handelt es sich formell um Bodendenkmäler und Eigentum des Bundes. „Nachforschungen, insbesondere Geländebegehungen mit Schatzsuchgeräten sowie Ausgrabungen, mit dem Ziel, Kulturdenkmäler zu entdecken, bedürfen der Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde“, heißt es im Denkmalschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz.

Wie Bergungsleiter Dirk Röllecke gegenüber dieser Zeitung erläuterte, hatten sich Raubgräber über soziale Netzwerke in Unkel verabredet. Das habe man beobachtet und so seien die Personen von der Polizei erwartet worden. Das von ihnen gesammelte Material sei beschlagnahmt und an die Kripo in Neuwied übergeben worden.

Metallteile am Rheinufer.

Die geborgenen Überreste eines Bootes mit zwei Nebelfässern und die beiden Benzinkanister wurden geborgen und entsorgt.

Um weiteren Raub zu verhindern, habe man innerhalb von nur zwei Tagen eine „Notbergung“ initiiert, wobei etliche Behörden einbezogen werden mussten – von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz über die Wasserschutzpolizei bis zum Ordnungsamt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Normalerweise, betonten René Karassek und Dirk Röllecke, dauere so etwas viele Monate. Für Zeitdruck sorgte indessen auch der wieder steigende Rheinpegel.

Die Hobbyhistoriker verfolgen in erster Linie das Ziel, die bislang unbekannten Schicksale von Piloten zu klären. Wenn Raubgräber Teile der Flugzeuge in ihren Wohnungen oder Vitrinen unter Verschluss nehmen, könne diese Recherche womöglich erschwert oder unmöglich gemacht werden.

Die an der so schnell organisierten Notbergung Beteiligten konnten unter anderem zwei größere Stücke des einsitzigen Jägers FW-190 sicherstellen, berichtete René Karassek. Dazu zählt ein Seitenruder, das teilweise aus Sperrholz besteht und das erstaunlicherweise die langen Jahre im Wasser gut überstanden habe. Zum Kriegsende hin sei wegen des Material- und Rohstoffmangels auch Sperrholz an den Flugzeugen verbaut worden, weiß der Experte.

Vor allem aber habe man Fragmente der Werknummer der Maschine sicherstellen können. Wenn man diese Nummer komplett ermitteln könne, könne man auf die Einheit und sogar auf den Piloten schließen, der die Maschine zuletzt geflogen ist, erklärte Bergungsleiter Dirk Röllecke gegenüber dieser Zeitung. Die geborgenen Flugzeugteile werden von den Hobbyhistorikern am Ende gereinigt und fotografiert und schließlich an die Landesdenkmalbehörde in Koblenz übergeben, so das Mitglied der Vermisstensuche Thüringen.

Untersuchungen mit Detektoren am Rheinufer.

Genehmigte Untersuchungen mit Detektoren am Rheinufer.

Die Experten gehen übrigens nicht davon aus, dass die Focke-Wulf seinerzeit am jetzigen Fundort in Unkel abgestürzt ist. Da sei vermutlich weiter rheinaufwärts, vielleicht an der einstigen Ludendorff-Brücke zwischen Remagen und Erpel, passiert. Das Wrack sei dann im Laufe der Jahrzehnte vom Strom nach Unkel getrieben worden. Dafür spricht auch, dass an der aktuellen Fundstelle in Unkel keine menschlichen Überreste gefunden wurden.

Von einem deutschen „Sturzkampfbomber“ (Stuka) der Firma Junkers (JU 87) ist laut René Karassek bekannt, dass die Maschine rund 100 Meter rheinaufwärts von der jüngsten Suchstelle abgestürzt und eingeschlagen ist. Dort seien früher schon Flugzeugteile gefunden worden. Man hätte im Rahmen der Genehmigung zur Notbergung auch an der Stelle noch suchen dürfen, doch sei dem Team die Zeit ein wenig davongelaufen.

Reste eines mutmaßlichen US-Landungsbootes wurden beseitigt

Um weitere Raubgräberei zu unterbinden, haben die Behörden im Zuge der Notbergung, bei der auch ein Kleinbagger im Einsatz war, alle dort liegenden Relikte aus der Kriegszeit beseitigt, die nicht der Forschung dienen. Dazu gehörte beispielsweise eine amerikanische Trommel für Fernmeldekabel und Benzinkanister sowie deutsche Nebelfässer. Mit entfernt wurden zudem Reste eines Bootes, bei dem es sich womöglich um ein Landungsboot beziehungsweis ein „Higgins-Boot“ (benannt nach dem Konstrukteur) handelte, mit denen die US-Navy die Rheinüberquerung der 1st US-Army unterstützte. Das Wrack, das nur noch aus ein paar Streben bestand, war – nicht zum ersten Mal – ebenfalls aufgrund des Niedrigwassers aufgetaucht.