Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme stoppt der niedrige Rheinpegel die Verbindung nach Niederdollendorf.
Zu wenig WasserNiedrigwasser legt Godesberger Fähre nach Tagen lahm

Das Niedrigwasser zwingt die Fähre erneut zur Pause. Selbst für Baggerarbeiten ist der Rheinpegel zu niedrig.
Copyright: dpa
An der Anlegestelle in Bad Godesberg herrscht an diesem Morgen Stillstand, wo sonst Pendler, Schüler und Berufsverkehr Richtung Niederdollendorf übersetzen. Wer die Rheinseite wechseln will, muss den Umweg über die ohnehin stark befahrene Südbrücke nehmen – eine Alternative, die seit der Sperrung der Nordbrücke für viele ungewohnt zum Pflichtprogramm geworden ist.
Die Fähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf hat ihren Betrieb aufs Neue eingestellt – seit Dienstagabend. Erst am Montag, 26. Oktober, war die Verbindung nach einer rund einmonatigen Zwangspause wieder angelaufen. Damit kam die Fähre nur wenige Tage zum Fahren, bevor der niedrige Rheinpegel sie erneut zum Stillstand zwang.
„Riesenverlust, Riesenschaden“
Bereits am 1. September hatte der Betrieb wegen Niedrigwassers pausiert. „Das ist immer pegelabhängig“, sagt Ingo Schneider-Lux, Betriebsleiter der beiden Fährstellen bei der Lux-Werft und Schifffahrt GmbH. Wirtschaftlich schlägt das massiv zu Buche. „Riesenverlust, Riesenschaden“, sagt Schneider-Lux.
Die Ausbaggerung einer Anlegestelle koste „immer ganz schnell ziemlich hohe fünfstellige Beträge" – Geld, das das Unternehmen allein tragen muss. „Wir sind ja Privatunternehmen. Wir werden von keiner Seite unterstützt, was das angeht.“ Ohne den gesamten Firmenverbund, der die Fährverbindung mittrage, könnten manche Fährbetreiber nach einer so langen Pause den Betrieb kaum weiterführen, sagt er.
Nordbrücken-Sperrung verschärft die Lage für Pendler
Besonders ärgerlich sei der Zeitpunkt: Wegen der Nordbrücken-Sperrung sind deutlich mehr Pendler auf die Fähre angewiesen als sonst. „Im Pkw-Verkehr ist der Bedarf sicher mal mindestens ein Drittel größer gewesen wie sonst“, so Schneider-Lux. Betroffen seien nicht nur Autofahrer, sondern auch Schüler, die regelmäßig übersetzen. Fällt die Fähre aus, bleibt vielen nur die stärker frequentierte Südbrücke. Die rund zehn Mitarbeiter am Standort Bad Godesberg konnten immerhin an die zweite Fährstelle in Mondorf wechseln, die weiterhin fährt.
Baggerarbeiten hängen vom Pegel ab
Dass Mondorf bislang verschont blieb, liegt an bereits abgeschlossenen Baggerarbeiten. Der Kostenaufwand lag den Angaben der Lux-Werft zufolge in einem hohen fünfstelligen Betrag. In Bad Godesberg ist der Pegelstand jetzt erneut zum Problem geworden – und auch die anstehenden Baggerarbeiten, die auch in Bad Godesberg geplant sind, werden dadurch torpediert: „Wenn der Wasserstand so niedrig ist, haben die Baggerschiffe das gleiche Problem wie die Fähren. Die kommen dann nicht an diese Untiefen ran“, erklärt Schneider-Lux. Die Schiffe könnten sich kaum noch selbst beladen und nicht genug Material abtransportieren.
Erschwert wird die Lage zusätzlich durch die Geografie vor Ort: „In Niederdollendorf liegt halt eine ganz große Kiesbank vor der Anlegestelle, die halt beseitigt werden müsste.“ Ein bereits vor Wochen bestelltes Baggerschiff, das zuletzt in Bremen im Einsatz war, soll kommende Woche eintreffen – ob es dann tatsächlich arbeiten kann, hängt wiederum vom Pegel ab.
Betreiber fühlt sich alleingelassen
Wie lange der Ausfall dauert, ist offen. „Fahren würden uns jetzt schon 10 bis 15 Zentimeter helfen“, sagt Schneider-Lux. Aktuell liege der Pegel bei vier Zentimetern (Oberwinterer Pegel, Stand Dienstagabend). Kurzfristige Prognosen seien kaum verlässlich: Noch am Vortag habe nichts auf den erneuten Ausfall hingedeutet. Derzeit zeichne sich eher eine längere Trockenperiode ab – Regen im Rheinland allein helfe ohnehin nicht, nötig sei starker Niederschlag im Süden, etwa am Bodensee.
Dass sich Fährbetreiber mit dem Problem allein gelassen fühlen, zeigt sich auch im Austausch mit Politik und Verwaltung. „Da spricht noch nicht mal einer mit Ihnen über die Probleme vor Ort. Man hört ja auch immer wieder von diesen ganzen Taskforce-Gruppen und so, da werden Sie eigentlich nicht mit einbezogen“, kritisiert Schneider-Lux. Von Kommunen und Stadt komme praktisch keine Unterstützung – trotz angespannter Haushaltslagen sei das Unternehmen als privater Betreiber auf sich gestellt.
Auch Bad Honnef hofft auf Unterstützung
Die Lage ist kein Einzelfall am Rhein. Die Hitdorfer Fähre legt gerade eine Zwangspause ein. Und auch die Fähre Siebengebirge zwischen Bad Honnef und Rolandseck kämpft mit dem Niedrigwasser. „Die Situation ist leider weiterhin dramatisch und der Pegel ist extrem niedrig“, sagt Betriebsleiterin Sabrina Bockshecker von der Fährgesellschaft Honnef Pool GmbH & Co. KG. „Aktuell ist noch nicht sichergestellt, dass kein weiterer Ausfall in den nächsten Tagen und Wochen erfolgen muss.“
Von August bis Oktober habe der Betrieb bereits 20 Ausfalltage verkraften müssen, der Schaden liege im Vergleich zu 2025 bei knapp sechsstelligen Euro-Beträgen – hinzu kämen Einbußen durch ein reduziertes zulässiges Fahrzeuggewicht.
Bockshecker hofft auf Unterstützung des Bundes, etwa durch Förderungen für längere Rampen: „Dies ist alleine aus dem Betrieb, der rein privatwirtschaftlich betrieben wird, ist nicht ohne weiteres möglich.“ Auch die Fähren in Zons/Dormagen und Hitdorf sind von der Niedrigwasserlage betroffen und mussten ihren Betrieb zuletzt wiederholt einstellen. Bei der Fähre in Zons wurde sogar Kurzarbeit angemeldet, um dem Arbeitsausfall zu begegnen. (jv)
